Die Durststrecke versucht Konstantinos Kostaras von der Taverna Sirtaki mit einem Foodtruck zu überbrücken.
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Die Durststrecke versucht Konstantinos Kostaras von der Taverna Sirtaki mit einem Foodtruck zu überbrücken.

Gastronomen halten sich mit To-go-Angeboten über Wasser – Kein Ersatz für Wirtshausbesuche

„Ein Restaurant ist ein bisschen Heimat“

Wie geht es den Dorfener Gastronomen während dem Lockdown? Bei manchen ist in der Küche mehr los, als vor Corona, andere kämpfen mit neuen Angeboten ums Überleben.

Dorfen – Essen to go läuft. Die Dorfener holen oft Gerichte in den hiesigen Restaurants, sie wollen ihre Lokale unterstützen – das haben nahezu alle Wirte in der Pandemie erfahren. Doch je länger der Lockdown dauert, desto schwieriger wird die Situation in der Gastronomie. Nicht zuletzt, weil ein Restaurant nicht nur ein Raum ist, in dem man Hunger und Durst stillt, sondern viel mehr: ein Ort der Geselligkeit und des Genusses.

In der Küche ist viel los beim Lebzelter-Wirt Sepp Vogl, doch ein Restaurant sei mehr als nur die Küche, sagt er.

Es sind die Menschen und die Gespräche nach dem Essen, die Lebzelter-Wirt Sepp Vogl fehlen. Früher setzte er sich zu den Gästen an den Tisch, um zu ratschen. „Eine leere Gaststube mit Stühlen auf den Tischen, das ist ein sehr trauriger Ort“, bedauert der Wirt, der seit nunmehr 16 Jahren die Dorfener Gastronomie prägt.

Das Geschäft beim Lebzelter laufe gut, da könne Vogl eigentlich nicht klagen. Gerade über die Feiertage hätten die Dorfener viel bestellt. Von Schnitzel über Cordon bleu bis hin zu Gans und Salaten mit Rinderfilet – alles in servierfertige Portionen verpackt. Heuer gab es wegen des Lockdowns indes keine Weihnachtsfeiern, auch fallen die Stammtische weg. Der „Durchlauf“ in der Küche sei zwar höher als noch vor Corona, dennoch trifft Vogl die Situation hart. „Ein Restaurant ist mehr als Essen, es ist ein bisschen Heimat.“ Vogl kenne nahezu alle seine Gäste. Er habe schon immer gut bewirtet: „Deshalb sind mir die Dorfener treu geblieben“, ist der Wirt sicher.

Und auch Ashis Mohapatra vom indischen Restaurant Taj ist voll des Lobes: „Die Dorfener sind einfach spitze – sie lassen uns nicht im Stich.“ Der Lockdown trifft Mohapatra dennoch hart: „November und Dezember waren in der Gasto immer umsatzstarke Monate, durch die wir Durststrecken überbrücken konnten.“

Je länger Lockdown und Pandemie dauern, desto schneller schwinden auch die Rücklagen. Konstantinos Kostaras erreicht langsam seine Grenzen. „Es ist eine schlimme Zeit“, sagt der Wirt der Taverna Sirtaki. Ein Food-Truck am Unteren Markt hält ihn gerade so am Leben, ebenso wie seine treuen Stammgäste beim Bestell- und Abholservice im Restaurant – mehr aber auch nicht. „Ich habe 18 Angestellte, hinzu kommt die Pacht. Das muss man erst alles stemmen“, sagt Kostaras.

Im Essenswagen verkauft der Gastronom Gyros und andere griechische Mittagsgerichte, etwa Schweinegeschnetzeltes mit Tomaten-Wein-Soße oder Fischpfanne mit Gemüse und Reis. „Ich bin unter der Woche mittags immer vor Ort, abends dann im Restaurant.“

Noch schwieriger ist die Situation bei allen Gastronomen, die erst kurz vor dem Lockdown ein Restaurant eröffnet haben. Der Wirt am Markt beispielsweise hat die Pandemie nicht überlebt, musste schließen. Auch „Dorfen’s Grill“-Inhaberin Tzina-Rina Weiß kämpft schwer. Sie hat erst im November 2019 ihr Restaurant eröffnet. Dennoch hat die Wirtin für den 13. Januar eine Aktion geplant: „Ich gebe kostenlos Speisen aus und sammle damit Spenden für die Nachbarschaftshilfe in Dorfen.“ Ihre Motivation: „Ich bin Griechin – in meiner Heimat helfen sich Menschen gegenseitig mit vielen kleinen Taten, jeder so wie er kann. Ich möchte den Menschen in Dorfen was zurückgeben.“

Michaele Heske

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