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Karl-Heinz Figl ist Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen.

Breitbandausbau

Dorfener David gegen Internet-Goliath

Dorfen - Die Dorfener Stadtwerke und die Telekom – mit Freundschaft wird das nicht mehr. Die Stadtwerke üben am Telekommunikationsriesen heftige Kritik. Grund ist der Breitbandausbau auf dem Land: „Die Telekom ist unzuverlässig ohne Ende.“

Den Breitbandausbau für schnelles Internet im Dorfener Gemeindebereich Wasentegernbach und Grüntegernbach sollte die Telekom eigentlich schon erledigt haben. Doch noch ist nichts passiert. „Die machen was sie gern machen“, schimpft der Technische Leiter der Stadtwerke Dorfen, Wilhelm Haunolder, bei einem Pressegespräch mit der Heimatzeitung. „Die Telekom ist unzuverlässig ohne Ende“, legt Geschäftsführer Karl-Heinz Figl nach. Das zeige sich besonders beim Ausbau im östlichen Gemeindebereich. 

Die Erschließung von Ortsteilen oder Orten im Außenbereich mit schnellem Internet erfolgt über vorhandene Kabelverzweiger (KVZ). Den Zuschlag für die KVZ vergibt die Bundesnetzagentur auf Antrag nach dem Prinzip, wer zuerst kommt, bekommt den Zuschlag. Für Wasentegernbach und Grüntegernbach waren die Stadtwerke als neuer Konkurrent der Telekom nur zweiter Sieger, bestätigte Figl. Die Telekom habe „die Dinge schon im Vorfeld in Erfahrung gebracht“ und sich vor über einem Jahr vor den Stadtwerken zur Sicherung des KVZ eintragen können. Figls Vorwurf: Die Telekom mache dort nichts und habe den Ausbautermin verstreichen lassen, obwohl sie die KVZ beantragt und bekommen habe. Die Telekom verzögere den Ausbau und wolle nur die Stadtwerke ausbremsen. 

Mit dem Zuschlag der Genehmigungsbehörde sei die Telekom „eine Verpflichtung“ eingegangen den Breitbandausbau in Wasentegernbach und Grüntegernbach innerhalb zwölf Monaten umzusetzen, was bisher nicht erfolgt sei, so Figl. Die Vertragsstrafe bei nicht erfüllen der Leistung liege laut Figl bei „wenigen hundert Euro“. Fakt sei, wer sich für die KVZ eintragen lasse, sei eine öffentliche Verpflichtung eingegangen eigenwirtschaftlich auszubauen. In dem Fall haben man „einen anderen bewusst ausgebremst“. Figl meinte damit die Stadtwerke. Die Telekom sei ein Unternehmen, das wirtschaftlich denke und von einer Daseinsvorsorge und von einer Verpflichtung die sie eingegangen sei, „plötzlich nichts mehr wissen will“. 

Die Heimatzeitung hat die Telekom mit den Vorwürfen der Stadtwerke konfrontiert. Markus Jodl von Telekom Group Service dazu: „Die Telekom hat Dorfen 2015 mit Eigenausbau mit VDSL versorgt. Wir bieten 100 Megabit pro Sekunden (MBit/s) beim Herunterladen und 40 MBit/s beim Heraufladen an. Für die Ortsteile Grüntegernbach, Wasentegernbach und Schwindkirchen ist Eigenausbau in Planung und soll noch in diesem Jahr durchgeführt werden“. Warum es zu der Verzögerung gekommen ist, blieb unbeantwortet. Offenbar gab es Probleme bei den Grunddienstbarkeiten, wie die Heimatzeitung erfahren hat. 

„Der Vorwurf der Stadtwerke geht komplett ins Leere“, betont Jodl. Die Telekom nehme „erhebliche eigene Geldmittel in die Hand, um Dorfen mit schnellem Internet zu versorgen“. So habe man im vergangenen Jahr alleine mit der Vectoring-Technik 4,7 Millionen Haushalte in Deutschland versorgt und investiere pro Jahr rund vier Milliarden Euro in das Telekom-Netz in Deutschland. „Niemand baut mehr schnelle Internet-Anschlüsse als wir“. Weiter erklärt Jodl: „Uns braucht niemand das Geschäft zu erklären. Netzausbau ist unsere Kernkompetenz. Und nur wer von seinem Produkt nicht überzeugt ist, scheut den Wettbewerb. In diesem Sinne kann ich es gut verstehen, wenn die Stadtwerke gegen uns polemisieren.“

Hermann Weingartner

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