Streit im Asylheim

Mit Waffeleisen auf den Kopf geschlagen

  • vonMayls Majurani
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Ein Streit in der Asylunterkunft in Lindum ist eskaliert. Jetzt landete der Fall vor Gericht

Erding/Lindum – Drei Schläge mit dem Waffeleisen auf den Hinterkopf – so etwas kann schlimm enden. „Erst sind wir von einem Tötungsdelikt ausgegangen“, sagte auch ein Polizist auf dem Zeugenstuhl. Glücklicherweise kam der Geschädigte nur mit Platzwunden davon. Auch der Täter hatte Glück. Die vom Erdinger Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verhängte Freiheitsstrafe von neun Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die Tat passierte im Februar in der Asylunterkunft in Lindum. Der Täter, ein 29-jähriger Nigerianer, griff in der Gemeinschaftsküche mit einem Waffeleisen einen Gleichaltrigen von hinten an, schlug dreimal zu. Als dieser zu Boden fiel, setzte er sich auf ihn und würgte ihn. Der Sicherheitsdienst in der Unterkunft trennte die beiden und alarmierte die Polizei.

Nach Angaben des Angeklagten hatte die Auseinandersetzung eine Vorgeschichte. Zwei Tage vorher habe es in der Unterkunft einen Streit wegen einer Kreditkarte gegeben. Der Nigerianer habe versucht, den Streit zu schlichten. Sein späteres Opfer sei davon aber nicht begeistert gewesen. Sie hätten verbal gestritten, bis die Sache eskalierte. Von dem Waffeleisen wollte der Angeklagte aber nichts wissen. „Wir haben mit den Fäusten gekämpft und haben uns beide verletzt“, sagte er. Eine Erklärung, wieso es Blutspuren am Waffeleisen gab, konnte er nicht liefern.

Vom Kreditkarten-Streit wollte dagegen der Geschädigte nichts wissen. Er sagte, dass er geschlagen worden sei, weil es vor einem Monat ein Missverständnis in einem Wettbüro in Dorfen gegeben hat. Er sei damals von der Polizei befragt worden. „Ich hatte damals nichts gesehen, aber er (der Angeklagte, Anm. d. Red.) sagte jedem, ich hätte bei der Polizei Lügen über ihn erzählt.“

Immer wieder versuchte der Angeklagte, den Vorfall als beiderseitige Prügelei darzustellen. Die Sicherheitskraft in der Asylunterkunft, ein 38-jähriger Deutscher, sagte dagegen: „Es sah nicht nach einer Schlägerei aus. Der Geschädigte versuchte sich zu wehren, wurde aber überrannt.“ Er packte den Täter und zog ihn weg. Dann verständigte er die Polizei. Während der Tat seien mehrere Personen in der Küche gewesen, sagte er. „Die wollen aber nichts gesehen haben, das ist leider oft so.“ Nur eine Frau beobachtete wohl den einseitigen Kampf. Vor Gericht änderte sie jedoch ihre Aussage. Ein Zuschlagen mit dem Waffeleisen habe sie nicht gesehen, nur dass sich die beiden auf dem Boden prügelten.

„Sie hat damals mit einer Dolmetscherin ausgesagt und die deutsche Aussage nochmals zurückübersetzt bekommen und unterschrieben“, erinnerte sich dagegen der 57-jährige Polizist von der PI Dorfen. Der Täter sagte ihm damals, er sei vom Geschädigten mit einer Whiskeyflasche attackiert worden. „Wir haben diese Flasche nicht gefunden“, sagte der Polizist, das bestätigte auch der Sicherheitsmann aus der Unterkunft. Vor Gericht sprach der 29-Jährige auch kein einziges Mal von der Flasche. Der Dorfener Polizist wusste auch, dass es nicht das erste Vergehen des Angeklagten war: „Er darf seine Kinder nicht sehen, weil er gewalttätig ist. Und weil er seine Kinder nicht sehen darf, wird er gewalttätig.“ Richterin Michaela Wawerla berichtete auch von zwei Vorstrafen, beide im Jahr 2019. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit Körperverletzung und Hausfriedensbruch.

Staatsanwältin Lina Schneider forderte eine zehnmonatige Haftstrafe, ohne Bewährung. Der Angeklagte sei vorbestraft. Die Frequenz, in der er neue Straftaten begeht, sei sehr hoch. Der Angeklagte, der ohne Anwalt im Saal saß, sagte auch zum Schluss noch: „Ich bin unschuldig, ich schwöre auf die Bibel.“

Richerin Wawerla entschied sich für eine neunmonatige Haftstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Die gibt es nur, erklärte Wawerla, weil Haftstrafen unter einem Jahr prinzipiell zur Bewährung ausgesetzt werden. Sie mahnte aber auch: „Wenn Sie sich nochmals strafbar machen, kommen Sie ins Gefängnis.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert

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