Vor Gericht

Durch Verwechslung in den Drogensumpf?

Ein 24-jähriger, in Dorfen arbeitender Türke ist unter Verdacht geraten, mit Drogen zu dealen. Vor Gericht konnte ihm aber keine Straftat nachgewiesen werden.

Von Andreas Sachse

Eching/Dorfen – Um an Drogen zu gelangen, soll der 24-Jährige Angeklagte allerhand angestellt haben. Die Staatsanwaltschaft Landshut wirft ihm vor, einen amtsbekannten Dealer (22) zu seinen Geschäften chauffiert zu haben. Zur Belohnung soll ihm der 22-jährige Türke ein paar Gramm seiner Ware zugesteckt haben. Das Amtsgericht Freising tat sich aber schwer, den in Eching lebenden 24-Jährigen der Beihilfe zum Handel treiben zu überführen. Im Oktober 2015 zog es den Angeklagten, der offiziell – oder der Tarnung wegen? – in Dorfen jobbt, in den Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort in Olching hatte sich der Dealer mit einem Geschäftspartner verabredet, um 200 Gramm Marihuana zu erwerben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, nicht lange gehadert zu haben. Um sich den Dealer gewogen zu halten, habe sich der 24-Jährige das Auto seines Vaters geschnappt. Mit zwei Gramm Marihuana soll der Dealer die Fahrt nach Landshut entlohnt haben. Besonders viel ist das nicht. Zwei Gramm sind gerade mal ein Prozent des verdealten Stoffs. Die Anklage war überzeugt, dem 24-Jährigen noch mehr Straftaten nachweisen zu können. Ebenfalls im Oktober oder November 2015 soll der Echinger von dem Dealer geringe Mengen Marihuana zum Eigenbedarf gekauft haben. Von ein bis zwei Gramm ist die Rede. Selbst Kokain soll er geordert und in zumindest einem Fall erhalten haben. Den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zufolge verkaufte ihm der Dealer ein Gramm Koks. Dass ein Angeklagter die erhobenen Vorwürfe bestreitet, ist an sich nichts Neues. Der in Dorfen arbeitende Echinger freilich lieferte schlagende Argumente. Der ursprünglich aus dem Orient stammende 24-Jährige verwies auf einen älteren Bruder, dessen Vorname sich von dem eigenen in lediglich einem einzigen Buchstaben unterscheidet. „Ich kann mir nicht erklären, wie ich auf der Anklagebank gelandet bin“, beklagte sich der 24-Jährige beim Gericht. Den Dealer kennt er zwar seit seinem vierten Lebensjahr. Mit dessen Geschäften aber habe er nichts zu schaffen. „Es muss sich wohl um eine Verwechslung handeln“, mutmaßte der strafrechtlich nicht vorbelastete Angeklagte. Auf die Frage des Gerichts, ob der Bruder mit dem Dealer näher bekannt ist, antwortete er: „So viel ich weiß, hatten die beiden schon ein paar Räusche zusammen.“ Der Dealer war über längere Zeit telefonisch von den Fahndern überwacht worden. In den Protokollen taucht der Name des Angeklagten aber nicht auf. Zwischenzeitlich wurde der Dealer in Dorfen verhaftet. Bis zu seinem Prozess befindet er sich auf freiem Fuß.

Gedächtnisverlust im Zeugenstand

Ausgerechnet im Zeugenstand ließ ihn sein Gedächtnis im Stich. Eindeutig bestätigen vermochte er weder, dass der Angeklagte Koks und Marihuana von ihm erwarb. Die Fahrt nach Olching vermochte er zwar zu bestätigen. Im selben Atemzug schränkte er seine Aussage aber wieder ein: Die Polizeibeamten hätten ihm bei der Vernehmung versprochen, dass er heimgehen dürfe, sollte er nützliche Informationen liefern. „Sie haben also einen Schmarrn erzählt, um rauszukommen“, schlussfolgerte Richter Michael Geltl. Der Dealer nickte mit dem Kopf. Kripobeamte vermochten daraufhin noch so angestrengt versichern, dass sie den Dealer als glaubwürdigen Zeugen betrachten. Dem Gericht blieb keinerlei tragfeste Handhabe, den Angeklagten zu verurteilen. Geltl sprach den 24-Jährigen von sämtlichen Vorwürfen frei. Der Dealer habe keine einzige der Taten bestätigt, resümierte der Vorsitzende Richter. „Er wollte nur aus der Zelle raus.“ Der Freispruch erging im Zweifel. Offen ist, ob die Staatsanwältin in Berufung zieht.

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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