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Wesner Tor: „Wir hören die Autofahrer oft schimpfen“

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Von: Michaele Heske

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Nadelöhr Wesner Tor: Wenn ein großes Auto durchfährt, wird’s eng für die Fußgänger auf dem schmalen Gehweg. Vor allem zur Hauptverkehrszeit stauen sich die Autos.
Nadelöhr Wesner Tor: Wenn ein großes Auto durchfährt, wird’s eng für die Fußgänger auf dem schmalen Gehweg. Vor allem zur Hauptverkehrszeit stauen sich die Autos in beide Richtungen. © Michaele Heske

Die Umleitung durchs Wesner Tor seit der B15-Sperrung erhitzt in Dorfen die Gemüter. Das Nadelöhr ist auch für Fußgänger nicht ungefährlich.

Dorfen – Seit der Sperrung der B 15 und den Bauarbeiten an der Isenbrücke in Dorfen wird der Verkehr durch das Wesner Tor umgeleitet. An dem Nadelöhr stauen sich die Autos in beide Richtungen. Aber auch für Fußgänger ist der schmale Durchgang zur Innenstadt eine tägliche Bewährungsprobe.

Das Büro von Versicherungsmakler Josef Jung liegt direkt am Wesner Tor. „Wir hören die Autofahrer oft schimpfen“, erzählt der Dorfener. Eine Beobachtung, die auch viele Passanten machen. Mal wird einem Motorradfahrer die Vorfahrt genommen, dann versucht sich ein roter BMW noch durchs Tor zu quetschen, obwohl ihm ein Radfahrer stadtauswärts entgegen kommt. Da fallen immer öfter unflätige Worte. Wird dann noch das Autofenster heruntergelassen, kracht es hie und da – zumindest verbal.

„Ich habe mich mittlerweile an den Verkehr gewöhnt“, sagt Jung. Wenn er keine Kundentermine hat, fährt er mit dem Rad zur Arbeit. „Ansonsten müssen wir schauen, wie wir weiterkommen.“ Besonders brisant sei der Weg zu Fuß in die City. Denn häufig touchieren breite Fahrzeuge, etwa SUV oder Transporter, bei der Durchfahrt den Bordstein, drängen die Passanten sozusagen an die Wand. „Ich warte immer, bis kein Auto mehr im Durchgang ist“, sagt Jung, der auch im Stadtrat sitzt.

Auch für Elisabeth-Maria Windeck ist der Weg in die Stadtmitte eine Zitterpartie. Mit dem Baby im Buggy und ihrem kleinen Buben an der Hand habe sie kein sicheres Gefühl, sagt die Dorfenerin. „Kawumm – viele Autos düsen einfach vorbei, nehmen keine Rücksicht auf uns“, beschwert sich die Mutter.

„Man kann ja auch über den Herzoggraben gehen“, meint dagegen Evelyn Gauster. Wie ihre Schwester Christine nimmt sie den Umweg gerne in Kauf. Zur Sicherheit, denn auch ihr Mops Pippo schreckt sich, wenn Reifen quietschen. „Die Situation am Wesner Tor ist ja nichts Neues. Hier war schon immer viel Verkehr“, ergänzt Christine Gauster. Eine Passage durch das ehemalige Kaufhaus Schmederer wäre dauerhaft eine Lösung, auf die nicht zuletzt die Stadt hofft. Dort baut derzeit Bauträger Georg Scharl. Eine Baugenehmigung für einen Fußgängerdurchgang liegt aktuell allerdings noch nicht vor.

„Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir den Verkehr hier entzerren können“, sagt Polizeihauptkommissar Karlheinz Lauffer – so auch über eine Ampel. „Eine Lichtsignalanlage macht hier aber keinen Sinn“, erklärte er unlängst (wir berichteten). Unfälle gab es bislang am Wesner Tor keine, bilanziert Dorfens Polizei-Chef Harald Kratzel. Lediglich ein Lkw-Fahrer habe die Höhe seines Lastwagens nicht richtig berechnet und den Torbogen minimal geschrammt. Dem Brummi war die Durchfahrt in die Stadt übrigens erlaubt, so Kratzel, denn die Geschäfte müssen auch weiterhin mit Waren beliefert werden.

Dass sich am Wesner Tor mittlerweile die Gemüter der Autofahrer erhitzen, wundert Lauffer nicht. Doch alles Jammern und Schimpfen nütze nichts: „Da müssen wir jetzt das nächste halbe Jahr durch.“ Sein Tipp: Auto stehen lassen, aufs Fahrrad umsteigen. Dadurch würde sich auch der Verkehrsknoten entzerren.

Leif Brönnle macht seine Besorgungen ohnehin regelmäßig mit dem Radl. Die zunehmende Rücksichtslosigkeit am Wesner Tor erklärt sich der 26-Jährige so: „Für die Dorfener ist die Situation neu, denn bei uns gab es ja bislang nur selten richtig Stau. Wer in der Großstadt lebt, kennt den Berufsverkehr und hat sich an das Stop and Go gewöhnt.“

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