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Treffpunkt für Verliebte: der Dorfener Schwammerl fehlt den Dorfenern.

Dorfener Wahrzeichen lagert im Bauhof

Rettet den Schwammerl

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Er ist das inoffizielle Wahrzeichen von Dorfen, war der Anlaufpunkt von unzähligen Verliebten. Der Dorfener Schwammerl ist kult. Seit fünf Jahren lagert der hölzerne Pilz jetzt schon im Bauhof.

Dorfen – Beim virtuellen Rundgang auf der Internetpräsenz der Stadt Dorfen steht er noch für die schönen Seiten der Isenstadt: der Schwammerl. Doch die reale Welt sieht ganz anders aus. Das inoffizielle Dorfener Wahrzeichen hoch über dem Isental musste 2015 der A 94 weichen. Das Versprechen, die Holz-Blech-Konstruktion an anderer Stelle wieder aufzubauen, hat die Stadt bislang nicht gehalten.

Der hölzerne Fliegenpilz, vom Volksmund liebevoll Schwammerl tituliert, war über Jahrzehnte hinweg der Anlaufpunkt für Verliebte und Romantiker. Später wurde der hölzerne Fliegenpilz auch zum Mahnmal der A 94-Gegner zum Schutz der Heimat. Seit Juli 2015 lagert der Schwammerl im Bauhof, wie Stadtsprecherin Gudrun Gersbach auf Anfrage jetzt bestätigte. „Die Stadt ist in Gesprächen mit Grundstückseigentümern, um den ,Schwammerl‘ wieder aufstellen zu können.“ Diese Gespräche dauern aber schon sehr lange. Denn akkurat die gleichlautende Auskunft gab die Stadt schon im Oktober 2017 auf eine entsprechende Anfrage der Heimatzeitung.

Dabei war der Fliegenpilz bei Eck immer ein beliebter Rastpunkt für Wanderer und Spaziergänger. Vor A 94-Zeiten konnte man die herrliche Aussicht ins Isental genießen. Und der Schwammerl galt auch als magischer Ort: Generationen von Verliebten haben sich im Holz des Pilzes mit ihren Namen verewigt.

Die A 94 hat nicht nur der Idylle, sondern auch dem Schwammerl den Garaus gemacht. Die Autobahn hat sich brutal durch das Isental gefressen. Bei Osendorf unterhalb des Schwammerl-Standorts überspannt eine Monsterbrücke das Lappach-Tal – und ist auch ein Symbol für andere Zeiten, als die, für die der Schwammerl noch stand.

Sollte das Dorfener Wahrzeichen je wieder aufgebaut werden, dann wohl nicht am alten Platz. Denn die Autobahnbetreiber haben sicher keinerlei Interesse daran. Denn der Standort ist nahe an der Kante des Hangs, in dem die Trasse verläuft.

Fest steht: Nicht nur älteren Dorfenern fehlt der Schwammerl. Auch junge Leute vermissen ihn. So haben junge Leute in der Nähe des ehemaligen Standortes eine Beton-Skulptur mit eindeutiger Aussage aufgestellt. Ein nackter Hintern reckt sich in Richtung Autobahn. Darauf steht: „Schamt’s eich!“.

Vom Schwammerl gibt es in den Fotoalben vieler Dorfener Familien nicht nur unzählige Bilder. Der Pilz ist längst auch zum Kunstobjekt geworden. So hat der Dorfener Hobbykünstler Ferdinand Stöckl mehrere Bilder vom Schwammerl gemalt, die ihn in verschiedenen Jahreszeiten zeigen. Auch die Taufkirchener Malerin Siegried Ressy hat den Schwammerl schon in Acrylfarben auf Leinwand gebannt.

Die Dorfenerin Petra Kittel hat es sogar geschafft, dass es nicht nur Bilder gibt, sondern man sich das Dorfener Wahrzeichen ins Wohnzimmer stellen kann. Sie fertigt Mini-Schwammerl aus Papier, Draht und Schwemmholz vom Chiemsee. Kittel bietet diese kleinen Kunstwerke seit 2018 zum Kauf auf dem Christkindlmarkt an.

Der hölzerne Fliegenpilz hat sogar Eingang in einen Kriminalroman gefunden. In „Genagelt“ von Leonhard F. Seidl ist der Schwammerl Schauplatz eines grausamen Mordes. Privatdetektiv Freddie Deichsler, wird durch den Anruf seines Jugendfreundes Korbinian in die einstige Heimat ins Isental zurückgelockt. Als der Detektiv dort eintrifft, ist sein Freund Korbinian tot. Er wurde in Tracht an den „Schwammerl“ genagelt – der Ermordete war Autobahngegner.

Natürlich wird der Schwammerl auch zur Schau getragen. Ein Dorfener Grafiker-Ehepaar hat das Wahrzeichen auf ein T-Shirt und eine Tragetasche gepackt. Demnächst wird der Schwammerl auch noch politisch. Die Landliste Dorfen-West hat an den Stadtrat den Antrag gestellt, dass der Schwammerl wieder aufgestellt werden muss.

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