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Baustelle mit Riesenfolgen: Die Isen-Brücke an der B 15 (rotes Kreuz) wird abgerissen und neu gebaut. Wegen der Sperrung pochen die Stadträte auf eine Behelfsbrücke. Zwei Standorte wurde diskutiert (rote Vierecke). Verkehrsumleitungen sind bereits geplant. Einbahnstraßen soll es zum Beispiel am Kirchtor und auf dem Herzoggraben geben (links oben), ebenso auf der Haager Straße (rechts unten). 

Weiträumige Umleitungen, Einbahnstraßen und Halteverbote ab April

Wegen B15-Brücken-Baustelle: Acht Monate Verkehrschaos in Dorfen

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Blechlawinen in der Altstadt, lange Schulbusfahrten, Staus und weite Umwege: Das alles wird die Sperrung der B15 wegen des Neubaus der Isen-brücke mit sich bringen. Ob eine Behelfsbrücke möglich ist, ist fraglich.

Dorfen – Zehn Kilometer in zwölf Minuten – das ist die normale Fahrt auf der B 15 von Taufkirchen nach Dorfen. Ab April 2020 wird das aber nicht reichen. Denn dann wird die Isenbrücke an der B 15 in Dorfen abgerissen und neu gebaut. Das Staatliche Bauamt Freising kalkuliert acht Monate Bauzeit. Währenddessen wird die offizielle Umleitung von Taufkirchen über Erding, die A 94-Anschlussstelle Pastetten und die Autobahn nach Dorfen gehen – 60 Kilometer, 50 Minuten. Der überörtliche Verkehr wird sich wohl aber mehr oder minder legale Ausweichrouten suchen. Vor allem in der engen Stadt Dorfen sind dafür die Möglichkeiten aber sehr begrenzt. Staus bis hin zum Verkehrschaos sind zu erwarten.

Das wurde am Mittwochabend in der Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses deutlich. Thomas Sieber vom Staatlichen Bauamt stellte das Bauvorhaben vor. Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Lauffer präsentierte die von einer Expertenrunde besprochenen Umleitungen. „Wenn sich die Verkehrsteilnehmer daran halten würden, dann hätten wir in Dorfen gar nicht so viel Verkehr“, meinte Lauffer. Alle Beteiligten wissen aber auch, dass zum Beispiel die Umleitung des von Süden kommenden innerörtlichen Verkehrs über Wasentegernbach und Grüntegernbach ein großer Anreiz ist, Schleichwege zu suchen.

Auch mit gut funktionierenden Umleitungen „wird es mit Sicherheit nicht spaßig, was Rettungs- und Ordnungsdienst sowie die Schülerbeförderung betrifft“, meinte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Eine Aussage der verantwortlichen Busunternehmer bestätige das, sagte Lauffer. „Wenn die Busse um 7 Uhr starten, werden die Schüler um 9 Uhr in der Schule sein“, zitierte er.

Damit die Stadt nicht im Verkehrschaos versinkt, wurde ein kompliziertes System mit Stoppschildern, Einbahnstraßen und Halteverboten ausgearbeitet. Nach dem Entwurf darf zum Beispiel das Kirchtor nur in südlicher Richtung passiert werden. Sonst würden in der Stadtmitte Verkehrsströme aufeinanderprallen und sich gegenseitig blockieren. Nach Norden dürfen Autos nur auf dem zur vorübergehenden Einbahnstraße gemachten Herzoggraben fahren.

„Wir wissen alle nicht, was uns zukommt“, gab Lauffer zu. Nach den ersten Erfahrungen müsse das Konzept dann eventuell nachgebessert werden. Die Polizei werde die Einhaltung der Verbote aber auch kontrollieren.

Als zentrales Element sahen die Stadträte eine Behelfsbrücke zwischen der Jahnstraße (also der B 15) und der Straße Flutkanal östlich der Isen. Darüber habe es bereits Gespräche mit der Stadt gegeben, berichtete Projektleiter Sieber. „Wir haben hier aber sehr beengte Verhältnisse“, warnte er. Die Zufahrt über enge Gassen werde auch „höchstens für Radfahrer und Rettungskräfte“ geeignet sein, erklärte Sieber.

Das reichte der CSU-Fraktion nicht. „Wir sollten nichts unversucht lassen“, erklärte Fraktionschef Michael Oberhofer. Er pocht auf eine Behelfsbrücke, die auch den Individualverkehr entlastet. „Das muss ernsthaft geprüft werden“, forderte er und bekam für diesen Antrag am Ende die einstimmige Rückendeckung des Ausschusses.

Noch schärfer formulierte es Andreas Hartl (GAL). „Ohne Behelfsbrücke geht es einfach nicht“, sagte er. Die Stadt müsse ihren Bau als Bedingung formulieren. Das übernahm Grundner dann auch in den Beschlussvorschlag, dem alle Räte zustimmten. Über Prüfung und Planung einer größer dimensionierten Behelfsbrücke sagte Sieber aber in der Debatte: „Wenn das durchgeführt werden sollte, könnten wir nächstes Jahr nicht bauen.“

Für die Behelfsbrücke gibt es zwei mögliche Standorte: am Wehr mit einer Zufahrt über den Unteren Marktplatz oder weiter im Süden mit Zufahrt über die Straße Etzkapelle. „Die bessere Variante ist die an der Etzkapelle“, meinte Grundner. Wenn nur eine einspurige Behelfsbrücke möglich sei, so Anton Stimmer (CSU), dann solle das Bauamt Ampel oder Einbahnregelung prüfen.

Der Schulbusverkehr werde auf keinen Fall über die Behelfsbrücke abgewickelt werden können, sagte Hauptkommissar Lauffer. Das gehe wegen der Belastbarkeit und der Schleppkurven auf den Zufahrten nicht. Die langen Fahrzeiten der Busse wollte Oberhofer nicht hinnehmen. „Man wird weder den Unterricht verschieben noch die Kinder zwei Stunden lang durch den Landkreis schicken können“, sagte der Leiter der Grund- und Mittelschule Isen. Weitere Berichte zum Thema siehe unten und in den folgenden Ausgaben.

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