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Der Lavendel-Bauer Matthias Tafelmeier inmitten seines blühenden Feldes. F

Lavendelfeld bei Adlstraß

Die Provence mitten in Bayern

Duftende Blütenpracht: Matthias Tafelmeier hat in Adlstraß bei Grüntegernbach eine kleine Provonce mitten in Bayern geschaffen.

Von Alexandra Anderka

Adlstraß – Man will seinen Augen nicht trauen, wenn man Adlstraß passiert. Rings um den Hof auf einer Anhöhe zwischen Grüntegernbach und Lain am See blühen Margeriten, Kamille, Mohn und vieles mehr. Davor erstreckt sich ein großes Lavendelfeld, sechs Hektar sollen es in den nächsten beiden Jahren werden. Ja, Lavendel. Die Provence mitten in Oberbayern.

Angelegt hat diese duftende Blütenpracht mit erwiesener Heilwirkung Matthias Tafelmeier. Der 36-jährige Landschaftsgärtnermeister hat 2015 den Hof seiner Eltern übernommen, der bis zu diesem Zeitpunkt konventionell betrieben worden war. Insgesamt 45 Hektar, 14 davon Wald. „Ich habe mir damals überlegt, was wir draus machen können“, erzählt der Landwirt. So entstand nach und nach das Projekt „Adlstraß Natur“. Das wiederum beinhaltet Landschaftsgestaltung abseits von kommerziellen Zielen, um einem „höheren Anliegen zu dienen“. Nämlich einem Leben voller Lebensfreude und Erholung. Das ist Tafelmeier mit seinen bunten Blumenfeldern wahrlich gelungen.

Dem Spaziergänger und Fahrradfahrer geht das Herz auf, wenn er am duftenden Lavendel vorbeifährt. Selbst der Autofahrer will seinen Augen nicht trauen: Ein bunter Garten Eden am Rande des östlichen Landkreises. 20 Jahre hat Tafelmeier als Landschaftsgärtner gearbeitet, jetzt freue er sich, dass er all das Wissen, das er angesammelt hat, sinnvoll einsetzen könne. „Nachhaltigkeit erlebbar zu machen und die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen von Pflanzen, Tieren und Menschen zu sichern, sehe ich als verantwortungsvolle Lebensaufgabe an“, beschreibt der Idealist seine Motivation.

Zusammen mit seiner Lebensgefährten Hilde Pirschner, deren zweijähriger Tochter sowie den Eltern lebt und arbeitet er auf dem Hof. Neben den vielen Blumen baut Tafelmeier auch noch Hanf, Wildkräuter, Aroniabeeren und Urgetreide an, das er an die Drax-Mühle nach Rechtmehring liefert. Für die nahe Zukunft ist ein kleiner Hofladen geplant. Doch leben kann Tafelmeier von der vielen Arbeit, die er täglich verrichtet, nicht. Die laufenden Kosten deckt er mit landwirtschaftlichen Flächensubventionen. Unterstützt wird der Landschaftsgärtner von Freiwilligen, die ihre Arbeit ehrenamtlich zur Verfügung stellen, denn das Lavendelfeld hat Tafelmeier angebaut, weil „es ein schönes Landschaftsbild ergibt“.

In der Provence war Tafelmeier noch nicht. „Wenn ich schon nicht in den Urlaub komme, hole ich mir das Gefühl einfach her“, sagt er, denn es sei für ihn „Beruhigung pur“, mit der Hacke durchs Lavendelfeld zu streifen. Helfer kämen aus allen Richtungen. „Sogar aus München und Traunstein fahren sie an, gerade Städter genießen es, in der Natur arbeiten zu können“, sagt Tafelmeier und sinniert: „Mal schauen, was wir aus den Blüten machen können.“ Auf alle Fälle soll die heilende Wirkung der Pflanze über den Kompost wieder der Erde zurückgeführt werden. „Einer gesunden Natur zuliebe gebe ich Mutter Erde das zurück, was ihr gehört“, sagt er. So seien „am Ende alle Gewinner – die Menschen, die Landschaft, ja die ganze Natur“.


Interessengemeinschaft

Kinder wie Erwachsene lädt Matthias Tafelmeier ein, auf Adlstraß Natur-Pate zu werden und bei der Gestaltung der Landschaft mitzuarbeiten. In Workshops kann man sich über nachhaltigem Tourismus informieren, Schulen kommen zu Tagesausflügen für lebendigen Biologie-Unterricht. In naher Zukunft soll die Interessengemeinschaft als Verein eingetragen werden. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.adlstrass.de. Dort kann man Bio-Produkte wie Hanftee, Hanföl, Hanfmehl, Honig und Walnüsse online bestellen.

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