Ein Richter bei der Arbeit: Der Murnauer musste sich am Amtsgericht verantworten (Symbolfoto).
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Eingestellt gegen Geldauflage wurde das Verfahren gegen einen Dorfener (Symbolfoto).

Nachbarschaftsstreit in Dorfen endet vor Gericht – Verfahren gegen Geldauflage eingestellt

„Eine einseitige Welle der Beleidigungen“

  • vonMayls Majurani
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Ein jahrelanger Streit zwischen einem Dorfener und seinen Nachbarn fand vor dem Amtsgericht Erding ein Ende. Das Verfahren wurde gegen Geldauflage eingestellt, weil der Angeklagte kurz vor dem Umzug steht.

Dorfen – Jahrelange Streitigkeiten zwischen Nachbarn lassen sich nicht in zwei Stunden vor Gericht zusammenfassen. So war es jedenfalls bei einigen Dorfenern, die sich in der Vergangenheit mehrmals gegenseitig angezeigt haben. Das Verfahren gegen einen 62-Jährigen wegen Beleidigung und Nötigung wurde nun eingestellt.

Der Anklageschrift zufolge hat der Mann im Juni vergangenen Jahres zwei Nachbarn, einen 74-Jährigen und dessen Lebensgefährtin, die gemeinsam auf dem Balkon saßen, aggressiv beschimpft und beleidigt. Einen Monat später parkte er mit einem Anhänger das Auto des 74-Jährigen zu, sodass dieser den ganzen Tag nicht wegfahren konnte. Möglicherweise sind diese Vorfälle nur die Spitze des Eisbergs. Die beiden Parteien hatten sich offenbar unzählige Male gegenseitig angezeigt.

Im Zeugenstand berichtete der Geschädigte ausführlich und aufgebracht über den jahrelangen Streit. Neben den Beleidigungen habe der Angeklagte ihn und seine Lebensgefährtin immer wieder diffamiert. Er habe anderen gegenüber behauptet, dass der 74-Jährige in Italien im Gefängnis gesessen und seine Lebensgefährtin eine Steuerbetrügerin sei.

Der Angeklagte relativierte das: „Es ging um die Hundesteuer, die sie in Dorfen nicht gezahlt hat.“ Auf Nachfrage des Verteidigers sagte der Geschädigte: „Sie hat die Hundesteuer gezahlt.“ Der Angeklagte funkte erneut dazwischen: „Nachgezahlt.“

Der Zeuge führte die Vorfälle weiter aus: „Mich haben Menschen gefragt, wie es im Gefängnis in Italien ist. Seit diesen Verleumdungen gehe ich in Dorfen nicht mehr zum Einkaufen, nicht mehr in ein Café oder Restaurant. Uns ist viel Lebensqualität verloren gegangen.“ Er habe dem Angeklagten nie etwas getan. Das Ganze sei kein Streit, sondern vielmehr „eine einseitige Welle der Beleidigungen“ – „Halt dei Fotzn“ und „Du Penner“ seien die Lieblingsworte des 62-Jährigen, so der Geschädigte.

Auf die Frage von Richterin Michaela Wawerla, wie das Ganze angefangen habe, sagte er, dass er 2017 nach Dorfen gezogen sei. Damals wollte der Angeklagte wohl die Wohnung haben, habe sie aber nicht bekommen.

Wem der Stellplatz gehört, an dem der Wagen des Geschädigten zugeparkt worden ist, konnte nicht geklärt werden. Der Geschädigte behauptete, er habe den Stellplatz seit 2010 gemietet und zahle monatlich 30 Euro dafür. Der Angeklagte dagegen meinte, der Streifen sei gar kein offizieller Stellplatz, und er habe vom Eigentümer die Erlaubnis, dort seinen Anhänger abzustellen. Wawerla entgegnete: „Wenn der Platz Ihnen gehört, dürfen Sie das Auto abschleppen lassen. Wenn Sie es zuparken, ist es aber eine Nötigung.“

Nach der Vernehmung des ersten Geschädigten zogen sich Richterin, Verteidigung und Staatsanwaltschaft zu einem Gespräch zurück. Wenig später wurde das Verfahren dann gegen eine Geldauflage eingestellt. Die weiteren, zahlreich geladenen Zeugen wurden nicht mehr angehört. Hintergrund: Der Angeklagte steht kurz vor dem Auszug aus dem Wohngebäude. „Sie bleiben jetzt einen Monat lang ruhig, und die Sache ist erledigt“, sagte Wawerla, warnte aber auch: „Wenn noch mal was passiert, wird es nicht so ausgehen.“ Der Angeklagte kommt nun mit einer 300-Euro-Zahlung ans Sophienhospiz davon.

Mayls Majurani

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