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Meditativ und lichtdurchflutet: der Gottesdienstraum der Versöhnungskirche mit Pfarrerin Annette Schumacher. 

Gottesdienst und Kirchenkonzert zum Jubiläum

Seit 25 Jahren ein offenes Haus: die evangelische Versöhnungskirche Dorfen

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Im Herzen von Dorfen hat die evangelische Gemeinde ihre Heimat. Die Versöhnungskirche wurde vor 25 Jahren eingeweiht. Ein Grund zu feiern.

Dorfen – Man könnte auf der Brandstattgasse einfach vorbeieilen. Man könnte stehen bleiben und erkennen: Das ist ja ein kleiner Glockenturm. Man könnte den Fries über dem Portal entziffern und lesen: „Lasst euch versöhnen mit Gott“. Oder man könnte sogar hineingehen. So wie es ein verzweifelter Straßenarbeiter vor ein paar Jahren getan hat. „Auf einmal stand ein angetrunkener Mann im Gang“, erinnert sich Pfarrerin Annette Schumacher. Weil Dienstagvormittag war, wurde gerade für das Frauenfrühstück im Gemeindesaal gedeckt – und der Mann einfach dazugesetzt. Dies ist eine der vielen Geschichten, die dieses Gebäude seit 25 Jahren sammelt.

Denn vor einem Vierteljahrhundert wurde die evangelische Versöhnungskirche in Dorfen eingeweiht. Davor hatten die Protestanten in der St.-Sebastian-Kapelle Gottesdienste gefeiert. Immerhin gab es seit 1981 schon ein eigenes Gemeindezentrum – in absolut zentraler Lage

„Obwohl wir eine Minderheit sind, sind wir mitten im Herzen der Stadt“, sagt Jürgen Weithas. Ein absoluter Glücksfall, findet nicht nur der langjährige Lektor der Gemeinde. Damals konnte – mit viel Eigenleistung und auch mit Hilfe einer privaten Erbschaft – die frühere Bäckerei Reisinger und der zwischenzeitliche Sitz der Volksbank erworben und hergerichtet werden. Das eigene Gotteshaus hinter dem Gemeindezentrum folgte ein gutes Jahrzehnt später.

„Die Versöhnungskirche ist eine offene Kirche“, sagt die Pfarrerin. Wortwörtlich: Unter der Woche kann jeder hinein, um zu beten, sich zu sammeln, Ruhe zu finden. Oder etwas Trost und ein Bahn-Ticket nach Hause. So wie der angetrunkene Arbeiter von der A 94-Baustelle.

Er sei gerade hinausgeworfen worden, erzählte er den Damen beim Frauenfrühstück. Sie nahmen sich seiner an, fuhren ihn in sein Zimmer in Schwindkirchen und anschließend mit all seinen Habseligkeiten zum Bahnhof Dorfen. Dort löste eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gemeinde für den Mann das nicht gerade billige Bahn-Ticket nach Hamburg. Nur sein Rad blieb hier – und wurde von der Flüchtlingshilfe gerne weitergegeben.

Jeder soll  in der evangelischen Versöhnungskirche Anschluss finden

Das sei sicherlich ein besonderes Zusammentreffen gewesen, sagt Schumacher. Doch möglich wurde es durch das Konzept der offenen Kirche. Durch die runde Anordnung der Bestuhlung habe der Kirchenraum mit seinen 110 Sitzplätzen etwas Meditatives, findet die 54-jährige Geistliche. Nur das Kreuz an der Altarwand werde von manchen als schockierend empfunden, „weil der Körper so entstellt ist“. Doch darin stecke eine wichtige Glaubensaussage: das Opfer Jesu und sein „Mitleiden“ mit den Menschen. „Eine Katastrophe muss nicht das Ende sein“, erkläre sie das manchmal den Konfirmanden.

Die evangelische Gemeinde Taufkirchen-Dorfen umfasst auch die Gebiete der vier Holzlandgemeinden, Lengdorf sowie Teile von Bockhorn und Fraunberg und hat laut Schumacher etwa 2350 evangelische Christen. Sie selbst lebt und arbeitet seit 2012 mit ihrem Mann, dem Pfarrer Edson Schumacher, und der Familie in Taufkirchen. Von 1994 bis 2006 hatten sie gemeinsam in seinem Heimatland Brasilien gelebt, dort kamen auch ihre drei Töchter zur Welt.

Zwar an führender Stelle, aber so sind auch die Schumachers typische evangelische Christen im katholisch geprägten Altbayern: Zugezogene. Die Gemeinde wachse beständig, gerade in Dorfen, meint Weithas. „Ich bin ja auch so hierher gekommen“, erzählt der 71-Jährige, der 1974 ein Reihenhäuschen in der Isenstadt bezog. „Unser Ziel ist, dass diese Kirche eine neue Heimat bietet“, erklärt daher die Pfarrerin. Hier könne jeder schnell Kontakte knüpfen.

Auch deswegen sei das Gemeindezentrum ein offenes Haus. Neben der kirchlichen Arbeit gibt es hier privaten Gitarrenunterricht oder VHS-Kurse. „Wir vermieten den Gemeindesaal für private Feiern. Und wir hatten hier sogar schon eine syrische Hochzeit“, erzählt Schumacher.

So hat die evangelische Gemeinde nun seit 25 Jahren eine eigene Heimat in Dorfen. Denn nach einer kurzen und und für den damaligen evangelischen Pfarrer blutig beendeten Episode im 16. Jahrhundert habe es erst 1917 wieder evangelisches Leben in Dorfen gegeben, erzählt der passionierte Heimatforscher Weithas, der auch Vorsitzender des Historischen kreises Dorfen ist. Damals wurde der Evangelische Verein gegründet, der zunächst im Rathaussaal Gottesdienste feiern durfte.

Daran erinnert im Eingangsbereich der Versöhnungskirche ein Kruzifix, das stilistisch nicht so recht zu den modernen und farbenfrohen Glasfenstern passen will. Sie zeigen verschiedene biblische Szenen und haben alle ein Thema: Versöhnung.

Der Festtag:

Das 25-jährige Jubiläum der Versöhnungskirche wird am ersten Adventssonntag, 1. Dezember, um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst gefeiert. Am gleichen Tag findet um 16 Uhr ein Kirchweihkonzert statt. Unter dem Motto „Cantate domino“ singen und musizieren Gruppen der evangelischen Kirchengemeinde Taufkirchen-Dorfen. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Kirchenmusik wird gebeten.

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