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Das vergessene Archiv: Geschichtswerkstatt kritisiert Stadt Dorfen

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Von: Timo Aichele

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Die Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen sucht gezielt und systematisch nach NS-Verbrechern. Foto: Franziska Kraufmann/Archiv
Ein Wust an Archivalien wartet in Dorfen auf professionelle Aufarbeitung. (Symbolbild) © Franziska Kraufmann

Die Geschichtswerkstatt kritisiert Dorfens Umgang mit historischen Materialien. Nun liegt dazu ein neuer Antrag im Stadtrat vor.

Dorfen – Archive sind heimatgeschichtliche Gedächtnisse. In Dorfen liegt jedoch ein Schleier des Vergessens über diesen Erinnerungen – gerade im Hinblick aufs kommende Festjahr zum 1250-jähriges Bestehen hält die Geschichtswerkstatt das nicht für haltbar. In einem offenen Brief an Bürgermeister Heinz Grundner und die Stadträte fordern die Vereinsvertreter Georg Wiesmaier und Heidi Oberhofer-Franz, endlich einen Beschluss von 2016 zu vollziehen.

Damals habe sich der Stadtrat im Rahmen der Haushaltsberatungen einstimmig für die sachgemäße Lagerung des Archivgutes, die Anlegung eines Verzeichnisses und bessere Zugänglichkeit ausgesprochen, monieren Wiesmaier und Oberhofer-Franz. Nachdem es jedoch zu keiner Umsetzung des Beschlusses kam, sei er 2018 und 2019 unverändert noch einmal gestellt und einstimmig verabschiedet worden. Jetzt ist es wieder so weit: Die GAL-Fraktion macht sich die Forderungen der Geschichtswerkstatt in einem neuen Antrag zu eigen.

Anfang 2022 war das Thema als Teil der Haushaltsberatungen angesprochen worden. 41 000 Euro stehen heuer im Etat. „Das kann niemand aus der Verwaltung und auch niemand nebenher machen“, erklärte Grundner damals und sprach dabei von einer „Herkulesaufgabe“.

Aktuell ist das Hauptarchiv im Bauhof. Neben dem Aktenbestand wird dort eine heimatkundliche Abteilung geführt, die unter anderem Fotos und Stoffsammlungen beinhaltet. Altbürgermeister Hermann Simmerl (87) kümmert sich als ehrenamtlicher Archivar darum.

Die eingeplanten 41 000 Euro sollen laut Grundner für die Schaffung von Lagermöglichkeiten wie Schränke und Ablagen verwendet werden. „Eine Stelle für eine Diplom-Archivarin zu schaffen, wird überzogen sein“, sagte der Bürgermeister und sprach vom möglichen Einsatz einer studentischen Hilfskraft.

Immerhin ist es nach Bayerischem Archivgesetz eine kommunale Pflichtaufgabe. Im Mittelpunkt steht hier aber vor allem die ordnungsgemäße Verwahrung von Akten. Der Einsatz von Ehrenamtlichen ist üblich.

Nach den ersten Beratungen liege Ende 2018 zwar eine professionelle Analyse einer Archivarin vor – aber, so die Geschichtswerkstatt: „Unseres Wissens kennen bis heute weder die Stadträte diese Studie, noch kannte sie bis vor kurzem der Stadtarchivar.“ Die Geschichtswerkstatt hat das Gutachten bereits eingesehen.

Demnach gebe es keine Verzeichnisse im Stadtarchiv, weder in Papierform noch digital. Archivalien seien teilweise nicht sachgemäß gelagert. Schriftgut liege teilweise ungeordnet in Umzugskisten und sei deswegen nicht zugänglich. Plakate seien unverpackt und ungeordnet, sie sind nicht verzeichnet.

„Die Geschichtswerkstatt Dorfen hat seit Ende November 2021 versucht, unter anderem in Gesprächen mit dem Bürgermeister und dem Archivar auf Verbesserungen der oben beschriebenen Situation hinzuwirken“, schreiben Wiesmaier und Oberhofer-Franz. Ihre Vorschläge für sofortige Verbesserungen ohne, dass ein Auszug des Archivs aus dem Bauhof nötig wäre, seien aber nicht aufgegriffen worden. Ehrenamtliche Mitarbeit sei selbstverständlich rechtlich möglich und zum Beispiel in Taufkirchen vorbildlich gelöst.

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