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Dorfen schaltet die Straßenlaternen ab

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Von: Timo Aichele

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Bald wird’s duster: Zwischen 0 und 5 Uhr wird wie hier nahe des Dorfener Schulzentrums keine Laterne mehr leuchten.
Bald wird’s duster: Zwischen 0 und 5 Uhr wird wie hier nahe des Dorfener Schulzentrums keine Laterne mehr leuchten. © Timo Aichele

Der Dorfener Bauausschuss beschließt eine Stromsparmaßnahme. Zwischen Mitternacht und fünf Uhr werden in Siedlungen die Straßenlaternen ausgeschaltet. An der Weihnachtsbeleuchtung wird aber nicht gerüttelt.

Dorfen – Jeder redet übers Energiesparen, bei weitem nicht jeder folgt diesem Gebot der Stunde auch konsequent. Anders die Stadt Dorfen: Der Bauausschuss hat am Mittwoch mit 8:3 beschlossen, dass die Straßenlaternen auf Siedlungsstraßen künftig von Mitternacht bis 5 Uhr ausgeschaltet werden. Zu einer Reduktion der Weihnachtsbeleuchtung konnte sich das Gremium nicht durchringen. Darüber hinaus setzt die Stadt jedoch bereits eine lange Reihe an Energiesparmaßnahmen um.

Die Debatte hatte Martin Heilmeier (LDW) mit einem Antrag angestoßen. Manche seiner Vorschläge sind nach der Schilderung von Franz Wandinger schon längst umgesetzt, zum Beispiel im Rathaus 19 Grad Raumtemperatur und nur noch kaltes Wasser zum Händewaschen.

Der Bauamtsleiter verwies dazu auf eine To-Do-liste des Deutschen Städtetags mit 35 Positionen und die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen“ (EnSikuMaV) der Bundesregierung. Nach Letzterer sollen zum Beispiel Leuchtreklamen zwischen 22 und 16 Uhr ausbleiben. Damit konnte Heilmeier auch an diesem Punkt ein Häkchen machen.

Ausgiebig diskutiert wurde aber über die Weihnachtsbeleuchtung und die Straßenlaternen. In Wohngebieten könne man die Leuchten nach Einschätzung des Bayerischen Gemeindetags durchaus ausschalten, berichtete Wandinger. Er warnte jedoch vor einem Arbeitsaufwand, den die Straßenverkehrs-Ordnung vorschreibt.

Markiert sind die Masten dann mit einem „Laternenring“.
Markiert sind die Masten dann mit einem „Laternenring“. © MM-Archiv

„Jede Lampe, die nicht die ganze Nacht leuchtet, muss mit einem roten Ringerl bereift werden“, berichtet er. Bauhofmitarbeiter fahren mit dem Auto von Mast zu Mast, kleben die Laternenringe auf, beschriften sie eventuell noch mit Uhrzeiten und protokollieren das alles.

Es gebe etwa 2000 Straßenlaternen im Stadtgebiet, berichtete Wandinger. Wenn man die Hälfte beringe, werde das Kosten zwischen 18 000 und 20 000 Euro verursachen. Ausgenommen von dem Beschluss sind Bundes-, Staats-, Kreis- und Gemeindeverbindungsstraßen.

„Wir würden jährlich 14 000 Euro an Stromkosten sparen“, hielt Heilmeier dagegen – gerechnet mit dem aktuellen und noch recht niedrigen Tarif von 36 Cent pro Kilowattstunde.

Christian Holbl (TEG) verwies auf immer mehr Vandalismus und Schlägereien. Daher halte er beleuchtete Straßen für wichtig. „Ich fürchte, dass das gar nicht so gut ankommt“, erklärte auch Michaela Meister (SPD) im Hinblick auf das Sicherheitsbedürfnis der Bürger.

Schon seit Jahren werde über die Umrüstung der Straßenlaternen auf Energiesparlampen diskutiert, kritisierte Andreas Hartl. Über einen LED-Anteil von nur 37 Prozent sei er schon „erstaunt“. Dazu kämen noch 40 Prozent NAV-Leuchten, die vorangegangene Generation der Energiesparlampen, antwortete Wandinger. Man könne ja nicht ständig noch funktionsfähige Technik ersetzen.

Die Weihnachtsbeleuchtung wird nun komplett mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet und damit eine Stromersparnis von 80 Prozent erzielt. Das stellte Heilmeier nicht ganz zufrieden. „Die Hälfte aufzuhängen – das wäre die richtige Signalwirkung“, erklärte er. Das halte er für wichtig, da das Energiesparen noch nicht in den Köpfen aller Menschen angekommen sei.

„Es wäre aus psychologischen und medizinischen Gesichtspunkten ungünstig, die dunkle Jahreszeit auch noch dunkel zu gestalten“, hielt Vize-Bürgermeister und Arzt Dr. Ludwig Rudolf (CSU) dagegen. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause müsse der Markt auch etwas hermachen, fand Rudolf: „Wenn man so einen Bettel-Weihnachtsmarkt mit dusterer Beleuchtung macht, kommt kein Mensch.“ Hier werde jetzt schon „dramatisiert“, erwiderte Heilmeier.

Sein 50-Prozent-Antrag kam nicht zur Abstimmung. Denn erst wurde ein „weiter gehender Antrag“ behandelt, wie es die Gemeindeordnung vorschreibt. Als weiter gehend definierten Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) und der Bauamtsleiter wegen der höheren Kosten die Anschaffung der LED-Weihnachtsbeleuchtung.

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