Tod im Nest: Vogelschützer suchen die Ursache.

Viele tote Jungvögel und unbebrütete Eier

Stiller Tod in den Nistkästen

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Erst sterben die Insekten, dann die Vögel. In den meisten der 27 von der Ortsgruppe Dorfen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) kontrollierten Nistkästen haben sich Dramen abgespielt. In vielen Nestern lagen tote Jungvögel. Auch eine Menge unbebrüteter Eier wurden gefunden.

Dorfen – Es ist ein Umstand, der die Dorfener Vogelschützer ratlos macht. In den Nistkästen im Dorfener Stadtpark, am Hochwasserauffangbecken und in der Nähe der Heubrücke haben kaum Jungvögel überlebt. In acht der 27 Ende Dezember kontrollierten Kästen fanden sich Nester mit toten Jungvögeln sowie mit unbebrüteten Eiern. Neun Kästen waren leer. Bei sechs Nistkästen war zu sehen, dass Vögel mit dem Nestbau begonnen, aber dann aufgegeben haben. Unter den Nestern mit totem Gelege fanden sich Kohl- und Blaumeisen sowie Stare. Vor allem Meisen und Kleiber haben ihre Nester nicht fertig gebaut.

Für Franz Leutner, den Vorsitzenden der LBV-Ortsgruppe, ist Ursachenforschung schwierig. „Es kommt eine Vielzahl von Ursachen in Frage. Vom Verhungern der Jungvögel, deren Eltern Opfer von Katzen oder Greifvögeln geworden sind, bis hin zum mutwilligen Vertreiben brütender Vögel ist alles möglich.“ Am wahrscheinlichsten hält es Leutner aber, dass die brütenden Vögel zu wenig Nahrung gefunden haben und deshalb die Jungvögel verhungern mussten. „Da ist viel zusammengekommen. Es war ein sehr trockener Sommer, hinzu kommt das Insektensterben. Jungvögel werden im wesentlichen mit Insekten großgezogen. Die sind der wichtigste Eiweißlieferant für die Brut.“

Wie groß das Drama ist, zeigt ein Vergleich mit den vergangenen Jahren. 2017 wurde nur ein totes Gelege gefunden, in den Aufzeichnungen von 2016 ist gar keines verzeichnet. Das Nistkästen von Vögeln erst gar nicht genutzt werden, komme immer mal wieder vor. Aufgegebene Nester seien in den vergangenen Jahren jedoch nur selten festgestellt worden. Inwieweit es sich um ein örtlich begrenztes Ereignis oder eine darüber hinausreichende Auffälligkeit handle, könne man noch nicht feststellen. Die meisten Nistkästen in Großstädten wie etwa München seien noch nicht gereinigt. Eine Auswertung sei deshalb frühestens in etlichen Wochen zu erwarten.

Wie dramatisch die Lage sei, habe das Bundesumweltamt erst unlängst bestätigt. Inzwischen fehlten 75 Prozent der noch in den 90er Jahren vorhandenen Insektenmasse. Die Auswirkungen von Insektensterben und Klimawandel träfen aber nicht nur die heimischen Vögel, welche durch eine ausgiebige Winterfütterung oft noch bessere Chancen hätten, sondern auch andere Tier- und Pflanzenarten. Leutner appelliert daher an Landwirte, durch Blühstreifen, Feldgehölze, spätere Mahd und ähnliches für artenreiche Lebensräume für Insekten und Vögel zu sorgen. Auch Gartenbesitzer könnten helfen. Anstatt Ziergärten seien naturnah gestaltete Gärten gefragt.

Um die Bereitschaft für mehr heimisches Grün zu fördern, plant die LBV-Ortsgruppe zusammen mit der Stadt Dorfen einen Mustergarten – insbesondere für nachtaktive Insekten. Auch ein Wettbewerb für den insektenfreundlichsten Garten in Dorfen ist geplant.

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