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Ein bieriger Gruß ans Volk: Bürgermeister Heinz Grundner (r.) stieg zu seinen Dorfenern hinunter.

Hemadlenzn am Unsinnigen Donnerstag

Dorfen verabschiedet den Winter

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Ausnahmezustand in Dorfen: Hemadlenzn war am Unsinnigen Donnerstag angesagt. Rund 3000 weißgewandete Gestalten eroberten am Vormittag die Innenstadt. Und sogar die Natur hatte sich in weiß gehüllt. Dennoch hat der Winter jetzt keine Chance mehr.

Dorfen – Fast frühlingshaft war der Januar, was sollte da im Februar schief gehen. Aber ausgerechnet in der Nacht vor dem Unsinnigen Donnerstag schneite es im Landkreis, und so waren in Dorfen nicht nur die Hemadlenzn weiß. Aber das störte die Narren in der Isenstadt überhaupt nicht – noch dazu, weil die Temperaturen erträglich waren. Schon ab dem frühen Morgen war die Dorfener Innenstadt fest in der Hand der Hemadlenzn.

Mit lauten „Aufstehn“-Rufen wurden die Dorfener Hoheiten Franziska I. und Markus II. bei leichtem Schneetreiben aufgeweckt. Anja Greimel, Präsidentin der Karnevalsgesellschaft (KG) Dorfen, stieg die Leiter am Unteren Tor hinauf und klopfte an die Fensterläden. Die Tollitäten begrüßten die Narrenschar und stiegen unter lautem Gejohle der Hemadlenzn zu ihrem Volk hinab. Dort wurde – gemäß dem alten Brauch – der Tanz eröffnet und die Dorfener Narrenhymne „Oh, du Himmel auf Erden“ von der Stadtkapelle Dorfen intoniert. Dann setzte sich der Narrenzug wieder in Bewegung. Erst ging es zum Rathaus, besser gesagt zum Friedberger Haus, unmittelbar neben dem neuen Rathaus, das gerade im Bau ist. Dort musste KG-Präsidentin Greimel schon wieder „fensterln“ und holte Bürgermeister Heinz Grundner ab.

Dann startete der Hemadlenzn-Zug mit Stadtkapellen-Begleitung durch die Stadt. Ganz vorne mit dabei waren neben den Dorfener Stadträten auch zahlreiche Gäste, wie etwa Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz und die stellvertretende Landrätin Gertrud Eichinger, sowie Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden, wie Gerlinde Sigl aus Lengdorf und Ullrich Gaigl aus St. Wolfgang. Zwischendurch wurden immer wieder Tanzpausen eingelegt, während sich das Wetter nach und nach besserte.

KG-Präsidiumsmitglied Sabine Kuliga-Lenffer hatte einen Kasperl auf den Rücken geschnallt. „Der muss mit, den hatte der Papa 1979 gekriegt, als er Faschingsprinz war“, erzählte sie. „So ehren wir sein Andenken, und er ist quasi mit uns dabei.“ Papa Reinhold Kuliga, KG-Ehrenpräsident und Hemadlenzn-Urgestein, ist erst vor Kurzem verstorben. Viele Jahrzehnte hatte er den Zug angeführt.

Über 2000 „Hemadlenzen“ in Dorfen unterwegs: So lustig ging es zu

Der Marienplatz war dann die letzte Station des Umzugs. Dort wurde die Hemadlenzn-Puppe, die den Winter symbolisieren soll, am Galgen hochgezogen und verbrannt. Am Ende blieb nur noch ein kleines Häuflein Asche übrig – der Winter war ausgetrieben. Mit dem Verbrennen war der offizielle Teil beendet.

Aber auch beim inoffiziellen Teil danach war die Stimmung prächtig. Die Hemadlenzn feierten sowohl im Freien, als auch in den umliegenden Wirtschaften. Ein großes Aufgebot an Polizei und Rettungskräften stand bereit, das aber nicht einzugreifen brauchte. Am Nachmittag zog Dorfens Polizeichef Andreas Diehm deshalb eine erste zufriedene Bilanz und sagte: „Rund 3000 Leute waren unterwegs, es gab keine Vorkommnisse.“

Der leichte Schneefall hatte mittlerweile aufgehört. Blauer Himmel oder gar Sonne waren zwar nicht zu sehen, aber die Hemadlenzn-Schar war sich dennoch einig: Der Winter hat verloren.

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