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Sie predigten gegen die Nazi-Herrschaft (v.l.): die Pfarrer Johannes Gmeiner, Hermann Mencke, Carl Graf und Georg Grein.

Widerstand im Dritten Reich

Vier aufrechte Dorfener Pfarrer gegen das Nazi-Regime

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Sie waren Helden im Talar: Vier Pfarrer  widersetzten in und um Dorfen der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Die Geschichtswerkstatt erinnert an sie.

Dorfen – Mitläufer, Denunzianten und überzeugte Nationalsozialisten gab es im Dritten Reich auch in der Geistlichkeit. In Dorfen und Umgebung wirkten aber vier Pfarrer, die sich mit ihrer aufrechten Haltung gegen die Schreckensherrschaft mitunter schwere Repressalien einhandelten. Über sie berichtet die Geschichtswerkstatt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bei einem Vortragsabend am Donnerstag, 24. Oktober.

Ab 19.30 Uhr wird im Sparkassensaal Dorfen das Verhalten der kirchlichen Obrigkeit in der Erzdiözese zwischen 1933 und 1945 beleuchtet. Außerdem spricht Bettina Kronseder über Hermann Mencke Heidi Oberhofer-Franz referiert über Johannes Gmeiner, Hans Elas über Georg Grein und Schorsch Wiesmaier über Dr. Carl Graf. Dazu gibt es Musik von Gitarrist Pablo Hernandez.

Carl Graf war von 1931 bis 1935 Pfarrer in Dorfen. Laut einer Pressemitteilung der Geschichtswerkstatt kam er schon im April 1933 in „Schutzhaft“, weil er bei einer Schulfeier gegen das Absingen des Horst-Wessel-Liedes mit den Worten „Pfui Teufel“ protestierte und die Kinder zum Verlassen des Raumes aufforderte. Denunziert wurde er vom Schulleiter Josef Achatz und vom zweiten Bürgermeister Rudolf Streibl. Im selben Jahr schrieb eine Reihe von Lehrkräften an die Obrigkeit, dass Graf keine Gelegenheit ungenutzt lasse, gegen die nationalsozialistische Weltanschauung zu arbeiten und er den Hitlergruß verweigere.

Pfarrer Georg Grein war von 1930 bis 1946 Benefiziat in Zeilhofen. Er hatte seit 1936 Konflikte mit Nazibehörden. Seine rege Jugendarbeit stellte eine Konkurrenz zur Hitlerjugend dar. Die Behörden reagierten mit Schikanen. Als ihm Versammlungen untersagt wurden, ging er mit den Jugendlichen in örtliche Lokale.

Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen im September 1939 soll Grein im Gasthaus Huber in Landersdorf gesagt haben: „Der Krieg wäre gleich gar, die Soldaten brauchen sich nur umdrehen und die Offiziere erschießen.“ Wegen Wehrkraftzersetzung wurde er zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Nach seiner Haftentlassung im Juli 1944 kehrte er nach Zeilhofen zurück und blieb dort bis 1946. Eine Ehrung wurde ihm nie zuteil.

Johannes Gmeiner war bald nach seiner Priesterweihe 1931 in der Pfarrei Dorfen als Kooperator tätig. Schon 1933 eckte er an. Im Streit um das Tragen von Uniformen der katholischen Jugendlichen in Dorfen veröffentlichte er im Schaukasten an der Marktkirche Material, das die Obrigkeit so sehr aufbrachte, dass sie den Schaukasten beschlagnahmen ließ.

Mehrfach gab es Streit um das Heim der katholischen Jugend, das auch die Hitlerjugend für sich beanspruchte. Als Gmeiner im Frühjahr 1934 Wallfahrten mit Jugendlichen veranstaltete, wurde das Vorgehen gegen ihn massiver. Zwar lehnte die Gestapo Schutzhaft für Gmeiner ab, aber es wurde ein Betätigungsverbot für die katholischen Jugendverbände in Dorfen erlassen. 1934 wurde er „ernstlich verwarnt“ und von mehreren Dorfener Bürgern, unter anderem Schulleiter Achatz, wegen einer Predigt angeschwärzt. 1935 musste Gmeiner Dorfen verlassen, doch die Schikanen hatten noch lange kein Ende. Es folgten Festnahmen und Verhöre, Beschlagnahmung seines Eigentums, Anzeigen, Geldstrafen, Schulverbot, Drohungen und Polizeihaft.

Pfarrer Hermann Mencke warnte 1933 kurz vor der Reichstagswahl öffentlich „vor der politischen Heilslehre der NSDAP“. 1936 bei den Olympischen Spielen wollte er das Glockengeläut zur Eröffnungsfeier verweigern, Kardinal Faulhaber setzte es aber durch. 1938 predigt Mencke: „Christus bleibt auch im neuen Jahr 1. unser Führer und 2. unser Herrgott.“ 1940 wurde er nach einer Anzeige durch einen Kaplan von der Gestapo abgeholt und zu einem Jahr und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Auf Drängen des Ordinariats ging er im November 1941 als Pfarrer von Garmisch nach Dorfen. Auch dort hat er in den Predigten deutliche Worte gefunden. „Der traut sich was“, kommentierte das ein Zeitzeuge.

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