Volles Haus im Saal des Dorfener Jakobmayer: Der aus dem Fernsehen bekannte Harald Lesch (Bild oben, auf der Bühne) referierte in gewohnt deutlichen Worten über den Klimawandel.
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Volles Haus im Saal des Dorfener Jakobmayer: Der aus dem Fernsehen bekannte Harald Lesch (Bild oben, auf der Bühne) referierte in gewohnt deutlichen Worten über den Klimawandel.

Vortrag im Jakobmayer

Warnende Worte von Harald Lesch zum Klimawandel

Auch, wenn es - auch in Dorfen - ermutigende Projekte gibt: Der Klimawandel bedroht die Menschen. Davor warnte Professor Harald Lesch  gewohnt eindringlich bei seinem Auftritt im Jakobmayer.

Dorfen – „Das wird nicht schön“, sagte Harald Lesch gleich zu Beginn seines Vortrags, den er am Freitagabend im vollbesetzten Jakobmayer-Saal gehalten hat. Und so unterhaltsam der aus dem Fernsehen bekannte Lesch im Schnelldurchlauf Fakten und Prognosen zum globalen und regionalen Klimawandel erzählte: Die Zukunft wird tatsächlich nicht schön, sondern weltweit heiß, trocken – „und für den Menschen extrem ungemütlich“.

Eingeladen hatten die Stadtwerke Dorfen und der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW). Harald Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke, fragte zur Begrüßung: „Wenn man nicht einmal ein Tempolimit schafft – ist unsere Gesellschaft dann überhaupt konsensfähig, Erderwärmung und Klimawandel zu stoppen?“ Schließlich werde der Planet am Ende nicht fragen, was sich die Menschen wünschten, ergänzte Moderator Lesch, „sondern gemäß den Naturgesetzen reagieren“. Und: „Es ist zehn nach zwölf!“

„Heiße Sommer, extreme Wetterlagen – der Grundwasserspiegel ist chronisch niedrig“, so der Professor für Astrophysik an der LMU. Gerade das Alpenvorland erwärme sich rapide. Die Folge: Auch hier werden die urbanen Siedlungsräume von Bränden bedroht werden. Zukunftsmusik? „Nein“, meinte Lesch in seinem Schnelldurchlauf „von der Eiszeit zur Heißzeit“.

Nach seiner Rede verteilte Lesch die ersten „Klimakoffer“ an Andrea Hafner, Leiterin des Gymnasiums Dorfen. Diese Koffer wurden unter Leitung von Cecilia Scorza entwickelt, um die wissenschaftlichen Hintergründe und Folgen des Klimawandels für Gymnasiasten erfahrbar zu machen. Mit einfachen Aufbauten können damit verschiedene naturwissenschaftliche Zusammenhänge in Experimenten untersucht werden: von der Absorption von Wärmestrahlung durch CO2 bis hin zur Versauerung der Meere. Scorza: „Die Schüler werden zu Multiplikatoren, sie berichten zuhause und bei Freunden von ihren Versuchen.“

Und Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW, ergänzte: „Klimaschutz muss stärker im Fokus des Unterrichts stehen – nur dann wird den Schülern bewusst, dass der Flug in den Urlaub eben auch einen Beitrag zum Treibhauseffekt liefert.“ Aber nicht nur um die Naturwissenschaft sollte es im Unterricht gehen, so Scorza, sondern auch um die Konsequenzen für die Gesellschaft und für einen selbst – Wissenschaft und Ethik sollten dabei verknüpft werden.

„Ich bin kein Klima-Taliban oder Intellektueller im Elfenbeinturm“, hatte Lesch zuvor in seinem Vortrag gesagt, „sondern Wissenschaftler“. Aufklärung sei sein Anliegen, gleichzeitig aber auch gesellschaftliche Aufgabe. Die Menschen würden sich freilich eine wissenschaftliche Lösung wünschen, doch noch die Welt zu retten – ohne Einschränkung des eigenen Lebensstils. Die werde es indes nicht geben. Lesch: „Es nützt uns nichts, reich zu sein.“

Die Fakten seien seit Jahrzehnten bekannt. „Bilder vom Schwarzen Loch lösen Euphorie aus, doch was unsere Zukunft betrifft, da werden alle wissenschaftlichen Erkenntnisse ignoriert.“ Aber: „Der Klimawandel betrifft uns alle, wir müssen in die Energiewende investieren.“ Und frei nach Lesch: „Wenn nicht jetzt – dann nimmer mehr.“

Obwohl die Powerpoint-Präsentation in Dorfen aus technischen Gründen nicht lief, sah man die drastischen Bilder deutlich vor sich: die Brände in Australien etwa, gefolgt von dramatischen Regengüssen. Oder die Wälder in der Umgebung, deren Bachläufe mittlerweile ausgetrocknet sind.

Dabei spielen die Stadtwerke Dorfen eine Vorreiterrolle, so Steiner im Pressegespräch vor der Veranstaltung. „Wir sind ganz ordentlich unterwegs – bei uns ist die Energiewende schon vollzogen.“ Dank Biogas und Photovoltaik komme längst nur noch grüner Strom in Dorfens Haushalte. Die Stadtwerke erzeugen sogar einen Überschuss. München habe keine freien Flächen, auf denen mit Solaranlagen regenerative Energie gewonnen werde: „Die ländlichen Gegenden werden die Städte versorgen“, so Steiner, auch VBEW-Vorstandsvorsitzender.

Michaele Heske

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