Starkes Engagement, das wahrgenommen wird: Hilde Mittermaier, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Dorfen, mit ihrem Stellvertreter Norbert Döring (M.) bei der Jahreshauptversammlung des Vereins in Dorfen. Bürgermeister Heinz Grundner (r.) lobte: „Die Nachbarschaftshilfe ist ein wichtiger Fixpunkt im sozialen Netz der Stadt.“

Licht in die Herzen

Das Elend wohnt in der Nachbarschaft

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Der Weg in die Armut ist kurz. Plötzliche Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, die Familie bricht auseinander. Jedes für sich ein Grund, dass sich das Leben schlagartig drastisch ändern kann. Die Armut wohnt meist in der Nachbarschaft.

Dorfen – Es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass es wirkliche Armut nur in Ländern der sogenannten Dritten Welt gibt. Doch wer so denkt, irrt. „Die Armut ist gleich neben uns“, weiß Hilde Mittermaier, die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Dorfen aus ihrer täglichen Erfahrung. Wer noch bis vor geraumer Zeit im Restaurant Essen gehen konnte, steht möglicherweise schon morgen auf der Liste der Tafel-Kunden. „Ausgegrenzt und wie von Gott und den Menschen vergessen und verlassen fühlen sich diese Menschen manchmal, die alt, arm, alleine und dazu noch krank sind“, berichtet Mittermaier von ihren Erlebnissen. „Wer gut situiert ist, denkt gar nicht über alltägliche und kleinere Sonderausgaben nach. Aber diese Menschen belastet ihre Situation jeden Tag und überschattet ihre Lebensfreude. Immer mehr Menschen bitten mich in ihrer Notsituation um ein Gespräch. Sie haben bereits alle ihnen bekannten Möglichkeiten ausgeschöpft, haben oft eine lange Leidenszeit hinter sich und sind am Ende ihrer Kraft.“ Menschen, die schließlich den Mut fassen, sich an die Nachbarschaftshilfe um Hilfe zu wenden, haben manchmal nicht nur einen Schicksalsschlag hinter sich, der sie getroffen hat. Wenn zur Verarmung aus verschiedenen Gründen noch Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes hinzukommen oder die Familie aufgrund einer andauernden Belastung nicht mehr zusammen hält, dann zieht es den Menschen den Boden unter den Füßen weg. „Tapfer versuchen diese Menschen mit allem zurecht zu kommen, aber sie benötigen dringend Unterstützung und Begleitung“, sagt Mittermaier.

Die Vorsitzende nennt Beispiele, bei denen die Nachbarschaftshilfe helfen konnte und kann – sei es durch finanzielle Zuwendung oder durch persönliche Unterstützung. Da ist die junge Familie, deren zweites Kind mit einem schweren organischen Schaden zur Welt kommt. Das Geld war immer schon äußerst knapp. Aber nun kommen zusätzliche Sorgen und Belastungen auf sie zu. Die Mutter kümmert sich rund um die Uhr um das Kleine, aber auch das ältere Kind braucht Beachtung und Zuwendung. Die zusätzlichen Ausgaben, etwa für Fahrten ins Krankenhaus, sind im Verhältnis zum Einkommen sehr hoch.

Oder da ist das Ehepaar, das den Lebensplan hat, die kleine Eigentumswohnung bis zur Rente abbezahlt zu haben. Eine schwere Krankheit und der Verlust des Arbeitsplatzes gefährden die monatlichen Raten. Seelische Not, Angst, auf der Straße zu landen, stürzen das Ehepaar in große Verzweiflung. Die Mehrkosten, die durch die Krankheit entstehen (und sei es nur der Kauf eines Schlafanzuges für den Klinikaufenthalt), können kaum finanziert werden.

Auch die Altersarmut greift um sich. Da ist der hochbetagte Rentner. Mit seiner kleinen Rente versucht er, zurecht zu kommen. Aber etwas Außergewöhnliches ist nicht drin. Mal raus aus der kleinen Wohnung, um sich mit ehemaligen Kollegen zu treffen, das wäre es – doch die Kosten für eine Fahrkarte kann er sich nicht leisten. Mittermaier weiß: „Immer mehr Rentner leben am Rande der Armut. Besonders in den Monaten, in denen viel geheizt oder eventuell warme Kleidung gekauft werden muss, müssen sie noch sparsamer als sonst leben.“

Und da sind dann auch noch alleinerziehende Mütter oder Väter, die keine Möglichkeit haben, mit ihren Kindern etwas Besonderes in den Ferien zu unternehmen. Es ist ihnen einfach nicht möglich, dies zu finanzieren.

Die Nachbarschaftshilfe Dorfen schaut hier, im Einzelfall helfen zu können. Und Mittermaier freut sich: „Wir können auch Dank der Aktion ,Licht in die Herzen‘ helfen, von der wir seit Jahren unterstützt werden.“ Dass die Nachbarschaftshilfe die soziale Feuerwehr der Stadt Dorfen sein kann, wie Bürgermeister Heinz Grundner immer betont, liegt an dem großen ehrenamtlichen Engagement. 43 Helfer sind in der von der Nachbarschaftshilfe betriebenen Dorfener Tafel tätig, 23 Helfer in der organisierten nachbarschaftlichen Hilfe und 12 Personen entlasteten pflegende Familien.

Auch ein relativ neues Angebot kommt gut an. Im Dezember 2016 wurde das erste Mal das „Kleine Café“ veranstaltet. Monatlich bietet es die Möglichkeit, sich zu treffen, zu unterhalten, mal was Anderes zu sehen. Helferinnen der Nachbarschaftshilfe schaffen ein gemütliches Ambiente und servieren Kaffee und Kuchen. Mittermaier: „Das ,Kleine Café‘ ist ein Treffpunkt geworden auch für Menschen, die sich aufgrund ihrer Situation die Ausgaben für Kaffee und Kuchen nicht leisten können.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN:

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