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Vom zeitweiligen Nieselregen ließen sich die zumeist jungen Teilnehmer das Demonstrieren nicht vermiesen.

Ideen für mehr Klimaschutz daheim

Über 300 Demonstranten bei Fridays for Future in Dorfen

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Das Wetter war nicht gerade einladend. Dennoch machten sich viele und vor allem junge Dorfener auf zur Klima-Demo.

Dorfen –  Friedlich, jung, regen- und kälteresistent, selbstbewusst – so präsentierte sich Fridays for Future am Freitag in Dorfen. Gut 300 Demonstranten waren es, die nach Angaben der Polizei vom Friedhofsparkplatz durch die Innenstadt bis zum Rathaus zogen. Dieses Mal fand die Kundgebung am Nachmittag statt, kein Schüler musste den Unterricht bestreiken. Entsprechend war das Publikum noch ein bisschen jünger als bei der ersten Dorfener Klima-Demo im September. Etwas kleiner war die Menge auch.

 Wieder waren viele Plakate zu sehen – darunter neue Gedanken wie „Fischers Fritz fischt Plastik“ oder etwas Selbstironie bei „Das Klima ist aussichtsloser als mein Mathe-Abitur“. 

Unter den Demonstranten waren auch die beiden Dorfener Gymnasiastinnen Anna Schober und Hanna Röhrl (beide 16). „Ich fand die Reden beide Male sehr gut“, meinte Anna. Repressalien habe sie an der Schule übrigens nach der Teilnahme an der Vormittags-Demo das letzte Mal nicht erlebt. „Das waren eher Gerüchte“, sagte sie. Zwei Schülern an der Realschule Taufkirchen ist es da anders ergangen. „Wir waren die beiden einzigen von unserer Schule. Und mussten eineinhalb Stunden nachsitzen“, erzählte Valentin Fischkandl auf Nachfrage unserer Zeitung über sich und seinen Freund Maximilian Streibl (beide 13). „Ich fand die Demo diesmal besser. Da war mehr Ausdruck, mehr Ernst“, meinte Valentin.

 Auch etliche Erwachsene waren mitmarschiert. Unter ihnen war Maria Brand, die als Asylhelferin im ganzen Landkreis bekannt ist. „Ich finde es für eine Stadt wie Dorfen eine echte Leistung, zum zweiten Male eine so gut besuchte Demo mit so kompetenten Rednern auf die Beine zu stellen“, sagte sie. 

Unter den vier Rednern kam „Hope“ am besten an. Der Dorfener Gymnasiast mit blau gefärbter Frisur und umgedrehtem Baseball-Cap zitierte erst einmal Archimedes und Cäsar und rief seine Zuhörer zu „Aktionismus“ auf. Und er lieferte ganz konkrete Beispiele, wie jede Generation etwas beitragen könne: Schüler, die Müll am Straßenrand aufsammeln, Eltern, die das Auto stehen lassen, Omas, die nicht nur mit viel Plastik eingepackte Schokolade herschenken. Er selbst könnte beim Duschen auch weniger Wasser verbrauchen, sagte der junge Mann selbstironisch. Übers Mikro verriet er zwar, dass er am Gymnasium im AK Umwelt sei. Seinen Namen behielt er auf unsere Nachfrage aber lieber für sich. 

„Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass wir laut sind“, sagte Susanne Streibl von der Dorfener Agenda-21-Gruppe in bezug auf das gerade verabschiedete Klimapaket der Bundesregierung. Sie erklärte den jungen Demonstranten, dass sich der Name dieser Initiative von einem 1992 beschlossenen UN-Aktionsprogramm ableitet. „Das Klimaproblem war bereits vor 27 Jahren bekannt.“

„Tempo 100 auf Autobahnen“, für diese Forderung erhielt Rita Rott vom Bund Naturschutz Dorfen als Rednerin viel Applaus. Damit könnten lärmgeplagte Anwohner an der A 94 entlastet werden und „ein längst überfälliger Schritt für den Klimaschutz getan werden“, sagte sie.

Stefan Brandhuber von der AG International zählte die bereits jetzt einsetzenden Folgen des Klimawandels insbesondere in armen Staaten auf. Die junge Moderatorin der Kundgebung, Paula Hutner, sprach den kommenden Weihnachtskonsum an und forderte dazu auf, Christbäume in lokalen Baumschulen zu kaufen und Geschenkpapier wiederzuverwenden.

Der Physiker Manfred Groh sprach als Vertreter von Scientists for Future und wollte bewusst positive Beispiele aufzählen. Zum beispiel Schweden: Dort sei bereits 1991 eine CO2-Steuer eingeführt worden, die nun bei 120 Euro pro Tonne liege. Im Gegensatz dazu seien in Deutschland erst einmal nur magere zehn Euro geplant

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