Das Verbrennen der Lenzn-Puppe wurde gefeiert wie eh und je. Da wusste noch niemand, wie tragisch dieser Tag endete.

Dorfener Hemadlenzn

Dorfener Hemadlenzn: Traumtag nimmt ein jähes Ende

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Rund 4000 Hemadlenzn feiern in Dorfen, bis es zu einer tragischen Wende kommt.

DorfenWenn die Hemadlenzn Dorfen unsicher machen, dann ist Ausnahmezustand in der Stadt. Als Höhepunkt wird dabei alljährlich der Lenz verbrannt und damit der Winter ausgetrieben. Alles lief reibungslos an einem Traumtag, bis die Stimmung durch einen Unglücksfall getrübt wurde. Ein Hemadlenz war in der Isen verschwunden.

Die Feiernden hatten sich längst in die Dorfener Lokale zurückgezogen oder es sich davor gemütlich gemacht, als am Nachmittag die Alarmsirenen ertönten. Ein junger Mann war am Herzoggraben ins Wasser gesprungen, Rettungskräfte rückten aus.

Dabei war alles vorher so schön gewesen. Die Sonne strahlte beim 120. Jubiläumsfasching vom Himmel, die Temperaturen waren im frühlingshaften Bereich – und das Ende Februar. „So ein Wahnsinnswetter hatten wir noch nie“, da waren sich alle einig. Entsprechend viele Menschen strömten in Dorfens gute Stube. Waren es vergangenes Jahr rund 3000 weißgewandete Gestalten, so eroberten heuer wohl um die 4000 Lenzn die Innenstadt. Aber trotz des Gedränges blieb alles friedlich.

Hemadlenzn-Umzug in Dorfen: Fotostrecke

Schon ab dem frühen Morgen war die Dorfener Innenstadt fest in der Hand der Hemadlenzn. Mit lauten „Aufstehn“-Rufen wurden die Dorfener Hoheiten aufgeweckt. Aber heuer nicht etwa das Prinzenpaar, sondern die Drei Damischen Ritter: Stefan (Waxenberger), Ritter der Liebe, Florian (Wurzer), Ritter des Bieres, und Daniel (Steinweber), Ritter der Narretei, die heuer in Dorfen für einen ganz besonderen Fasching sorgen. Die Ritter hatten letztmals im Jahr 1992 das Sagen. Aber zum 120. Jubiläumsfasching hatte sich die Karnevalsgesellschaft (KG) Dorfen wieder daran erinnert.

KG-Präsidentin Anja Greimel stieg die Leiter am Unteren Tor hinauf und klopfte an die Fensterläden. Die Drei Damischen Ritter begrüßten die Narrenschar und stiegen unter lautem Gejohle der Hemadlenzn zu ihrem Volk hinab. Dort wurde – gemäß dem alten Brauch – der Tanz eröffnet und die Dorfener Narrenhymne „Oh, du Himmel auf Erden“ von der Stadtkapelle Dorfen intoniert.

Dann setzte sich der Narrenzug wieder in Bewegung. Erst ging es zum neuen Rathaus, das gerade im Bau ist. Dort musste KG-Präsidentin Greimel schon wieder „fensterln“ und holte Bürgermeister Heinz Grundner aus seinem alten Büro ab – er stieg aus dem Fenster im Friedberger-Haus. Beim Blick auf die neuen Rathaus-Fenster, die extrem schmal sind, meinte ein Hemadlenz feixend: „Do bin i gschpannt, ob da Heinzi do nächsts Johr durchkimmt.“

Dann startete der Hemadlenzn- Zug mit Stadtkapellen- Begleitung durch die Stadt. Ganz vorne mit dabei waren neben Dorfens Bürgermeister und Stadträten auch zahlreiche Gäste, wie etwa Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz, Landrat Martin Bayerstorfer sowie Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden wie Gerlinde Sigl aus Lengdorf und Hans Schreiner aus Bockhorn. Zwischendurch wurden immer wieder Tanzpausen eingelegt.

Der Marienplatz war dann traditionell die letzte Station des fröhlichen Umzugs. Dort wurde die Hemadlenzn- Puppe, die den Winter symbolisiert, am Galgen hochgezogen und verbrannt. Am Ende blieb nur noch ein kleines Häuflein Asche übrig – der Winter war ausgetrieben.

Mit dem Verbrennen war der offizielle Teil beendet. Aber auch beim inoffiziellen Teil danach war die Stimmung in der Isenstadt zunächst prächtig. Die Hemadlenzn feierten sowohl im Freien, als auch in den umliegenden Wirtschaften. Ein großes Aufgebot an Polizei und Rettungskräften stand bereit, das aber zunächst nicht einzugreifen brauchte. Am frühen Nachmittag zog Dorfens Polizeichef, Erster Polizeihauptkommissar Harald Kratzel, eine erste, zufriedene Bilanz und sagte: „Bislang keine Vorkommnisse. Dis Stimmung ist dem Wetter entsprechend.“ Doch dann kam die schreckliche Nachricht, dass ein Hemadlenz in die Isen gesprungen und nicht mehr aufgetaucht sei. Ein schrecklicher Albtraum am Ende eines Traumtags.

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