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Da geht’s lang: Bürgermeister Heinz Grundner (M.) zeigt den Ab geordneten Gero Storjoann (l. neben ihm), Annette Sawade (l. daneben) und Harald Weinberg (r. daneben) die Situation am B 15-Bahnübergang in Dorfen. 

Petitionsausschuss in Dorfen

Ebenerdiger Bahnausbau vom Tisch?

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Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für den Bahnausbau und die drohende Teilung Dorfens durch hohe Lärmschutzwände. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat beim gestrigen Besuch in Dorfen bei Bürgerinitiative und Stadt durchaus Hoffnungen geweckt.

Dorfen – Gut viereinhalb Stunden haben sich die Abgeordneten Gero Storjohann (Leitung, CDU), Annette Sawade (SPD) und Harald Weinberg (Die Linke) gestern Zeit genommen und in Dorfen mit Vertreten von Bürgerinitiative, Stadt, Bahn und Bürgern die Problematik des Bahnausbaus besprochen (siehe auch Dorfen-Seite). Nach derzeitigem Planungsstand würde die Stadt auf einer Länge von mehreren Kilometern durch riesige Lärmschutzwände geteilt und das Landschaftsbild dadurch völlig verschandelt.

Zum Abschluss des Besuches fassten die drei Abgeordneten ihre Eindrücke bei einem Pressegespräch im Sparkassensaal zusammen. Der CDU-Abgeordnete Storjohann machte deutlich, dass es eine Verpflichtung des Bundes sei, den Ausbau zu realisieren. Die Strecke sei schließlich Teil des Transeuropäischen Netzes. Mit der Fertigstellung des Ausbaus sei – „wenn es gut geht“ – nicht vor 2030 zu rechnen.

Storjohann zeigte Verständnis für die Forderung von Bürgerinitiative und Stadt, die aus städtebaulicher Sicht eine Troglösung realisiert sehen wollen. Das wäre „erstrebenswert“. Allerdings sei beim Ausbau auf den Nutzen-Kosten-Faktor zu achten. Und dieser liege schon jetzt sehr niedrig. Die Frage sei, wer die Mehrkosten übernehme. Zu dem völlig neuen Vorschlag von Verkehrsplaner Martin Vieregg, den die Stadt hinzugezogen hatte, meinte Storjohann, die Frage sei, ob eine völlige Neuplanung finanzierbar sei und ob eine weitere Verzögerung des Ausbaus von der Politik hingenommen werde. Zum Nachdenken solle diese Idee aber anregen, meinte der CDU-Abgeordnete.

Vieregg hat überraschenderweise vorgeschlagen, ab Lappach die Bahntrasse bis zu 100 Meter nach Süden zu verschwenken und diese neue Trasse bis nach Kloster Moosen zu führen. Zum einem könnte man dadurch den

„Entwicklung in richtige Richtung“

Ausbau unter rollendem Rad vermeiden, zum anderen würden die Gleise weiter im Hang verlaufen, so dass ein tiefer Trog zur Lösung der Lärmproblematik nicht erforderlich sei. Eine konkretere Planung legte Vieregg allerdings nicht vor. Stadt und Bahn wollen sich mit dem Planer baldmöglichst in Verbindung setzen.

Die SPD-Abgeordnete Sawade zeigte sich „vom Engagement der Bürgerschaft“ in Dorfen beeindruckt. Es waren zwei Sätze der SPD-Politikerin, die im Saal aufhorchen ließen: „Es ist eine Entwicklung hier, die in die richtige Richtung geht. Die alte Lösung, das alles ebenerdig funktionieren soll, ist reichlich vom Tisch.“ Jetzt müsse eine Verbesserung der Situation erfolgen. Dazu müsste nochmals geprüft werden, ob die Kosten für einen alternativen Ausbau „wirklich so sehr viel höher sind“. Auch der Freistaat Bayern müsse mit ins Boot geholt werden, ob er nicht bereit wäre, Teile der Kosten für einen städtebauverträglichen Bahnausbau in Dorfen zu übernehmen.

Der Linken-Abgeordnete Weinberg fand es „bemerkenswert“, dass während der Besichtigungstour eine Neutrassierung der Gleise ins Spiel gebracht wurde. Diese

Bahn warnt vor Projekt-Gefährdung

würde möglicherweise Lärmschutz ohne Trog ermöglichen. Grundsätzlich sah Weinberg „eine neue Situation“, da durch die Auflösung der Ziegelei Meindl das riesige Grundstücksareal für die Stadtentwicklung zur Verfügung stehe. „Das sollte im gesamten Planfeststellungsverfahren Berücksichtigung finden.“

Eine Empfehlung des Petitionsausschusses an den Deutschen Bundestag wird es allerdings nicht mehr vor den Bundestagswahlen im September geben. Frühestens im Januar/Februar werde dies passieren, sagte Storjohann. Diese Lage sei „etwas misslich“, räumte der Abgeordnete ein. Die Petition sei aber „nicht vom Tisch“.

Klaus-Dieter Josel, der DB-Konzernbevollmächtigte für Bayern, sagte in einer ersten Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung, jede Kostensteigerung könne dazu führen, „dass das gesamte Projekt in Frage gestellt wird“. Dennoch will die Bahn „weiter im Dialog bleiben“. Man müsse schauen, „wo Mehrkosten sinnvoll und notwendig“ seien. Wer mögliche Mehrkosten finanziere, „das blieb auch heute im Raum stehen“, so Josl.

Der FW-Landtagsabgeordnete Benno Zierer bewertete den Tag mit einem Satz: „Es geht in die richtige Richtung.“ BI-Sprecher Georg Brandhuber zeigte sich „hin- und hergerissen“. Seine „Quintessenz: hoffnungsvoll!“ Bürgermeister Grundner erkannte „weiteren Gesprächsbedarf. Polen ist noch nicht verloren“. Der Stadtchef will „so schnell als möglich Gespräche mit der Bahn aufnehmen“. Bei „der Suche nach der optimalen Lösung“ sei man „näher zusammengekommen“.

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