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Die Jäger Rudi Nagl (l.) und Günter Janocha.
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Stimmung im Eiskeller: Das Publikum amüsierte sich prächtig.
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Martin Mittermaier alias Egon M.
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Newsmann Fred Janocha.
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Ozapft werd auf der Bühne.
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Steffi Hönninger als Cili-Mare.

Politiker-Derblecken in Dorfen

Ein Palast, der zum Regieren passt

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Es gilt als ungeschriebenes Gesetz: Wer beim Starkbierfest derbleckt wird, hat gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Daran hielten sich die mit Hohn und Spott Übergossenen beim Dorfener Politikerderblecken auch weitgehend. Manchen viel es aber schwer, einen Scherz lustig zu finden.

Dorfen – Zum Auftakt des zweitägigen Starkbierfestes hat Vizebürgermeister Günther Drobilitsch am Freitagabend das erste Fassl Doppelbock angezapft und damit den Startschuss zum Derblecken gegeben. Über 300 Besucher haben sich an den zwei Abenden des Dorfener Politiker-Derbleckens am Wochenende im E 3-Eiskeller köstlich amüsiert. Für eine entkrampfende Stimmung sorgten nicht nur der Bachmayersche Josefator mit 7,4 Prozent Alkoholgehalt, sondern auch die Schauspieler auf der Bühne, die ohne jede Gage die Dorfener Prominenz teils mit beißendem Spott überzogen.

Martin Mittermaier nahm bei seinem zweifachen Auftritt als Isener Emigrant Egon M. Dorfener auf die Schippe, die zu „Personen meines Vertrauens“ geworden sind. So etwa Peter Huber, Inhaber des Fahrradgeschäfts Huber Bikes. Wer dort einkaufe, bekomme nicht nur ein Fahrrad, sondern auch eine psychologische Lebensberatung dazu. Da nehme man gerne längere Wartezeiten in Kauf. Eine besondere Person ist für Egon M. auch Hausarzt Dr. Stefan Haberland. Der habe ihm vorhergesagt, „aufgrund Ihrer guten Blutwerte werden sie 100 Jahre alt – außer sie sterben vorher“. Die im Zuge des geplanten Bahnausbaues geplante Lärmschutzmauer, die Dorfen teilen würde, sieht Egon M. gar nicht so negativ. Diese würde nicht nur dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump begeistern – eine solche Mauer hätte auch das Zeug, eine Touristenattraktion in Dorfen zu werden.

Trump-Mauer mitten in Dorfen

Die prickelnsten Neuigkeiten aus Dorfen übermittelte Fred Janocha als Nachrichtensprecher. Eine der Topmeldungen: Bei der Erforschung der Ursprünge des Dorfener Faschings sei der Lokalhistoriker Günter Janocha in einem alten Kellergewölbe auf eine Kiste mit Unterlagen über die Anfänge des Dorfener Faschings gestoßen. Die nachweislich über 100 Jahre alten Dokumente hätten Entwürfe und Regieanweisungen der Sketche enthalten, die auch heute noch auf den Maschkaraversammlungen aufgeführt würden . . . Auch Janocha ging auf Trump ein. Die drei Meter hohe Mauer an der neuen Wohnanlage von Bauträger Robert Decker in der Zinniengasse sei von Präsident Trump gebaut worden. Er habe in dem Gebäude, in dem auch Appartements für Arbeiter untergebracht seien, eine mexikanische Arbeitersiedlung vermutet.

Als alte Dorfener Naturheilkundige und Seherin „Cilli-Mari“ holte Steffi Hönniger zu einer gewaltigen Moralpredigt aus. Sie ging nochmals auf die Affäre um den zum Jahresende ausgeschiedenen Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Figl ein. Die Vorkommnisse um den Mann der „Selbstverherrlichung“ hätten nicht nur den Stadtrat, sondern die gesamte Stadt beschädigt. Mit dem neuen Geschäftsführer Klaus Steiner sehe man unter den Mitarbeitern der Stadtwerke „wieder zufriedene Gesichter“. Da Dorfen jetzt als „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ eingestuft sei, hoffe die Rathaus-Verwaltung, dass jetzt etwas vorwärtsgehe – „wenn ma uns ned vorher wieder gegenseitig in d’Quer kemman, d’Fiaß leng oder uns selber ins Aus schiaßn“, kommentierte die Cilli-Mari. Zum neuen Dorfener Rathaus meinte die Seherin, „richtig teuer wird’s erst nach der Fertigstellung werden“. Wenn das Auge des Betrachters beleidigt werde, wie die meisten befürchten, dann kämen zu den Baukosten auch noch Schmerzensgeld dazu.

Neuer Palast, der zum Regieren passt

Umjubelt war der Auftritt der Jäger, alias Rudi Nagl und Günter Janocha. Das Thema war der Rathaus-Neubau – ein „moderna Bunka, bei dems de beim Oschaung grod beidld und grausd“. In einem Lied wurde Stadtchef Heinz Grundner gehuldigt, der zum Bürgermeister-Sein und zum Regieren geboren sei. „Bald steht mein neuer Palast, der zum Regieren zu mir passt.“

Für Stimmung sorgte auch Matthias Ernst von der zünftig aufspielenden Kapelle „Da Blechtraum“. Er erzählte – abwechselnd mit Erich Kiefinger, der souverän durchs Progamm führte – in den Pausen so gute Witze, dass viele Zuhörer feuchte Augen bekamen. Alles in allem war das Politiker-Derblecken eine gelungene Veranstaltung. Ein hoher Josefator-Konsum dürfte bei manchem Besucher jedoch Gedächtnislücken hinterlassen haben . . .

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