+
Fünf Kilometer neue Bahntrasse sieht das Vieregg-Konzept vor (dicke rote Linie). Darüber ist die bisherige Trasse in Grau zu sehen. Die Beschriftungen „Beginn Tieflage“ und „Ende Tieflage markieren auf dem Plan den Geländeeinschnitt. Teilweise verläuft im Westen darin die Staatsstraße 2086, für die eine neue Einschleifung nötig wird (lila).

Stadtrat lös das Bahn-Ticket nach Berlin

Ohne Lärmschutzwände: Dorfener Bahn-Planung liegt endlich vor

  • schließen

Mit dem Vieregg-Konzept will der Stadtrat Dorfen fünf Meter hohe Lärmschutzwände quer durch die Stadt verhindern. Jetzt muss das Bundesverkehrsministerium davon überzeugt werden. 

Dorfen – B 15, A 94, Bahnausbau – die Dorfener müssen mit dem einen oder anderen Verkehrsalbtraum leben. Fünf Meter hohe Lärmschutzwände entlang der ausgebauten Bahntrasse quer durch die Stadt wären das nächste Horrorszenario. Der Kampf dagegen tobt schon Jahre, nun hat der Stadtrat fundierte Argumente gegen die Planung der Bahn in der Hand: die sogenannte Präferenzlösung. Das Konzept des Verkehrsberatungsbüros Vieregg-Rössler sieht auf drei Kilometern eine Tieferlegung der Gleise vor. Der über weite Strecken vier Meter tiefe und zwölf Meter (teilweise bis zu 30 Meter) breite Geländeeinschnitt soll Lärmschutzwände überflüssig machen.

Der Stadtrat billigte die Präferenzlösung am Mittwoch einstimmig, die eine Dorfener Delegation dem Bundesverkehrsministerium präsentieren soll. „Jetzt haben wir eine Möglichkeit, wie wir gemeinsam – alle Fraktionen – nach Berlin fahren können“, lobte Michael Oberhofer (CSU). Einen Termin gebe es noch nicht, erklärte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Eine schriftliche Anfrage ans Ministerium sei raus.

„Wir sind ganz sicher nicht teurer als die Bahn“, erklärte Dr. Martin Vieregg in der Sitzung. Er sprach sogar von zehn Prozent Kostenersparnis – von 66 Millionen Euro auf 60 Millionen, wie er auf Nachfrage erläuterte.

Viereggs Konzept sieht auf fünf Kilometern eine Verschiebung der Bahntrasse nach Süden vor. Auf drei Kilometern verlaufen die Gleise in einem „Einschnitt“ – kein Trog, das würde einen befestigten und damit teuren Boden bedeuten. Die Bahn plant dagegen mit einem 500 Meter langen herkömmlichen Trog im Bereich der B 15-Querung – und ansonsten ebenerdig mit Lärmschutzwänden. „Außerdem müssen sie ihren Bahnhof Richtung Kloster Moosen verschieben“, sagte Viereg im Gespräch mit unserer Zeitung. Das entfalle bei seiner Planung.

Die Vieregg-Trasse soll teilweise in den Hausmehringer Hang eingegraben werden. Teil des Konzepts ist auch die Verlegung der Staatsstraße 2086 auf einer Länge von 1,5 Kilometern neben die Bahntrasse in den Geländeeinschnitt hinein. Kostengünstiger werde es dennoch, sagt der Münchner Verkehrsberater. Entscheidende Ersparnisse liegen bei deutlichen geringeren Erdbewegungen und bei „Deckelungen“, einer günstigen Konstruktionsweise von Überführungen.

Bei herkömmlichen Brücken seien teure Schalungsarbeiten nötig, erläuterte Vieregg den Stadträten. Die Deckel würden dagegen „ohne Zimmermannsarbeit einfach auf den Boden gegossen“. Erst danach werde darunter ausgegraben. In München sei das bei U-Bahn-Stationen oder Tunnels am Mittleren Ring so praktiziert worden. „Ein absolutes Standardverfahren.“ Demgegenüber würde nach Viereggs Worten alleine die von der Bahn in Kloster Moosen geplante herkömmliche Brücke zehn Millionen Euro kosten. Mit den Deckeln wird die Bahnstrecke an fünf Stellen quasi eingehaust und überfahrbar: an Isener Siedlung, Birkenallee, Bahnhofstraße in Kloster Moosen, B 15-Querung und Meindl-Gelände.

Noch im Juli hatte Vieregg dem Stadtrat beichten müssen, dass seine Arbeit nach über zwei Jahren immer noch nicht abgeschlossen ist (wir berichteten). Nun sei der 90 Seiten lange Abschlussbericht umso stichhaltiger, erklärte er am Mittwoch. Das bei der Bahn hochangesehene Büro igi-Consult habe die geologischen Gegebenheiten untersucht. „Die Detailtiefe geht deutlich über die Bahnplanung hinaus – vor allem in den Bereich Hochwasserschutz und Entwässerung“, erklärte Vieregg. Seine Arbeit schlage mit etwa 35 000 Euro, die von igi-Consult mit 25 000 Euro zu Buche, sagte der Verkehrsberater auf Nachfrage.

Grundner lobte das Konzept als „städtebaulich sehr viel verträglicher“. Martin Greimel (CSU) zeigte sich „positiv überrascht“ – vor allem, als er von Vieregg hörte, dass die B 15 für die Bauarbeiten nicht gesperrt werden müsse.

„Das ist eine schlüssige Planung“, urteilte Martin Heilmeier (LDW). Einziger Nachteil sei, dass mehr Grund verbraucht wird. Gerald Forstmaier (Grüne) pochte darauf, „den Lärmschutz wenigstens überschlagsmäßig durchrechnen zu lassen“. Das werde ein gewichtiges Argument sein. Josef Jung (ÜWG) bedankte sich bei dem Verkehrsberater: „Sie sind standhaft geblieben, obwohl Sie ganz schön angefeindet wurden.“ Als Jung auch Georg Brandhuber von der BI Bahnausbau lobte, kam kurz Beifall im Sitzungssaal mit über 50 Zuhörern auf.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bürger verärgert: Eine Stunde im Schulbus für 7,5 Kilometer
Die Schulbusse aus Taufkirchen brauchen offenbar eine Stunde für eine 7,5 Kilometer lange Strecke. Dafür haben die Bürger kein Verständnis und die Verantwortlichen keine …
Bürger verärgert: Eine Stunde im Schulbus für 7,5 Kilometer
Trotz massiver Kritik: An der A 94 bleibt wohl alles, wie es ist
Besserer Lärmschutz, Tempolimits und zumindest mal Lärmmessungen – das sind drei zentrale Forderungen von Bürgern und Politikern entlang des neuen Abschnitts der A 94. …
Trotz massiver Kritik: An der A 94 bleibt wohl alles, wie es ist
Konzeptlos beim Kratzerwirt?
Was wird mit dem Kratzerwirt geschehen? Die Gemeinde möchte das Gebäude zum Bürgerhaus umbauen. Mit dieser Idee können sich aber nicht alle Bürger anfreunden.
Konzeptlos beim Kratzerwirt?
Google-Bewertungen für Flughafen München verwundern: „Tolle Whiskey-Beratung“
Der Flughafen München ist seit vier Jahren der einzige Five-Star-Airport Europas. Reisende haben ihre eigene Meinung dazu und geben die kuriosesten Bewertungen auf …
Google-Bewertungen für Flughafen München verwundern: „Tolle Whiskey-Beratung“

Kommentare