Kuschlig haben Inge und Georg Schmederer den Kinosaal für die Corona-Zeit hergerichtet. 
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Kuschlig haben Inge und Georg Schmederer den Kinosaal für die Corona-Zeit hergerichtet. 

Filmtheater in Corona-Zeiten

Teddybären als Filmfreunde: So sorgt s‘Kino in Dorfen für Abstand

Auch s‘Kino leidet unter   einer Corona-Flaute. Die Umsatzeinbußen liegen bei 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.  Die Hoffnung: Rausreißen soll es nun  der Film „Ausgrissn“.

Dorfen – Im Hochsommer hatte s‘Kino in Dorfen in den vergangenen Jahren immer die höchsten Besucherzahlen. Das lag an den Eberhofer-Krimis, die stets im August anliefen. Der Filmstart von „Kaiserschmarrndrama“ wurde nun wegen Corona verschoben. Doch „Ausgrissn“, ein Film von den Brüdern Julian und Thomas Wittmann aus Lengdorf, in dem auch Monika Gruber mitspielt, kommt am 13. August ins Kino. Der heimische Streifen könnte wieder mehr Leute in den Kinosaal im Jakobmayer locken, hoffen die Betreiber.

Momentan sitzen auf den roten Sesseln im Dorfener Kino große Teddybären. Zwei freie Plätze, dann wieder Plüschtiere – dadurch wissen die Cineasten genau, wo sie in Corona-Zeiten sitzen dürfen. Die Idee dazu hatte Inge Schmederer, mitverantwortlich für das Dorfener Kino: „Schilder waren mir zu unpersönlich, sie sehen so steril und unbelebt aus“, sagt die Dorfenerin.

In Dorfen ist der Kinobetrieb wieder angelaufen. Jeden Tag werden Filme gezeigt. Die Organisation zu Corona-Zeiten, mit Hygienekonzept und Mindestabstand, dabei vier bis sechs Filme pro 14-tägiger Staffel zu zeigen, sei nicht so einfach, meint Inge Schmederer: „Wir spielen aber täglich durch – das ist uns wichtig.“ Dabei stehen Blockbuster selten auf dem Programm. Vielmehr können die Zuschauer im so genannten Arthouse eher anspruchsvolle Filme sehen.

Zur Wiedereröffnung am 15. Juni 2020 zeigte s‘Kino „Enkel für Anfänger“. Neun Besucher kamen. Zur Abendvorstellung gab es dann „Känguru Chroniken“, der 14 Besucher in den Kinosaal lockte. Normalerweise finden hier 50 Cineasten Platz. „Wir sind trotzdem zufrieden“, sagt Georg Schmederer, verantwortlich für s’Kino. Nicht zuletzt, weil die Kinotradition ein wichtiges Kulturgut sei und nicht aus dem Programm fallen dürfe: „Im Kino wird nicht elitäre Kultur gezeigt. Hier können die Besucher gute Unterhaltung sehen, die eine breite Bevölkerungsschicht erreicht“, wirbt Georg Schmederer.

„Die Leute streamen seit Corona. Netflix boomt. Doch das Kino an sich wird überleben“, prophezeit er – vor allem für s’Kino. Denn die Kosten trägt die Stadt. „Unser Kino war ein Plus-Minus-Geschäft, der laufende Betrieb hat sich bis zur Pandemie selbst getragen. Die Stadt leistet sich da für ihre Bürger was ganz Großes“, freut sich der Dorfener. Die Umsatzeinbußen von Januar 2020 bis 27. Juli 2020 im Vergleich zum Vorjahr liegen bei 66 Prozent. Das sei mehr als der Durchschnitt in Deutschland, so Georg Schmederer: „Aber wir hatten 2019 den Film „Die Wiese“ von Jan Haft im Programm, zu dem alleine über 2000 Besucher kamen.“ Der Naturfilmer ist einer der bekanntesten seiner Zunft und lebt in Esterndorf.

Der Stadt Dorfen als Mittelzentrum sei es wichtig, ein vielfältiges kulturelles Angebot im Jakobmayer zu bieten, erklärt Gudrun Gersbach, Pressesprecherin der Stadt. „Und das wird auch so bleiben.“ Sorgen um den Fortbestand ihres Kinos müssen sich die Dorfener also nicht machen. Sie können den Reiz ihres Lichtspielhauses auch weiterhin genießen. „Im dunklen Raum sitzen, ohne Werbepause und Handyklingeln abschalten können – dabei die Erlebnisse anderer Leute auf großer Leinwand sehen“, von diesem Flair schwärmt Inge Schmederer.

Ab 13. August wird „Ausgrissn – In Lederhosen nach Las Vegas“ von Julian und Thomas Wittmann auch in Dorfen gezeigt. Die beiden Brüder machten sie mit alten Mopeds auf, tourten quer durch Amerika. „Dieser moderne Abenteuerfilm, bei dem auch Monika Gruber mitspielt, könnte richtig reißen“, sagt Georg Schmederer, der weiß, dass gerade regionale Streifen die Einheimischen anlocken. Der jährliche Eberhofer-Krimi, mit dem das Dorfener Kino in den Vorjahren richtig Kasse machte, fällt diesen Sommer aus. „Der Filmstart von Kaiserschmarrndrama ist auf nächstes Jahr verschoben“, bedauert Georg Schmederer.

Michaele Heske

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