Der erlösende Moment: Gemeindejugendpflegerin Martin Driessen reißt ihre Hände hoch, während Therese Englmeier (r.) und die meisten anderen ihrer Anspannung und Freude eher still Luft machen. 
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Der erlösende Moment: G emeindejugendpflegerin Martin Driessen reißt ihre Hände hoch, während Therese Englmeier (r.) und die meis ten anderen ihrer Anspannung und Freude eher still Luft machen. 

Deutscher Kita-Preis

Top-Adresse für frühe Bildung: Dorfener Bündnis holt zweiten Platz beim Deutschen Kita-Preis

  • vonTimo Aichele
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Die Freude über den zweiten Platz beim Deutschen Kita-Preis ist in Dorfen groß. Es ist der Lohn für mindestens 15 Jahre gemeinsame Arbeit der Dorfener Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen. Für die Verwendung der 10000 Euro Preisgeld werden jetzt Ideen gesucht.

Dorfen – Piccolo-Fläschchen mit Sekt und Gummibärchen standen am Dienstag um 17 Uhr schon bereit. Doch erst einmal herrschte in der Aula der Zentralschule nervöse Stille. Dass die Party eine Stunde später wirklich steigen kann, wusste im Saal zunächst niemand. Vertreter der Dorfener Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen starrten gebannt auf eine Leinwand, auf die ein Video-Stream aus Berlin projiziert wurde: die Verleihung des Deutschen Kita-Preises 2020. Als Moderator Sven Lorig bei der Verkündigung der zweiten Preise in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ Stichworte wie „Bayern“ und „50 Kilometer von München“ fallen ließ, wurde die Spannung im Saal unerträglich. Und umso größer war die Freude, als klar war: Die Auszeichnung samt 10 000 Euro Preisgeld geht nach Dorfen.

Nach kurzem Jubel und Applaus lauschten die Zuhörer artig der restlichen Preisverleihung mit Video-Einspielern der übrigen neun Preisträger sowie Grußworten von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Schirmherrin Elke Büdenbender, der Gattin des Bundespräsidenten. Doch dann war Bürgermeister Heinz Grundner der erste Überbringer persönlicher Glückwünsche. „Dorfen ist in dem Bereich spitze“, sagte er. Seit 15 Jahren gebe es den Arbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit, der Kreativität, Gemeinschaftssinn und Toleranz zum Wohle der Kinder fördere. Eigentlich sei ein Festakt Anfang Mai in Berlin geplant gewesen. Ein Gutes habe die Pandemie jetzt gehabt, sagte Grundner halb im Scherz: „Corona sei Dank haben wir diesen großen Moment gemeinsam erleben können.“

Auch Therese Englmeier richtete sich an die Anwesenden. „Dieser Preis ist für jeden einzelnen, der hier sitzt“, sagte die Leiterin des Kinder- und Jugendhauses und des Arbeitskreises – die beiden zentralen Schnittstellen, um die herum sich der nun ausgezeichnete Verbund gruppiert. „Man kennt sich, man vertraut sich“ – das seien große Stärken des Dorfener Miteinanders in diesem Bereich. Alle Beteiligten seien angetrieben vom „Bedürfnis, das Beste für die Kinder und Jugendlichen herauszuholen“. Für die Verwendung des Preisgelds bitte sie um Ideen. „Es soll etwas sein, das allen zugute kommt“, erklärte die 63-Jährige, die im kommenden Jahr in Ruhestand gehen möchte. Unabhängig davon schlug sie dem Bürgermeister auf offener Bühne vor, dass es mal wieder Zeit für ein größeres Fest für alle Kinder und Familien sei. „Gute Idee“, meinte Grundner.

Nach so vielen Worten – auch Prominente wie Axel Prahl, Annette Frier oder Collien Ulmen-Fernandes hatten per Video ihren Respekt gezollt – bat Englmeier ihre Mitstreiter zu Sekt, Gummibärchen und Gedankenaustausch.

Berechtigte Hoffnungen auf die Auszeichnung hatten sich die Dorfener durchaus machen können. Aus über 1500 Bewerbungen war der Verbund in dieser Kategorie unter die zehn Finalisten gekommen, nur zwei davon aus Bayern. Prämiert wurde am Dienstag die Hälfte davon. Den ersten Preis und 25 000 Euro holte hier die Bamberger Initiative „Aus der Gereuth für die Gereuth“. Dann kamen vier zweite Plätze – einer für das Dorfener Bündnis. Genauso war es in der Kategorie „Kita des Jahres“, als die Pinguin Kindertagesstätte im niedersächsischen Aurich prämiert wurde.

Das Dorfener Bündnis „lebt Inklusion in vorbildlicher Weise“, begründet die Jury die Auszeichnung. Es würden Lösungsansätze für jedes Kind entwickelt, die an den Bedürfnissen und nicht an Vorgaben orientiert seien. Sehr beeindruckt habe die Juroren das Übergangsmanagement zwischen den Bildungseinrichtungen: „Die Akteure im Bündnis agieren als Einheit, es gibt einen starken Zusammenhalt und ein hohe Identifikation.“

All das wird eine Dorfener Delegation vermutlich am 1. Oktober in Berlin zu hören bekommen. Dann lädt Giffey alle Preisträger in ihr Ministerium ein, um sich die Trophäen persönlich abzuholen.

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