Coronavirus · Seniorenheim Hohnstein
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Stehen unter Quarantäne: die betroffenen Asylunterkünfte im Landkreis. Symbolfoto.

Neun Flüchtlinge mit Corona-Virus infiziert

Asylunterkünfte im Landkreis unter Quarantäne

Aktuell sind im Landkreis neun Asylbewerber an Covid-19 erkrankt. Das Landratsamt hat Quarantäne in den betroffenen Einrichtungen verordnet. 

Forstern/DorfenAktuell sind im Landkreis neun Asylbewerber an Covid-19 erkrankt. Wenn das Corona-Virus erst einmal den Weg in eine Gemeinschaftsunterkunft gefunden hat, ist es nur schwer unter Kontrolle zu halten. Das Landratsamt hat Quarantäne in den betroffenen Einrichtungen verordnet. Die Bewohner müssen sich allerdings weiterhin Zimmer und Bad teilen.

Sozialkontakte meiden – diesen Ratschlag können Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften schwerlich befolgen. In Forstern beispielsweise leben 31 Menschen im Wohncontainer. Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer haben seit langem Zugangsverbot, auch der Asylsozialarbeiter muss draußen bleiben. Unbemerkt von den Helfern traten erste Symptome bei einem der Flüchtlinge dort auf. Tage später testete eine Ärztin den Mann. Das Ergebnis: positiv – amtlich seit 12. April.

Sofort wurden alle Bewohner getestet, nun wartet man auf das Ergebnis. „Zur Sicherheit und zum Schutz der Menschen in Forstern ist das Flüchtlingsheim mittlerweile unter Quarantäne gestellt“, sagt Bürgermeister Georg Els.

Betroffene in Zimmern isoliert

Andreas Münsch, Sachgebiet Gesundheitswesen im Landratsamt, erklärt: „Es wird hier nach den Vorgaben des RKI verfahren, selbst wenn es schwieriger ist, die Isolation innerhalb der Gemeinschaft vorzunehmen, beispielsweise wenn Gruppenküchen vorhanden sind.“ Das Gesundheitsamt habe allerdings bisher gute Erfahrungen gemacht, auch wenn es mit zusätzlichem Aufwand verbunden sei: „Man braucht Dolmetscher und teilweise Sozialarbeiter.“ Außerdem sei keine Unterkunft so stark belegt, dass man nicht Menschen in einzelnen Zimmern isolieren könnte, erklärt Landrat Martin Bayerstorfer: „Grundsätzlich aber bleibt die ganze Einrichtung unter Quarantäne, wenn ein Bewohner positiv ist.“

„Die Abriegelung und damit einhergehende Durchseuchung der Unterkunft kann keine Lösung sein“, kritisiert Maria Feckl, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin in Forstern. Schließlich würde im Container ein Baby leben, ebenso wie eine Frau, die erst kürzlich eine Herz-Operation hatte und somit zur Risikogruppe gehöre.

Gemeinsame Toiletten und Duschen: Andere Maßstäbe bei Flüchtlingen?

Feckl fordert eine Verlegung der Infizierten, beispielsweise in Pensionen. „Zwei Toiletten und zwei Duschen gibt es im Container, die sich die Bewohner teilen müssen. Es kann nicht sein, dass bei Flüchtlingen andere Maßstäbe angesetzt werden.“

Das sieht Bürgermeister Els anders: „Wir haben keine freien Unterkünfte in Forstern.“ Außerdem sei es ein juristisches Problem: „In der Unterkunft leben anerkannte und nicht anerkannte Flüchtlinge, die jeweils anders rechtlich zu behandeln sind.“

Sicherheitsdienst kontrolliert

Die Flüchtlinge sind isoliert, keiner darf die Unterkunft verlassen. „Wir haben einen Sicherheitsdienst engagiert, das empfiehlt die Regierung und bezahlt das auch“, erläutert Bayerstorfer. So sei sichergestellt, dass die häusliche Quarantäne eingehalten werde. Auch die Polizei sei in die Bewachung der betroffenen Einrichtungen im Landkreis eingebunden.

In der Flüchtlingsunterkunft Lindum sei bis dato noch kein Flüchtling infiziert, glaubt Franz Leutner, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Dorfen. Maximal 65 Flüchtlinge haben in Lindum Platz, die genaue Zahl ist Leutner mittlerweile nicht mehr bekannt, denn auch hier dürfen die Flüchtlingshelfer die Unterkunft nicht mehr betreten.

Leben auf engstem Raum

Kontakt wird übers Telefon gehalten. „Doch die Telefonkarten der Flüchtlinge sind mittlerweile abtelefoniert. Wir sprechen nur sporadisch miteinander.“ Die Unterkunft wird schon seit längerem von einem Sicherheitsdienst bewacht. Es habe Aushänge mit Verhaltensregeln und Warnungen in allen Sprachen in den Flüchtlingsunterkünften gegeben. „Doch unsere Klientel hat anfangs nicht wirklich verstanden, worum es bei der Ausgangssperre ging, was die Corona-Krise überhaupt bedeutet“, sagt Leutner.

Die meisten Bewohner kommen allerdings aus Ländern, in denen es immer wieder Seuchen gibt: „Sie schotten sich und die Kinder in den Zimmern ab. Obwohl frische Luft und Bewegung das Immunsystem stärken, gehen sie nicht vor die Tür.“ Außerdem fehle es an Desinfektionsmitteln. Das gemeinsame Leben auf engstem Raum gestalte sich schwierig.

Ein weiteres Problem: Es gibt keine Internet-Verbindung in Lindum. Die Flüchtlinge können sich nicht informieren. Auch die Schulkinder werden abgehängt: „Homeschooling ist dort nicht machbar“, sagt Leutner.

Michaele Heske

Alle Nachrichten und Infos zur Corona-Krise im Landkreis Erding finden Sie in unserem Newsticker.

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