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Ein Landrat sah rot: Erwin Schneider (rechts) ging die Demonstranten an. CSU-Minister Scheuer konnte ihn kaum beruhigen.

Üble Beleidigungen

Ausraster bei A94-Eröffnung: CSU-Landrat verliert Beherrschung - Scheuer ermahnt ihn

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  • Katharina Haase
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Das Teilstück der A94 zwischen Heldenstein und Pastetten durch das Isental ist offiziell freigegeben. Doch ganz reibungslos lief die Eröffnungsfeier nicht ab.

Update 4. Oktober 2019: Am Rande der Eröffnung der Isentalautobahn kam es zu einem Eklat um den Altöttinger CSU-Landrat Erwin Schneider, wie das Oberbayerische Volksblatt berichtete. Während Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer seine Ansprache hielt, störten ein paar Gegner des Großprojektes die Veranstaltung mit „Kein Grund zum Feiern“-Sprechchören. Während der Bundesminister souverän reagierte und die Demonstranten auf eine Leberkäs-Semmel einlud, echauffierte sich sein CSU-Kollege Schneider regelrecht. 

Lautstark ging er die protestierenden Kritiker an und bezeichnete sie mehrfach als „Arschlöcher“, wie das OVB* meldet. In einem Video ist zu sehen, wie Schneider die Demonstranten außerdem als „Menschenverachter“ und „Grattler“ beschimpft. 

Kurios: Vom Rednerpult wurde der Landrat sogar von seinem Parteifreund aus der Berliner Politik ermahnt. Scheuer rief mehrmals seinen Vornamen: „Erwin, Erwin, Erwin... Mein Mikro ist lauter!“ Doch der 58-jährige Lokalpolitiker ließ sich kaum beruhigen. So bekamen die Demonstranten weitaus mehr Aufmerksamkeit von der Presse und den anwesenden Gästen - was Scheuer wohl nicht gefiel.

A94: Erster Feuerwehreinsatz noch vor der Eröffnung der Isentalautobahn

Update 30.09,2019, 20.04 Uhr: War es ein Wink des Himmels? Wenige Stunden vor dem Festakt fegte nachts ein heftiger Sturm über den Parkplatz Fürtholz-Nord – und wirbelte Bierzelt, Garnituren und Stehtische bunt durcheinander. Die Isentalautobahn erlebte ihren ersten Feuerwehreinsatz, ehe die ersten Autos rollen. Zur feierlichen Verkehrsfreigabe des seit den 1970er-Jahren heftig umstrittenen Abschnitts Pastetten–Heldenstein auf der A 94 München–Passau wehte zwar immer noch ein starker Wind, doch sonst ging es harmonisch zu. Zumindest meistens.

A 94-Eröffnung: Feierlichkeiten werden von Protesten begleitet

Drei jungen Demonstranten gelang es, sich mit ihren Transparenten zwischen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die Festgesellschaft zu schieben. Laut riefen sie: „Es gibt kein Grund zum Feiern.“ Scheuer blieb (zumindest äußerlich) gelassen: „Mein Mikrofon ist lauter.“ Ein paar Augenblicke später schoben Polizisten die drei sonst friedlichen Störer beiseite. Der Protest war aber auch zu riechen. Ein Landwirt odelte eifrig sein Feld direkt neben dem Rastplatz. Sicherlich kein Zufall.

Lesen Sie bei Merkur.de*: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zur A94-Einweihung: „Das heute ist ein sehr schöner Tag“

Ansonsten waren die A94-Befürworter unter sich. Der Anteil derer aus der Region Mühldorf war aber deutlich größer als der aus dem Erdinger Land. Kein Wunder, der Widerstand war in Dorfen immer schon groß, während nebenan gar ein Verein pro A94 gegründet worden war.

Ein Bild für die Geschichtsbücher: Radler auf der Isentalautobahn bei Dorfen.

Scheuer rief von seinem Bauwagen-Podest in die Menge: „Diese Autobahn ist ökonomisch wie ökologisch eine gute Lösung.“ Wirtschaft und Pendler bräuchten gute Verbindungen. Sie sorgten dafür, „dass der leistungsstarke Wirtschaftsraum erhalten bleibt“. Die B 12 sei völlig überlastet. „Hier gab es schon zu viele Verletzte und Tote.“

A 94: Ein Meilenstein für die Infrastruktur

Sein bayerischer Kollege Hans Reichhart (CSU) begann sein Grußwort wie alle Redner: „Heute ist ein Tag der Freude.“ Die A 94 verbinde Menschen und Wirtschaftsräume. Er bezeichnete die Autobahn als „Kraftader in Südostbayern“. Auf die Gegner ging Reichhart ebenfalls ein: „Es wurde hart gerungen, jetzt aber weitgehend Rechtsfrieden geschaffen.“

Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU), der seinen Wahlkreis in Mühldorf und Altötting hat, meinte: „Vielen hat es viel zu lange gedauert.“ Kein Projekt habe die Kommunal-, Landes- und Bundespolitik so intensiv und kontrovers beschäftigt wie die Isentalautobahn. Und er gab zu: „Ja, die A 94 hat auch gespalten, teils ganze Ortschaften.“ Umso lobenswerter sei es, „dass einige trotz Frustration und Desillusionierung den Kampf um die Autobahn nie aufgegeben haben“. Mayer ist überzeugt: „Die große Mehrheit steht hinter der A 94.“ Die, die sich nicht dazu zählen, blieben der Party fern, trafen sich aber am Abend in Dorfen, um ihrem Frust freien Lauf zu lassen.

Mit Spannung erwartet wurde, was Heinz Grundner (CSU) zu sagen hat. Er ist Bürgermeister in Dorfen, ab den 1970er-Jahren der Hort des Widerstandes. Doch er sprach von einem „Meilenstein für die Infrastruktur“. Jetzt müssten die Gemeinden die Entwicklungspotenziale für sich nutzen. Scheuer gab er gleich das nächste große Infrastrukturprojekt mit auf den Weg, den Bau der B 15 neu Rosenheim–Landshut. Diesmal dürfe die Trasse aber keinesfalls durch das Erdinger Land führen, sondern durch den Kreis Mühldorf. Prompt fiel der Applaus deutlich leiser aus.

77 Kilometer lang ist der Abschnitt der A 94 zwischen Forstinning und Marktl. 

Scheuer zu Brotzeit-Problemen: „Notfalls teile ich meine“

Die Kluft zwischen beiden Wirtschaftsräumen war auch beim Festakt zu spüren. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Erdinger Politik wäre der Feier geschlossen ferngeblieben. Denn anfangs waren nur Mühldorfer und Altöttinger Redner eingeplant. „Geht gar nicht“, schnaubte der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) gestern noch einmal. Der Großteil der vierspurigen Strecke läuft in der Tat durch seinen Gäu.

Den Ärger über zunächst nicht eingeladene Bürger fegte Scheuer vom Tisch: „Die Diskussion um Leberkässemmeln ist deplatziert. Notfalls teile ich meine.“

Durchgängig befahrbar ist die A94 freilich immer noch nicht. Im Osten klaffen Lücken. Und bei Marktl ist sie zurzeit komplett gesperrt: Hier müssen Fahrbahnschäden ausgebessert werden.

A94-Eröffnung: Gegner kritisieren Zerstörung der Natur 

Update 30.09.2019, 12.05 Uhr: Nur noch wenige Stunden sind es, bis zur offiziellen Eröffnungsfeier des Autobahnabschnitts A94. Die Teilstrecke, die durch das Isental führt, soll vor allem die stark befahrene B12 entlasten, die von München Richtung Passau führt. 440 Millionen Euro hat sie gekostet und die Verantwortlichen sind zufrieden, mit Verlauf und Ergebnis der Bauarbeiten.

Nicht so die Gegner des Projekts, die von Beginn an gegen den Bau des neuen Autobahnabschnitts A94 protestiert hatten. Bürgerinitiativen und Naturschützer hatten den Ausbau der B12 als billigere und naturverträglichere Alternative verlangt.

Die stellvertretende Landesbeauftragte des Bund Naturschutz (BN) Christine Margraf sagte, der Bau habe viel Heimat zerstört. Der Verband kritisierte, intakte Erholungsgebiete würden verlärmt und zerschnitten, Wald sei verloren gegangen und das Landschaftsbild teils zerstört.

Eröffnung der A94: Auch Promis unterstützten Protestbewegung

Am Montagabend, nach dem offiziellen Festakt zur Eröffnung der A94, wollen sich die Gegner nochmals zusammenfinden. Während der Bauphase hatte es immer wieder Protestaktionen gegeben. Auch Prominente wie der Kabarettist Gerhard Polt und die Biermösl Blosn unterstützten die A94-Gegner.

Erstmeldung: Dorfen – Kehrtwende bei der Freigabe der Isentalautobahn am kommenden Montag. Unsere Berichterstattung, der Festakt finde nur für geladene Gäste statt, hat für viel Wirbel gesorgt – und auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erreicht.

Eröffnung der A94 in Bayern: Andreas Scheuer lädt Bürger ein

Nun teilt die Autobahndirektion Südbayern mit, dass alle Bürger, „die den Bau der A94 unterstützt haben“, willkommen seien. Die Zeremonie findet um 15 Uhr nahe der Rastanlage Fürtholz Nord bei Dorfen statt. Es gibt nur begrenzt Parkplätze.

Unter anderem Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz (CSU) hatte die geschlossene Feier kritisiert. „Das kann man bei einem solchen Projekt doch nicht machen. Vor allem die, die Grund für die A94 abgetreten haben, sollten eingeladen sein.“

Unglücklicherweise hat Scheuer seine großzügige Einladung zuvor nur leidlich überdacht. Denn nun kann die genaue Planung des Festaktes kaum noch kalkuliert werden. Bei einem ungeplanten „Ansturm“ auf die Eröffnungsfeier droht nun eine peinliche „Brotzeit-Panne“, denn womöglich können nicht alle Gäste versorgt werden.

Eröffnung der A94: Betreten bislang verboten

Auf dem 33 Kilometer langen Teilstück von Pastetten über Lengdorf, Dorfen und Heldenstein finden die letzten Arbeiten statt, unter anderem die Markierung der Fahrstreifen. Deswegen ist es nach Angaben von Josef Seebacher von der Autobahndirektion absolut tabu, auf der Trasse Fahrrad zu fahren oder spazieren zu gehen.

ham/kah/dpa

*Merkur.de und ovb-online.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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Kommentare

Laurenz Johannes Karl
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Maut, Brenner-Nordzulauf, Diesel-Skandal, unnötige Grenzkonrollen - und jetzt die die A94. Die Verkehrspolitik der CSU - sofern man dieses Gemurkse überhaupt als Politik bezeichnen kann - ist eine einzige Katastrophe.

Otto find ich gutAntwort
(0)(0)

Ich war natürlich dort und habe mir u.a. mehrere der ausgelegten Broschüren "A94 - Spur in die Zukunft" gesichert (eine Lektüre, die jedem A94-Gegener sehr an Herz lege). Ich darf Ihnen versichern, dass sich der ungepflegte Kerl auf dem obigen Foto/Video und die anderen 2 Witzfiguren nach ihrem sinnlosen Geplärre auf dem weitläuigen Parkplatz ungehindert weiter rumtrieben und nicht im Polizeiauto entfernt wurden. Warum auch, sie waren dann ja friedlich und nicht weiter ausfallend. Selbst wenn sie einen Platzverweis erhalten hätten, spielt die Polizei gewiss nicht deren Chauffeur, sie wurden ja nicht verhaftet. Der Held des unleserlich beschmierten Bettlakens genoss anschließend sichtlich das kostenlose Bier, was im übrigen auch andere Besucher bemerkten. HME hätte schon rein äußerlich super zu dem Trio gepasst, war aber dann doch wohl zu feige und betrieb am Abend unter seinesgleichen lieber Justizschelte.

HermannOderWerAntwort
(2)(0)

Das amüsiert sehr, suchen sie mal in den Regionalzeitungen der letzten Jahre nach den besten Abschlüssen der Erdinger Gymnasien, da werden sie vielleicht ja fündig :-)

Diese Reduzierung auf die Protestierenden sollte jetzt doch dann wirklich mal abgeschlossen sein, "Jaihoid" hat den Zusammenhang erklärt und der Grund zu protestieren ist nach 35 Jahren Einsatz für eine günstiger, schneller und umweltverträglicher ausgebaute B12 auf jeden Fall vorhanden.

Aber die bayerische Allmachtspartei muss natürlich den Willen Ihres Godfathers posthum durchsetzen.

Der Strauß war hoid oiwei scho a Aff.