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Alles strahlt: Die wundervollen Christbaumkugeln werden von Resl Lenz (M.) seit 60 Jahren in Handarbeit herstellt. Die Kugeln sind auf der ganzen Welt zu finden. Mit Resl Lenz auf dem Dorfener Christkindlmarkt sind (v. l.) ihre Enkelinnen Pökki Landersdorfer, Brigitte Kirmeier und Schwiegersohn John Muijsson.

Bei Resl Lenz ist immer Weihnachten

Dorfener Christbaumkugeln für die Welt

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Wie mag es sein, wenn jeden Tag Weihnachten ist? Bei Resl Lenz ist das der Fall. Sie fertigt seit 60 Jahren Weihnachtskugeln aus Glas – und das mit viel Kreativität und Liebe zum Detail. Es ist ein ganz besonderer Christbaumschmuck aus Dorfen, den man in der ganzen Welt kennt und schätzt.

Dorfen – „Lenz-Kugeln“ hängen bei Dorfener Familien am Christbaum, aber auch bei Managern in New York. Als Resl Lenz 1958 damit begonnen hat, handgefertigten Weihnachtsschmuck herzustellen, konnte sie nicht ahnen, dass ihre bayerischen Weihnachtskugeln einmal um die ganz Welt verteilt würden. Die Dorfenerin ist mittlerweile 91 Jahre alt. Und sie ist so fit und agil, dass sie immer noch in dem kleinen Familienunternehmen mithilft. Sei es, um neue Muster zu entwerfen, die Kugeln liebevoll von Hand zu fertigen oder auch beim Dorfener Christkindlmarkt Standdienst zu machen. 2005 wurde Resl Lenz von der Stadt Dorfen der Kulturpreis verliehen.

Jede Lenz-Kugel hat ein anderes Innenleben. Es gibt Engel, aber auch Kugeln mit Tieren, mit Mond und Sternen, mit Kirchen oder den Heiligen Drei Königen. Alle diese kleinen Kunstwerke sind sorgfältig mit der Hand aus Gold- oder Silberfolie gestaltet, oft mit Perlen oder funkelnden Glassteinchen besetzt. Auch bei den Kugeln wird auf Handwerkskunst gesetzt. Sie sind aus mundgeblasenem Glas. Der Dorfener Familienbetrieb ist eben eine echte Weihnachtsschmuck-Manufaktur.

„Nummer 95“ ist die erste Weihnachtskugel benannt.

Die Idee, exklusiven Weihnachtsschmuck herzustellen, kam Resl Lenz in der Werkstatt eines Glasbläsers. Als dieser eine Glocke aus Glas anfertigte, und die damals 30-Jährige Dorfenerin das halbrunde Glas mit der Öffnung am Boden sah, war für sie klar: Daraus kann man mehr machen. Sie nahm etliche Glaskugeln mit und saß noch am selben Tag bis spät in die Nacht an ihrem ersten Muster: dem Engel Nummer 95. Der Klassiker, den es heute noch gibt. Lenz, die an der Blocherer Schule in München Kunst studiert hat, war von ihren Weihnachtskugeln selbst begeistert. Und so ging es gleich 1959 mit einer Kugel nach Frankfurt auf die Internationale Handwerksmesse. Die Kugel wurde „Nummer 95“ betitelt, weil die Ausstellungsgegenstände bei der Messe durchnummeriert waren. Für Resl Lenz wurde die Ausstellung gleich zum großen Erfolg. Es kamen nicht nur Anfragen aus Deutschland, sondern auch aus England, Schweden, USA und weiteren Ländern. Der Grundstein war gelegt: Die Reise der „Lenz-Kugel“ um die Welt konnte beginnen.

Unterstützung hatte Resl Lenz von Anfang an von ihrem Ehemann Anton: Er war selbstständiger Schlossermeister und ein richtiger Tüftler. Als das Geschäft sich gut zu entwickeln begann, schuf er die passende Technik, um seiner Frau die Arbeit zu erleichtern. Erst baute er ihr eine Nähmaschine um, damit die Detaillochungen für den 95-er Engel schneller und einfacher angebracht werden konnten. Anton Lenz baute auch die erste Stanzmaschine und für viele weitere Muster neue Maschinen.

Die Eheleute Lenz haben drei Kinder großgezogen. Die ältere Tochter Juliane, Sohn Thomas und Tochter Antonia. Juliane hatte von Anfang an eine Begeisterung für die Kugeln entwickelt. Sie hat von ihrer Mutter das künstlerische Gespür geerbt. Viele der Muster, die heute auf dem Markt sind, wurden von ihr entworfen. 2004 hat Juliane Muijsson-Lenz das Geschäft von ihrer Mutter übernommen.

Schon zu den Anfangszeiten von Resl Lenz und ihren Kugeln gehörten große, namhafte Geschäfte wie Harrods in London, Macy’s in New York oder die US-Kette Marcus Neimann zu ihren Kunden. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war die Nachfrage allerdings nicht mehr so groß. Billige Weihnachtskugeln aus Asien überschwemmten den Markt.

„Jetzt besinnen sich immer mehr Menschen wieder auf die Tradition“, erzählt Lenz-Enkelin Brigitte Kirmeier. Sie hat im vergangenen Jahr einen Onlineshop eröffnet und übernimmt die Vermarktung der Lenz-Kugeln. Die Kugeln aus Dorfen werden wieder in stattlicher Stückzahl nach Amerika geliefert. Doch trotz weltweiter Präsenz ist der wichtigste Markt nach wie vor Bayern. Immer im Januar geht es mit der Kreation neuer Muster los. Von Frühjahr bis Sommer werden die Kugeln dann fürs Weihnachtsgeschäft gefertigt. Jedes Jahr kommen ein bis zwei neue Muster hinzu, so dass es mittlerweile weit mehr als 70 verschiedene Kugeln gibt.

Es gibt Familien, deren Christbaumschmuck besteht ausschließlich aus Lenz-Kugeln. Über Jahrzehnte hinweg wurden alle Jahre ein, zwei Kugeln dazu gekauft. Und so wurde der Christbaum zum Lenz-Kunstwerk.


Die Lenz-Kugeln

sind noch an diesem Wochenende beim Dorfener Christkindlmarkt zu erwerben. Im Internet können sie unter www.resl-lenz.de bestellt werden.

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