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Stiller, farbenfroher Protest: Niklas mit Opa Franz und Oma Gertraud Herbst zeigten den Abgeordneten des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags, was sich die Dorfener in Sachen Bahnausbau wünschen.

Bahnausbau

Dorfen zieht an einem Strang

Rund 80 Bürger haben gestern Vormittag für einen für Dorfen verträglichen Bahnausbau demonstriert. Hintergrund war der Besuch des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags, der sich vor Ort einen Überblick zu Forderungen nach einem Trog oder Tunnel gemacht hat.

Von Hermann Weingartner

Dorfen – Befürchtungen, wonach sich Stadt und Bürgerinitiative Bahnausbau um Petent und BI-Sprecher Georg Brandhuber gespalten zeigen könnten, traten nicht ein. Vielmehr zeigten sich Stadt und BI einmütig wie noch nie. Die Vorbesprechung im Sitzungssaal der Sparkasse und die anschließende Ortsbegehung blieben geprägt von Einigkeit und Sachlichkeit.

BI-Sprecher Georg Brandhuber (r.) im Gespräch mit Michael- Ernst Schmidt (M.) und Klaus-Peter Zellmer (l.) von der DB-Netze. Interessierter Zuhörer ist Philipp Matzke, Büroleiter beim CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz.

Bürgermeister Heinz Grundner trug dem Petitionsausschuss die gemeinsamen Argumente für einen städtebaulich- und naturverträglichen Bahnausbau vor. Brandhuber hielt sich weitgehend zurück, für die BI argumentierte der Münchner Verkehrsberater Martin Vieregg. Unter den Demonstranten waren viele betroffene Anlieger, aber auch zahlreiche Dorfener. Alle waren sich einig, es dürfe im Zuge des Bahnausbaus in Dorfen keine kilometerlangen, meterhohen Lärmschutzmauern und auch keine Naturverschandelung durch Monsterbrückenbauwerke geben. Die Stimmung war gespalten, ob der Besuch des Petitionsausschusses nun etwas bringen werde oder nicht. Auf alle Fälle hofft man, wahrgenommen zu werden, und dass Dorfens Anliegen an höherer Stelle vorgebracht werden. Lob gab es von den Demonstranten für BI-Sprecher Brandhuber: „Ohne den Schorsch wäre der Petitionsausschuss sicher gar nicht hier gewesen, und die DB-Planungen hätten einfach ihren Lauf genommen“, meinten nicht wenige Demonstranten. Niklas, der Enkel von Franz und Getraud Herbst hatte sein Protestschild mit einem Zug und einen Spruch darauf hochgehalten, als der Petitionsausschuss vorbei ging. Da konnten der Vorsitzende Gero Storjohann, Annette Sawade und Harald Weinberg lesen, was die ganze Veranstaltung auf den Punkt brachte: „Meine Zukunft: Tieferlegung“. Gleich daneben forderte die Oma mit ihrem Schild: „Dorfen ohne Brücken, Mauern und Schranken!“ Damit wusste das Berliner Petitions-Trio Bescheid, was Stadt und Bürger wollen.

Auch Walter Zwirglmaier, der direkt an der Bahn wohnt, verfolgte den Besuch der Abgeordneten, die gleich vor seinem Haus am Bahnübergang Birkenallee gestartet und Richtung Bahnhof gezogen waren. Der Bauhof hatte dort meterhohe Folien und ein noch höheres Gerüst als künftige Brücke aufgebaut zur visuellen Beurteilung, wie hoch Lärmschutzwände und Bahnüberführung dort ohne Tieferlegung der Gleise sein würden. Die Berliner Abgeordneten zeigten sich beeindruckt davon.

„Wir wollen ja keinen drei Kilometer langen Tunnel, aber auf jeden Fall einen tieferen, als derzeit geplant“, sagte Anlieger Zwirglmaier. Sowohl er als auch viele andere Beobachter des Ortstermins zeigten sich „schon mal froh“, wenn durch den Petitionsausschuss „jetzt eine Prüfung stattfindet“. Dann könne man Kosten vergleichen und sagen, „was kann ma sich leisten, was ned“. Die Stadt könne die Kosten bei dem EU-Projekt ABS 38 nicht alleine tragen. Auch die EU sei gefragt. Da werde der Petitionsausschuss „a bisserl mitdenga und nochdenga“, so hoffen zumindest Zwirglmaier und die Bürgerinitiative.

Brandhuber freute sich, dass so viele Leute für die Aktion auf die Straße gegangen waren, aber es hätten fünf Mal soviel sein können. Mit der Petition verbindet der BI-Sprecher die Hoffnung: „Vielleicht gibt’s ja jetzt im fortschreiten der Planung doch eine Änderung.“

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