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Riesige Dimension: das Meindl-Areal im Größenvergleich zu Dorfen. Dort soll ein neuer Stadtteil entstehen. 

Flächennutzungsplan-Änderung

Dorfen stellt Weichen in Richtung Wachstum

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Mit dem Feststellungsbeschluss für die 14. Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt Dorfen hat der Stadtrat die Weichen für die Entwicklung in den nächsten zwei Jahrzehnten gestellt. Bis zu 40 Hektar Wohn- und gemischte Bauflächen können realisiert werden.

Dorfen – Obwohl der Flächennutzungsplan (FNP) bereits in der Sitzung im Juli 2016 auf den Weg gebracht wurde, kam es bei der Sitzung am Mittwochabend, in der es um die Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen ging, erneut zu teilweise endlosen Diskussionen im Plenum. Und: Nach wie vor wird der Stadt durch Behörden eine Entwicklung nicht gerade einfach gemacht. So ist das Landratsamt Erding der Meinung, dass die Flächen, die Dorfen ausweist, zu groß bemessen sind.

Hier hält die Stadt aber entgegen, dass die Verdoppelung des aufgrund des geschätzten Bevölkerungwachstums dargestellten Flächen gerechtfertigt ist. Die Stadt brauche einen hinreichenden Handlungsspielraum bei der Schaffung verbindlichen Braurechts. Begründet wird dies auch damit, dass die Stadt eine Interessentenliste von mehr als 400 Personen habe, die Grundstücke suchten. Nicht eingeschlossen seien hier Personen, die sich bei Bauträgern oder Immobilienvermittlern um Grundstücke bemühten. Überdies sei ja nicht sichergestellt, dass die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Flächen auch tatsächlich zur Bebauung zur Verfügung stünden.

Zu einer intensiven Diskussion kam es im Plenum erneut wegen der Aufnahme des Areals der ehemaligen Ziegelei Meindl als Wohn- und Gewerbegebiet. Landlistensprecher Martin Heilmeier forderte hier, im nördlichen Bereich an den Bahngleisen einen 80-Meter-Korridor freizulassen, um hier die Chancen für notwendigen Grund bei einer mögliche Tieferlegung der Bahngleise zu erhalten.

Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) verwies darauf, dass dies nicht möglich sei. „Das ist ein Gewerbegebiet. Wir können dem Eigentümer das Baurecht nicht einfach nehmen. Das würde für

„Nicht in die Vorleistung gehen“

die Stadt eine Entschädigungspflicht nach sich ziehen.“ Bauamtsleiter Franz Wandinger wies darauf hin, dass in der Änderung des FNP in diesem Bereich ein Planzeichen eingefügt werde, das zeige, dass hier die Stadt besondere Planungsabsichten habe.

Heilmeier gab sich damit nicht zufrieden. Es sei zu überlegen, das Meindl-Areal aus der Änderungs des Flächennutzungsplans „ganz heraus zu lassen“. Die Stadt habe dann gegenüber dem Eigentümer, dem Etex-Konzern, „ein viel besseres Verhandlungspotenzial“. Denn Etex wolle ja unbedingt Wohnbebauung an dem Ort, weil das wesentlich höhere Grundstückspreise bringe.

Vor diesem Schritt warnte wiederum Bauamtsleiter Wandinger. Zum einen sehe die Regierung von Oberbayern die Umwandlung großer Teile des Meindl-Areals zur Wohnnutzung „als geradezu ideal an“. Zum anderen wolle die Stadt ja in dem geplanten neuen Stadtteil mit speziellen Programmen für günstigen Wohnraum sorgen.

Sebastian Sperr (CSU) regte überraschend an, die Gewerbeflächen auf dem Meindl-Areal zu belassen. Dorfen sei schließlich mit Gewerbegebieten allgemein nicht allzugut gestellt.

Jung: Stadt muss Führungsrolle haben

ÜWG-Fraktionssprecher Josef Jung griff den Sperr-Vorstoß auf und erinnerte daran, dass er genau das schon vor einem Jahr gefordert habe. „Warum soll die Stadt in Vorleistung gehen? Etex soll uns erst einmal sagen, was sie vorhaben. Bei einer Überplanung des Areals muss die Stadt die Führungsrolle einnehmen.“ Bürgermeister Grundner erinnerte daran, dass die Stadt sich mit der Ausweisung im Flächennutzungsplans „nichts vergibt“. Die kommunale Planungshoheit bleibe davon unberührt.

Schließlich einigte sich das Plenum darauf, die gut 14 Hektar große Fläche als Wohnbaufläche im FNP zu belassen sowie die öffentliche Auslegung und Behördenbeteiligung durchzuführen. Darin enthalten ist jetzt auch eine gut drei Hektar große Fläche westlich der Ziegelei, die in Privatbesitz ist.

Baugebiet für „Gwappelte“

Heftig diskutiert wurde auch um die gut 14 Hektar große Mischfläche Obere Mooswiesen, die im Anschluss an die Isener Siedlung liegt. Dort soll Wohnen und Gewerbe möglich werden. Hier hatte die Stadt ein hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gegeben, um die bestehende Bebauung vor Hochwasser schützen zu können. In dem Bereich besitzt die Stadt selbst mehrere Grundstücke.

Heiner Müller-Ermann forderte, das Gebiet nicht zu bebauen, da es wegen der Grundwasserproblematik „ein ausgesprochen schwieriges Gebiet“ sei. „Wir schaffen im günstigen Fall ein teueres Baugebiet“, so Müller-Ermann. Dorfen brauche aber keine neuen Baugebiete, „die sich nur Gwappelte leisten können“. Letztlich entschied der Stadtrat mehrheitlich, auch diese Fläche im FNP zu belassen und den Feststellungsbeschluss zu fassen. Die 14. Änderung des Flächennutzungsplans im Gesamten wurde einstimmig beschlossen.

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