„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden
„Ein Highlight“ für Geistlichen Rat Johann Wieser (vorne, l.): Das erzählt er selbst über die Weihe der Mariengrotte von Maria und Konrad Wimmer in Parschalling im Oktober 2018. Dabei waren auch Pfarrer Janusz Gadek und dessen Vorgänger Johann Eschbaumer (vordere Reihe, v. l.).
+
„Ein Highlight“ für Geistlichen Rat Johann Wieser (vorne, l.): Das erzählt er selbst über die Weihe der Mariengrotte von Maria und Konrad Wimmer in Parschalling im Oktober 2018. Dabei waren auch Pfarrer Janusz Gadek und dessen Vorgänger Johann Eschbaumer (vordere Reihe, v. l.).

Diamantenes Priesterjubiläum

Pfarrer Johann Wieser: Ein Tröster, der jedem sein Herz öffnet

  • vonTimo Aichele
    schließen

Nach einem Schlaganfall muss Geistlicher Rat Johann Wieser sein Diamantenes Priesterjubiläum im Krankenhaus feiern. Auch im hohen Alter war der Seelsorger stets bereit für Notfälle.

Dorfen – Pfarrer Johann Wieser hat eine Gabe. Ohne Vorurteile öffnet er den Menschen sein Herz. Und er leiht jenen sein Ohr, denen etwas auf dem Herzen liegt. Am Montag musste der Dorfener Ruhestandspfarrer ein großes Fest ganz klein feiern: Sein Diamantenes Priesterjubiläum beging der Geistliche Rat mit nur sechs Gästen in der Klinik Wartenberg. Dort ist er nach einem Schlaganfall auf Reha. Die kleine Kaffeerunde im Speisesaal durfte nur mit großem Abstand stattfinden und nicht länger als eine Stunde dauern.

Neben Bruder, Schwester und Cousine des Geistlichen sowie Ersatz-Mesner Herbert Moser waren Pfarrsekretärin Juliane Eschler und ihr Mann Wilfried dabei. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Wolfgang Lanzinger war auch nach Wartenberg gefahren. Nach den Corona-Besuchsregeln wären es aber zu viele Gäste geworden. Er verzichtete.

Der Geistliche Rat Wieser sei „eine Schatzkiste“, sagt Juliane Eschler – „ein Tröster und ein Priester, der ganz nah am Menschen ist“. Diesen Ruf hat sich der gebürtige Landshuter seit Oktober 2006 in Dorfen erarbeitet, als er eine Wohnung am Marienstift bezog. Seine Frühgottesdienste in der Marktkirche montags und mittwochs um 8 Uhr werden von bis zu 70 Gläubigen besucht.

Seine Arbeit als Priester stellt Wieser seit 60 Jahren unter das Lebensmotto, das er sich schon bei seiner Primiz 1960 in Landshut-Achdorf gegeben hat. „Beim Einzug habe ich mir vom Kirchenchor den Psalm 100 gewünscht: Dient dem Herrn in Freude“, schwärmt er noch heute. Diese Freude wurde aber vor allem in den vergangen zwei Jahren hart auf die Probe gestellt. Zu oft sei das Notfalltelefon der Pfarrei auf seinen Anschluss umgeleitet gewesen, erzählt der Priester.

„Wenn man mich gebraucht hat, bin ich gekommen“, berichtet der 88-Jährige, Tag und Nacht. Gerade im benachbarten Alten- und Pflegeheim habe er immer gerne geholfen. „Ich habe so viele Sterbende begleitet“, blickt Wieser zurück. Dass er sich in seinem hohen Alter dabei sehr viel zugemutet habe, das sei ihm erst jetzt bewusst. „Das hat mich physisch überanstrengt. Aber damals hob i des ned gmerkt.“

An seine Leistungsgrenzen ging Wieser auch in seiner langen Zeit als Seelsorger und Lehrer in Moosburg (Kreis Freising). „Einen Zwölf-Stunden-Tag habe ich nicht gehabt. Korrekturarbeiten habe ich nachts gemacht“, erzählt er. In seiner Laufbahn habe er etwa 700 Paare getraut, die Zahl der von ihm getauften Kinder könne er nicht einmal schätzen. „In Moosburg waren es etwa 30 pro Jahr.“ Doch vor allem die Jugend war seine Berufung.

Pfarrer Johann Wiesers Motto: „Beide Ohren bei der Jugend“

„Ich wollte ursprünglich Volksschullehrer werden“, erzählt Wieser. Doch bei einem kurzen Schuleinsatz als junger Mann im niederbayerischen Pfarrkirchen wuchs in ihm der Wunsch, Priester zu werden. Also meldete er sich im November 1954 im Priesterseminar in Freising an. Erst studierte Wieser Philosophie, Geschichte und Soziologie, dann Dogmatik und Moraltheologie. „Die ganze Theologie habe ich bei Professor Ratzinger gemacht“, erzählt der 88-Jährige stolz. Vier Jahre lang habe er für den mit nicht einmal 30 Jahren sehr jungen Professor und späteren Papst Benedikt jeden Morgen um 6 Uhr im Freisinger Dom ministriert.

1960 bei der Primiz: Johann Wieser als junger Mann.

Die Begeisterung für den Priester-Beruf habe ihn immer getragen, sagt Pfarrer Wieser – insbesondere in der Zeit nach dem 2. Vatikanischen Konzil. „Da war eine ungeheure Aufbruchstimmung. Die haben wir in die Jugend reingetragen.“ Das fiel genau in die Zeit Wiesers in Erding zwischen 1963 und 1968. Dort lernte er, was seine Arbeit über Jahrzehnte geprägt und ihm oft Auftrieb gegeben habe: „Du musst immer beide Ohren bei der Jugend haben.“ Noch heute habe er Kontakte zu Menschen aus der damaligen Zeit.

Als junger Benefiziat und Jugendseelsorger in St. Johannes Erding betreute er auch die Justizvollzugsanstalt und begann, als Religionslehrer an der Landwirtschaftsschule und an der Knabenrealschule zu arbeiten. 1968 wurde Wieser an die Realschule Moosburg und 1976 ans dortige Karl-Ritter-von Frisch-Gymnasium versetzt, wo er bis zur Pensionierung 1994 Geschichte und Religion unterrichtete. Zugleich war er als Vikar in der Pfarrei St. Kastulus tätig und betreute drei Altenheime seelsorglich. 1995 folgte seine Ernennung zum Geistlichen Rat.

Seine Schüler haben Wieser sehr geachtet. Er schenkte der Jugend sein Herz und musste nicht jugendlich tun. Mit seiner behäbigen Gestalt in Bundfaltenhosen war Wieser das pure Gegenbild des damaligen evangelischen Pfarrers Klaus Bösl, einem bekennenden Alt-Hippie. Mit ihm habe er aber bestens zusammengearbeitet, und er treffe sich noch immer einmal im Jahr mit ihm zum Essen, erzählt Wieser.

Pfarrer Johann Wiesers schweres Amt als Drogenberater

19 Jahre lang war er Drogenberater am Gymnasium, ein Amt, das ihm auch wegen seiner priesterlichen Schweigepflicht zugefallen war. „Eine schwere Aufgabe“, erinnert sich Wieser seufzend. Schließlich erfuhr er auch von erschütternden Geheimnissen. „Da muss man schon einen weiten Bogen spannen“, sagt der Priester über die nötige Toleranz in einem solchen Amt.

Als Vertrauensperson der Jugendlichen habe er oft schweigen müssen, wo er lieber gesprochen hätte. Insgeheim habe er aber auch mit den Drogenfahndern der Kripo Erding zusammengearbeitet und stets versucht, sein Gelübde und das Wohl der Beteiligten auszutarieren.

Selbst versuchte er einmal, einen minderjährigen Schüler aus einer WG herauszuholen, die ihm nicht gut tat. Der Bursche floh aber, und Wieser wusste sich nicht anders zu helfen, als Eltern und Polizei zu verständigen. „Das hat er mir natürlich übel genommen.“ Oder er wurde bedroht, weil eine muslimische Schülerin sofort nach dem Abitur nach Berlin floh, um einer Zwangsverheiratung zu entgehen. Der Vater drohte ihm auf offener Straße Gewalt an, weil er in dem Pfarrer einen Komplizen sah. „Ich habe manche Nächte gehabt, in denen ich mich gefragt habe: Hast du alles recht gemacht?“, sagt der Geistliche Rat heute.

Seinen Schlaganfall hat der 88-Jährige relativ gut überstanden. Neben seinem Bett in der Klinik Wartenberg steht zwar ein Rollator, den er benutzen soll. Doch sein Geist und seine Sprache sind klar wie immer. „Nur meine linke Hand geht ned“, meint Wieser. Sein Glück war vielleicht, dass er bereits im Krankenhaus war, als ihn Mitte Juni beim Frühstück der Schlaganfall traf.

Heute auf Reha: Johann Wieser erholt sich in der Klinik Wartenberg.

Wegen eines septischen Schocks, „einer inneren Blutvergiftung“, wie Wieser erzählt, war er schon zwei Wochen in der Klinik Dorfen gewesen. „Ich war Gott sei Dank in 25 Minuten im Klinikum Erding“, sagt Wieser. Mit einer schnellen Behandlung konnten ihn die Ärzte vor schlimmeren Folgen des Schlaganfalls bewahren.

Bald hofft der 88-Jährige, wieder in seine Wohnung neben dem Marienstift zurückzukehren. Nach 38 Jahren in Moosburg war er im Oktober 2006 mit seiner aus Angerskirchen stammenden Haushälterin Irmgard Held nach Dorfen gekommen. Sie habe ihn bis zu ihrem Tod 2012 insgesamt 49 Jahre lang unterstützt.

„Wir wollten am Dammerlberg eigentlich ein schönes Grundstück kaufen, um dort ein Haus zu bauen“, erzählt Wieser lachend. Doch der Bauträger habe zu ihnen gesagt „Sie brauchen kein Haus“ und ihnen Apartments in dem gerade entstehenden Wohnblock neben dem Marienstift angeboten. Eine gute Entscheidung, findet der 88-Jährige heute, denn dort könne er bei Bedarf die Angebote des Betreuten Wohnens in Anspruch nehmen.

Auch über eine andere Begegnung muss Wieser lachen. Das Haus war kaum fertig, „da kimmt oana daher, der war angezogen wie ein Punker, mit Lederjacke und so“, erzählt der Pfarrer. Der Fremde habe gefragt, ob er der neue Pfarrer sei – „dann können S’ am Sonntag gleich nach Landersdorf und den Gottesdienst mit Gräberumgang hoitn“. Wieser lehnte das zunächst ab. „Heute schäme ich mich fast dafür“, sagt er. Denn als sich der „Punker“ als Pfarrer Johann Eschbaumer vorstellte, begann Wiesers Dorfener Zeit in guter Zusammenarbeit.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erding: Neuer Wirt im Gasthaus Zur Post
Seit fünf Monaten ist das Gasthaus Zur Post in Erding geschlossen. Jetzt steht der neue Pächter fest: Mario Pianka. Der 33-Jährige will Ende Oktober wieder eröffnen.
Erding: Neuer Wirt im Gasthaus Zur Post
Solar-Pioniere in der Zwickmühle
Solar-Pioniere in der Zwickmühle
Horror-Unfall auf der B20: Vier junge Männer sterben beim Versuch nachts zu Überholen - Details zu den Opfern
In der Nacht auf Montag ereignet sich in Ascha (Landkreis Straubing-Bogen) ein schrecklicher Verkehrsunfall, der vier Leben kostet. Schuld ist ein missglückter …
Horror-Unfall auf der B20: Vier junge Männer sterben beim Versuch nachts zu Überholen - Details zu den Opfern
Strogen: Hochwasserschutzkonzept kommt bis Ende des Jahres
Strogen: Hochwasserschutzkonzept kommt bis Ende des Jahres

Kommentare