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Romantischer geht es kaum: Als die Sonne unter- und der Mond aufgegangen war, wurde die Dorfener Innenstadt zur großen Opernbühne.

Belcanto-Abend in Dorfen

Ein Hauch von Verona

Traumhafte Stimmung im wunderbaren Ambiente von Dorfens Altstadt: Rund 600 Menschen erfreuten sich beim Belcanto-Abend an klassischen Klängen und herrlichen Stimmen. An einem lauen Sommerabend wurde der Untere Markt zur Opernbühne, ein bisschen so wie im berühmten Verona.

Dorfen – Immer am Freitag nach dem Dorfener Volksfest veranstaltet der Kulturelle Arbeitskreis (KA) Dorfen den inzwischen im ganzen Gäu beliebten und bekannten Belcanto-Abend. Zum 27. Mal präsentierte Klassikkenner Franz Erl aus Zeilhofen heuer meisterhafte, uralte Aufnahmen aus weltberühmten Opern. Der italienische Komponist der Romantik, Giuseppe Verdi (1813-1901), und der deutsche lyrische Tenor Fritz Wunderlich (1930-1966) standen im Mittelpunkt.

Schon eine Stunde vor Beginn kamen die Klassikfreunde, um an den Biertischen zwischen den Kastanien rund um den Unteren Markt Platz zu nehmen und sich bei Ratsch und einem Gläschen Wein einzustimmen. Einige setzten sich gemütlich ins Gras unter den Bäumen, an den Bürgersteigen beobachteten Zaungäste das Geschehen.

Kurz vor 20 Uhr sprach der Vorsitzende des Kulturellen Arbeitskreises, Anton Kremser, noch einmal den früheren Mesner Herbert Moser an. Er ist noch verantwortlich für das Glockenläuten in Pfarr- und Marktkirche. „Hast das Glockenwerk der Marktkirche abgestellt?“, fragte Kremser noch eilig, denn nichts sollte später die Arien stören. „S’Gebetläuten is’ aus, bloß der Stundenschlag geht noch. Des stört ned“, meinte Moser.

Kremser erklärte, dass der Belcanto, den es seit 1990 gibt, erst fünf oder sechs Mal wegen schlechten Wetters ausgefallen sei. Die Idee zu der Veranstaltung hatten damals Erl und Thomas Thalmaier, erinnerte Kremser: „Sowas g’hört mal g’macht in Dorfen.“ Die ersten Jahre war die Veranstaltung noch am Marienplatz, wurde dort gleich zum Erfolg und hat sich längst als fester Bestandteil in Dorfens Kulturszene etabliert. „Heute ist es ein Traum bei dem Wetter. Belcanto – schöner kannt’s ned sei“, schwärmte der KA-Vorsitzende, als die Sinfonia aus Verdis Oper „La forza del destino“ (Macht des Schicksals; Dirigent Tullio Serafin, 1954) die Innenstadt mit klassischen Klängen flutete.

Aufmerksam lauschten die Zuhörer und schauten nach vorne. Auf einer großen Leinwand waren Fotos von den Künstlern zu sehen, davor saß Erl auf einem Podium. Der Maestro erklärte den Zuhörern, was sie zu hören bekommen, und erzählte Interessantes zu den Aufnahmen. Denn nicht alle sind so zuhause in der Klassik wie Erl. In seinem riesigen Fundus historischer Aufnahmen stehen mehr als 10 000 alte Schallplatten und Schellacks. Die sind inzwischen digitalisiert. So kam der Ton auch nicht übers Grammophon, das in der Dämmerung im roten Licht erstrahlte. Tontechnikspezialist Sepp Zistler spielte die Aufnahmen über seine professionelle Anlage.

Kein Belcanto war und ist in Dorfen gleich, versicherte Erl. Schon Monate vor der Veranstaltung mache er sich zuhause Gedanken, was er spielt. Dabei seien nicht alle Aufnahmen für die Präsentation auf offener Bühne geeignet. Fehler hatte Erl bei seiner Auswahl auch heuer keine gemacht und die Zuhörer restlos begeistert. Wenngleich eine Zuhörerin im Gras unter den Kastanien sichtlich genüsslich zuhörte, während ihr Partner völlig im Handy versunken war.

Im ersten Teil präsentierte Erl die Verdi-Oper „La forza del destino“. Zentralfigur war Maria Callas als Leonora, etwa mit „Me, pellegrina ed orfana“. Um die weltberühmte Sopranistin „komme ich nicht herum“, erklärte Erl. Dazu stellte der Klassikkenner verschiedene vergleichende Sängerinnen und Sänger. Zu genießen gab es Künstler von Weltruf wie Carlo Bergonzi („La vita e un inferno“), den Erl für einen der profiliertesten und elegantesten Verdi-Sänger hält.

Zu Gehör gebracht wurde auch Rosa Ponselle („La vergine degli Angeli“), die in den 20er-Jahren gesungen hatte. Von ihr habe sich Callas viel abgeschaut und abgehört. Zum Vergleich gab es beide Leonoras. Deutlich wurde da Callas intensivere, dramatischere Stimme. Ponselle dagegen singt eher weicher, lyrischer, eleganter.

Im zweiten Teil begeisterte Erl dann mit Fritz Wunderlich, „ein deutsches Phänomen“. Jeder Klassikfreund liebe den begnadeten Tenor, der im Alter von nur 36 Jahren verstorben ist. Erl hatte dem Sänger einen ganzen Teil gewidmet und brachte einen Querschnitt aus seiner Karriere mit Arien aus Opern von Puccini, Mozart, Verdi und Wagner.

Nach einem herrlichen Belcanto-Abend folgte ein großer Schlussapplaus für den KA und besonders für Erl. Der hatte dann noch ein Zuckerl für die Wunderlich-Fans. Bisher hatte es Erl widerstrebt, anderes als Opern zu bringen. Doch heuer machte er eine Ausnahme. Er spielte als Zugabe in den Nachthimmel „Granada“ – keine Arie, sondern ein Schlager, gesungen von Wunderlich. Mit dem Satz „Träumen Sie von Belcanto“ schickte Erl die Besucher dann auf den Nachhauseweg, begleitet von einer letzten Ponselle-Arie.

Hermann Weingartner

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