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Initiative der Dorfener SPD

Plastikfrei einkaufen in Dorfens Geschäften

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Die Stadt Dorfen will in ein Konzept zur Förderung von verpackungsfreiem Einkaufen einsteigen. Der Umwelt, Natur- und Klimaausschuss hat schon mal zugestimmt - und will dafür den Förderkreis ins Boot holen.

Dorfen – Gelber Sack, Biotonne, Glascontainer – die Deutschen halten sich für die Müll-Musterschüler der Welt. Die Realität sieht jedoch anders aus. Jeder Bundesbürger verursacht pro Jahr 38 Kilogramm Plastikmüll, weit über dem EU-Durchschnitt von 24 Kilo. Und diese Zahlen aus dem aktuellen Müllatlas von Bund Naturschutz und Heinrich-Böll-Stiftung stammen aus dem Jahr 2016 – die Kurve zeigt steil nach oben. Dieses Problem hat die Dorfener SPD zu einem Thema der Kommunalpolitik gemacht und eine Initiative für verpackungsfreies Einkaufen in der Stadt angestoßen.

Der Umwelt-, Natur- und Klimausschuss folgte dem Antrag der Genossen in der Sitzung am Mittwoch einstimmig. Demnach soll der Stadtrat darüber beraten, wie Dorfener Geschäfte plastikfreier werden können. Für die Aktion soll der Förderkreis ins Boot geholt werden. Die SPD schlägt konkret die Information von Kunden, wo sie verpackungsfrei und mit selbst mitgebrachten Behältern einkaufen können, und eine Werbekampagne dafür vor.

„Es geht im Endeffekt um etwas, das vor vor 30,40 Jahren in Kramerläden abgeschafft wurde: der weitgehende offene Verkauf von Waren“, sagte SPD-Stadträtin Simone Jell-Huber in der Ausschusssitzung. Metzgereien dürften sehr wohl Waren in von Kunden mitgebrachten Dosen legen. Die Boxen dürften auf die Theke gestellt und dort mit den Waren befüllt werden, klärte die Antragstellerin ihre zweifelnden Ratskollegen auf. „Das Problem ist, dass das viele Kunden gar nicht wissen“, sagte Jell-Huber. Sie mache das selbst schon seit einiger Zeit so und stelle fest: „Es ist schon erstaunlich, wo das überall geht.“ Sie kenn auch schon zwei Lokale, die Gerichte in mitgebrac

hte Dosen legen.

Bei Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) rannte die SPD offene Türen ein. Das sei „ein Themenbereich, der alle bewegt. Der Plastikmüll ist ein Riesenärgernis“, erklärte Grundner. Der Förderkreis, also der Gewerbeverein in Dorfen, habe hier die Schlüsselposition, um das zu umzusetzen, sagte der Bürgermeister. Die Stadt könne da selbst keine Empfehlungen abgeben, „das wäre sonst wettbewerbsverzerrend“.

Die Bemühungen auf Verpackungsmaterial zu beschränken, greife ohnehin zu kurz, meinte Grundner. Er wolle das Thema Plastikreduzierung allgemein anpacken und plane ein Konzept für ökologisches Büromaterial im Rathaus – „weil es mich schlicht aufregt, wenn ich mich den ganzen Tag mit Plastikfolien und Wegwerfgeräten auseinandersetzen muss“, sagte er. Der SPD-Antrag wurde daher um den entsprechende Auftrag an die Verwaltung ergänzt.

Gerald Forstmaier (GAL) unterstrich die Notwendigkeit der Initiative mit einer Anekdote. Er habe von Leuten gehört, die extra von Dorfen nach Wasserburg fahren, weil sie dort verpackungsfrei einkaufen könnten. Das sei wegen des Benzinverbrauchs widersinnig, zeige aber auch das Potenzial für Wirtschaftsförderung in der Stadt.

Der Ausschuss stimmte auch für die Umstellung der Stromabnahme auf den Ökotarif der Stadtwerke Dorfen – allerdings unter einer Bedingung: Die Mehrkosten müssten seitens der Stadtwerke in Erneuerbare Energie reinvestiert werden. Laut Anita Herbst von der Verwaltung seien im Jahr 2018 460 000 Euro für Strom ausgegeben worden. Der Ökostrom-Tarif sei einen Cent pro Kilowattstunde teurer. Das ergebe eine Kostensteigerung von vier Prozent, also 18 000 Euro.

Wenn diese Bedingung nicht erfüllt und damit der Ökostrom nicht überzeugend wäre, sind diese 18 000 Euro für die Ökologie aber nicht verloren. Der Betrag wird stattdessen in den Haushaltsberatungen für 2020 dem Umweltbudget zuschlagen. „Denn 18 000 Euro für eine reine Signalwirkung, das wäre kein Pappenstiel“, argumentierte Grundner.

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