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„Das Rathaus übernehmen“ (v. l.): Valentin Sachs, Bernhard Roth, Kalle Oefele, Anika Krämer und Jonas Ziegler.

Aufstellungsversammlung

Die Partei will „das Dorfener Rathaus komplett übernehmen“

Kalle Oefele ist Bürgermeisterkandidat von Die Partei. Jetzt  müssen noch 200 Unterstützer unterschreiben, damit die Satire-Partei in Dorfen überhaupt antreten kann. Die  Wahlkämpfer denken schon über Freibier nach.

Dorfen – Fast hätte es Hund Olaf auf die Dorfener Stadtratsliste von „Die Partei“ geschafft. Zufällig war der Terrier-Dackel-Mix bei der Aufstellungsversammlung im Johannis-Café dabei. Der Hund sei durchaus wählbar, fanden Ortsvorsitzender Kalle Oefele und seine Mitstreiter von der Satire-Partei. Schließlich hat der Hund einen festen Wohnsitz in Dorfen, und auch sein Leumund ist einwandfrei. Doch immer wenn die Mitglieder nach der Vorstellung und Wahl eines Kandidaten laut applaudierten, zerrte der kleine Vierbeiner an der Leine und bellte lautstark. So wurde es doch nichts mit der politischen Karriere von Olaf. Oefele will es dagegen wissen: Er bewirbt sich um das Amt des Dorfener Bürgermeisters.

Politisch sei „Die Partei oben, die anderen Parteien stehen unter uns“, sagte der Spitzenkandidat. Daher sei allen klar: Ein Hund, der nicht im Rampenlicht stehen möchte, gehört unter den Tisch und nicht ins Rathaus.

Der 21-jährige Student fordert daher nun ganz ohne tierischen Beistand Rathauschef Heinz Grundner heraus: „Ich will Bürgermeister werden“, sagte er. Sein Partei-Kollege Bernhard Roth (22) wurde als Vize nominiert und ergänzte: „Unser Ziel ist es, das Dorfener Rathaus komplett zu übernehmen.“

„Wir wollen ernsthafte Politik in Dorfen machen“, erklärte Jonas Ziegler, 19 Jahre alt. Dann kamen allerdings Forderungen, die die politischen Mitbewerber wohl kaum ernst nehmen werden. Beispielsweise setzt sich Die Partei für einen „ganzjährigen eisfreien Tiefseehafen für Dorfen“ ein. Ziegler, der einstimmig auf Listenplatz 6 gewählt wurde, folgerte: „Paddelboot fahren ist ein neues Freizeit- und Sportangebot für die Dorfener.“ Der Tiefseehafen verhindere außerdem den Verkehrsinfarkt, denn Pendler könnten vom Bus auf das Boot umsteigen. „Das macht Dorfen und die Region autark“, so Ziegler.

Der bekannteste Politiker von Die Partei ist Martin Sonneborn, der die Gruppierung gemeinsam mit Kollegen des Satire-Magazins „Titanic“ gegründet hat und für sie seit 2014 auch im Europäischen Parlament sitzt – ganz im Ernst und mit dem Ziel, die Phrasendrescherei der seriösen Politik zu entlarven.

Ebenso bierernst wie Vorbild Sonneborn leitete Oefele die Aufstellungsversammlung. Dabei hielt er sich an alle Vorgaben des kommunalen Wahlrechts. Schließlich möchten Oefele und seine Genossen tatsächlich in den Stadtrat gewählt werden, auch wenn das Programm ziemlich bizarr anmutet, etwa „LSD ins Trinkwasser“, wie Oefele forderte. Oder: „Eine Brücke für den Autoverkehr über die jetzige B 15, um Platz für Spielstraßen und Fußgänger darunter zu schaffen“, so Bernhard Roth (Listenplatz 2).

Nach der erfolgreichen Aufstellungsversammlung beginnt nun für Die Partei der Kampf um sogenannte Unterstützer-Unterschriften: „In Dorfen brauchen wir an die 200, die bis 3. Februar 2020 persönlich ins Rathaus gehen, um uns auf den Wahlzettel zu bringen“, sagte Valentin Sachs, 22 Jahre alt und Listenplatz 8. Das möchte der „Faulenbeauftragte“ Sachs durch Freibier erreichen. „Da machen wir doch einen Stand vorm Rathaus auf und schenken ordentlich aus.“

Mal angenommen, Oefele käme tatsächlich in den Stadtrat, dann wäre es wohl mit dem Spaß vorbei. Auf mehrmalige Nachfrage sagte der Spitzenkandidat schlussendlich: „Wir werden uns für die Menschen und eine gerechte Sozialpolitik einsetzen.“ Somit gehen wenigstens die Stimmen nicht vor die Hunde. 

 MICHAELE HESKE

Die Liste:

1. Bernhard Roth, 2. Kalle Oefele, 3. Lucia Graupner, 4. Myriam Birkholtz, 5. Dadar Chaychimoghadam, 6, Jonas Ziegler, 7. Anika Krämer, 8. Valentin Sachs, 9. Andreas Roth, 10. Michael Trapp, 11. Nicole Sengl.

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