Hans Söllner mit Araber-Kopftuch: „Zum Polizisten-Erschrecken“. Foto: Zimmerer

„Seminar“ im Jakobmayer

Ein- und Ansichten eines bekennenden Kiffers

Dorfen – Mit seinen 60 Jahren ist er zwar nicht mehr der große Revoluzzer, aber seine Botschaften sind eindeutig. Und wenn er auch altersmilde wirkt, verbiegen lassen hat er sich nicht, der Hans Söllner. Das stellte er eindrucksvoll bei seinen zwei ausverkauften Konzerten im Jakobmayer-Saal unter Beweis.

Obwohl Söllner den Begriff „Konzert“ meidet. Allein schon aus steuerlichen Gründen, wie er augenzwinkernd anmerkt, bezeichne er seine Performance als „Seminar“. Von Anfang an wirft er scheinbar wahllos einen roten Faden nach dem anderen aus. Hendl, verliebt sein, Führerscheinkopie, Felix Baumgartner und Marihuana-Arschlochkind heißen seine Themen, die sich immer mehr zu einem bizarren Netz verflechten, in dem die Spinne Söllner sein Publikum belauert. Um Politische Korrektheit schert sich der bekennende Kiffer aus Bad Reichenhall zur allgemeinen Belustigung einen Dreck.

Wie „friedliche Anarchie“ funktioniert, zeigt er augenblicklich, als er sich ein arabisches Kopftuch aufsetzt und alle auffordert, es ihm gleichzutun „zum Polizisten-Erschrecken“. Seine Erfahrungen im Kampf gegen die staatlichen Obrigkeiten sind immer wieder wahre Leckerbissen. „Sag mal zu einem Richter während der Verhandlung ‚Ich liebe Dich‘“ oder leg mal bei der Verkehrskontrolle nur eine Führerscheinkopie vor . . .“ Fast gebetsmühlenartig beschwört er die Zuschauer, ein Jahr lang auf Hendl-Fleisch zu verzichten, „und du merkst, dass sich was verändert“.

Respekt und Liebe reichten nicht aus, um Hoffnung in die Welt zu bringen. „Ihr müsst verliebt sein“, predigt Söllner, und schickt eine bildliche Erklärung hinterher: „Respekt ist, wenn du beim Heimkommen deine Frau schlafen lässt, Liebe ist, wenn du sie aufweckst, und wenn du verliebt bist, ist sie schon wach.“

Speziell sind auch seine Lösungen zur Flüchtlingskrise. „Wenn Eheleute ihre getrennten Schlafzimmer aufgäben, wäre schon viel zusätzlicher Wohnraum geschaffen.“ Gegen Flüchtlinge seien die meisten nur, „weil sie selber auf der Flucht sind – vor sich selbst“, ist Söllner überzeugt und ergänzt: „Menschen in Bewegung sind nicht aufzuhalten.“ Auf Red Bull und Facebook hat er es besonders abgesehen. So fliege er beim Kiffen höher als Felix Baumgartner mit seinem Heliumballon, feixt Söllner und das Tragische an Facebook sei, dass „mir jemand ins Wohnzimmer kotzt, den ich gar nicht kenne.“

Fast beiläufig gibt der Liedermacher seine Songs zum Besten, mit denen er sich seine düsteren Momente von der Seele geschrieben hat („Trostlos“). Nur selten schimmert Lebensfreude durch („Lass fliang deine Dreads“) und seine alten Hits spielt er eh nicht. Trotzdem feiert ihn sein Publikum, bis es mit drei Zugaben belohnt wird. 

Albert Zimmerer

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