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Nachverdichtung wahrscheinlich: Auf diesem Grundstück am Dammerlberg sollen bis zu 14 neue Wohneinheiten entstehen. Das Haus soll abgerissen werden.

Am Dammerlberg in Dorfen

Ein Haus soll weg, 14 Wohnungen hin

Wohnraum wird immer knapper und ist mancherorts schon Luxusgut. Eine Studie belegt: Preise für Häuser und Eigentumswohnungen sind in den letzten fünf Jahren in vielen Umlandgemeinden deutlich schneller als in München gestiegen. Auch Dorfen spürt das Problem.

Dorfen – Die Preise auf dem Immobileinmarkt explodieren förmlich. Nach München verbreitet sich dieses Phänomen nun verstärkt aufs Umland. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht zu erkennen– auch nicht in Dorfen. Zuzug und eine stark boomende Wirtschaftsregion verschärfen die Wohnungsnot in der Isenstadt, was regelmäßig Thema im Stadtrat und Bauausschuss ist.

Als eine Lösung wurde die Nachverdichtung im Stadtzentrum und alten Wohnsiedlungen erkannt. Das soll gerade am Dammerlberg umgesetzt werden, führte aber zu heftigen Anwohnerprotesten (wir berichteten). Um mehr Nachverdichtung in bestehender Wohnbebauung werden wir nicht herumkommen, ist nicht nur im Stadtrat Konsens, sondern wurde nun auch von IVD-Marktforscher Stephan Kippes so gesehen. Alternativ wäre eine Zersiedlung des Umlands.

Als Ursache sieht Kippes den Wohnraummangel in der Landeshauptstadt und als Folge weiter steigenden Siedlungsdruck in den Kommunen im Speckgürtel Münchens. Laut IVD ist der Preis für Eigentumswohnungen etwa in Erding um 88 Prozent gestiegen (Herbst 2017) und im Schnitt beinahe doppelt so hoch wie noch vor fünf Jahren. Dorfen ist in der Studie nicht aufgeführt, dürfte aber bei den dramatisch angezogenen Grundstückspreisen (erschlossen) von jetzt teils über 600 Euro von den Erdinger Zahlen nicht allzu weit entfernt liegen.

Dorfens Stadtführung und Bauverwaltung hatte sich bereits 2016 vorgenommen, mehrere alte Bebauungspläne mit Ziel der Nachverdichtung aufzuheben. Und zwar immer erst dann, wenn das Ziel der Bebauungspläne umgesetzt, sprich so gut wie vollständig bebaut ist, erklärte Bauamtsleiter Franz Wandinger schon mehrfach im Stadtrat und Bauausschuss.

Begonnen wurde in einem Ortsteilbereich Oberdorfens, jetzt war der Bebauungsplan „Am Dammerlberg“ dran. Dort gibt es nur vier noch unbebaute Grundstücke. Um eine Nachverdichtung, wie sie der Stadtrat auch befürwortet, zu ermöglichen soll der Bebauungsplan aufgehoben werden. Der umstrittene Beschluss fiel im Bauausschuss mit 6:5 denkbar knapp. Wandinger gab sich im Bauausschuss fast verzweifelt, angesichts der Widerstände auch aus dem Bauausschuss. Die Bauverwaltung wolle lediglich die Vorgaben des Stadtrats umsetzen. Ob es zu weiteren Aufhebungen von alten Bebauungsplänen kommt, um Nachverdichtung zu ermöglichen, ist nun ungewiss. Die Bauverwaltung ist offenbar entnervt.

„Verzweifelt“ ist auch einer der vier noch freien Grundeigentümer „Am Dammerlberg“ (Name der Red. bekannt). Er wolle auf seiner knapp 600 Quadratmeter großen Bauparzelle „nur bezahlbaren Wohnraum schaffen“. Die Stadt rede ständig davon. Ursprünglich sei dort ein Doppelhaus mit insgesamt bis zu vier Wohneinheiten geplant gewesen. Die Heimatzeitung hatte irrtümlich von acht Wohneinheiten berichtet. Sein Bauvorhaben werde „seit Jahren mit Erfolg verhindert“, erklärte der Eigentümer. Dabei wolle er endlich ein Haus bauen dürfen, „nicht mehr und nicht größer als die anderen in dem Siedlungsbereich auch“. Seit Rechtskraft des Bebauungsplans 1989 gab es 35 Änderungsanträge und fünf Bebauungsplanänderungen. Ein Schwung neuer Wohnungen werden am Dammerlberg dennoch wohl entstehen.

Wandinger berichtete im Bauausschuss, das rund 2300 Quadratmeter große Grundstücke am Dammerlberg, direkt an der Buchbacher Straße gelegen, soll bebaut werden. Stand der Planung seien Gebäude mit insgesamt bis zu 14 Wohneinheiten. Bei dem Vorhaben seien die Probleme deutlich geringer, weil das Areal nicht im Bebauungsplan „Am Dammerlberg“ liegt und dort das „Einfügegebot“ gegenüber der Umgebung gelte. Das Haus auf dem Grundstück soll abgerissen werden. Der Baustil der Villa Baujahr Anfang der 1970er-Jahre war damals eine Sensation in Dorfen.

Hermann Weingartner

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