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Treppensteigen ist für Fiona schwierig, der Start in den Traumjob aber nicht

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Kurze Besprechung am Arbeitsplatz (v. l.): Fiona Thommes mit Ausbilderin Elisabeth Musielik und der Arbeitsschutzbeauftragten Petra Feuchtner.
Kurze Besprechung am Arbeitsplatz (v. l.): Fiona Thommes mit Ausbilderin Elisabeth Musielik und der Arbeitsschutzbeauftragten Petra Feuchtner. © Wolfram Liebscher

Trotz einer schweren Muskelschwäche beginnt Fiona Thommes  erfolgreich eine Ausbildung. Die Agentur für Arbeit untersüttz sie, der Arbeitgeber ist begeistert von der jungen Dorfenerin.

Dorfen/St. Wolfgang – Fiona Thommes aus Dorfen leidet unter Bewegungseinschränkungen. Ob Eltern, Schule, Ausbildungsbetrieb: Die 18-Jährige erfährt viel Unterstützung. Und mittlerweile hat sie auch den Ausbildungsplatz, den sie sich immer wünschte. „Spinale Muskelatrophie, Typ 3“, so diagnostizierten die Ärzte vor 15 Jahren. Die Eltern wussten damals noch nicht so recht, was diese Krankheit bei ihrer Tochter auslösen wird: zunehmende Muskelschwäche im Bewegungsapparat, vor allem in den Oberschenkeln.

Nach dem damaligen Stand der Erkenntnis würde sich die aufgeweckte Schülerin zunehmend nur noch langsamer bewegen können. War sie als Grundschülerin noch begeistert Fahrrad gefahren, ging das bald nur noch mit dem E-Bike. Auch einfache Treppen zu steigen, fiel ihr immer schwerer.

Medikamente halfen ihr, die Krankheit auszubremsen, berichtet die Agentur für Arbeit in einer Pressemitteilung. Gänzliche Heilung gibt es in ihrem Fall jedoch nicht. Besser gesagt noch nicht – die Forschung macht hier bemerkenswerte Fortschritte. Das macht Fiona Thommes Mut. Aber nicht nur deshalb denkt die 18-Jährige positiv. Sie lernte im Laufe der Zeit, mit der Muskelschwäche zu leben. Da halfen die Eltern und die Schule. Ausgeprägt war dennoch ihr Ehrgeiz, möglichst selbstständig zu sein.

Wie andere in ihrer Klasse, entwickelte sie bald konkrete Vorstellungen für ihre berufliche Zukunft. „Ich wollte unbedingt einen kaufmännischen Beruf“, sagt Thommes. Gesagt, getan. Sie besuchte nach der neunten Klasse die Wirtschaftsschule und blieb dran an ihren Zielen. Um einen Ausbildungsplatz zu finden, hörte sie sich ausgiebig um. Auf Empfehlung einer Bekannten schickte die Dorfenerin ihre Bewerbung an die Josef Attenberger GmbH, einen der größten Händler für Vermessungstechnik in Europa, der in St. Wolfgang, sieben Kilometer von Fionas Heimatort, seinen Hauptsitz hat. Die Absolventin hörte vom guten Zusammenhalt des Teams in der Firma.

Ihre Bewerbung als Kauffrau für Büromanagement fand bei der Geschäftsführung viel Interesse – die 18-Jährige bekam eine Einladung zum Vorstellungsgespräch – und schließlich eine Zusage. „Fiona war die beste Wahl für die Ausbildungsstelle und wir freuen uns, dass sie Teil unseres Teams ist“, sagt Ausbilderin Elisabeth Musielik. Die junge Dorfenerin lerne die Abläufe in der Auftragsbearbeitung schnell, sei sehr freundlich und zuvorkommend am Telefon und sehr teamorientiert. „Dies sind Merkmale, die in einer Firma mit etwa 30 Mitarbeitern wichtig sind“, erklärt Musielik.

Hat es eine Rolle gespielt, dass Fiona an Muskelschwäche leidet und sich nicht so wie andere bewegen kann? „Nein“, sagt die Beauftragte für Arbeitssicherheit, Petra Feuchtner, „Wir wollten für die Azubi-Stelle die oder den Besten nehmen.“

Feuchtner war sich sicher: Was nötig ist, um Fiona einen passgerechten Arbeitsplatz zu bieten, lässt sich organisieren. Wenige Anrufe genügten: Der Technische Beratungsdienst und die Berufsberaterin von der Agentur für Arbeit kamen zum Gespräch und zur Besichtigung ins Haus.

Ergebnis der Besichtigung war dann ein kleiner Umbau, den die Agentur für Arbeit finanziert hat. Die Stufenhöhe der Treppe zwischen Lager und Produktion wurde halbiert. Dazu waren ein Spezialstuhl für den Schreibtisch und ein sogenannter Katapultsitz als Sitzunterlage zu beschaffen. So konnte Fiona Thommes pünktlich im September anfangen.

Sie ist glücklich und dankbar. „Mir gefällt es hier sehr gut, ich werde, wo nötig, immer unterstützt“, sagt die 18-Jährige. Pläne für die Zukunft? Erst mal will sie einen guten Abschluss erreichen. „Und dann vielleicht noch Fachwirt werden“, ergänzt Fiona Thommes entspannt und selbstbewusst. 

Wolfram Liebscher

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