Bezirksehrenschützenmeister Josef Niedermeier will an der Tradition festhalten.

In Schützenvereinen rumort es

Es geht um die Wurst

  • schließen

Es geht buchstäblich um die Wurst: Beim Königsschießen wird in den Schützenvereinen nicht nur der treffsicherste Schütze mit der Schützenkette geehrt. Für die Zweit- und Drittplatzierten gibt es einen Wurst- und Brezenkranz. Das ist Tradition – aber nicht mehr beliebt. Der Bayerische Sportschützenbund (BSB) will keine Würste und Brezen mehr sehen.

Dorfen – Für Georg Schatz ist die Sache klar: „Wurst- und Brezenkönige in unserer Gegend sind Tradition, gehören zum alten Brauchtum.“ Der Gauschützenmeister des Schützengaus Dorfen setzt sich dafür ein, den Zweit- und Drittplatzierten Ketten aus Würsten und Brezen weiter umzuhängen. Der Sportschützenbund sieht das anders. Für den Verband ist das nicht mehr zeitgemäß, wie Landesschützenmeister Wolfgang Kink in einem Beitrag im BR sagte. Seiner Meinung nach haben Wurstkönige mit Brauchtum im herkömmlichen Sinn nichts zu tun. „Das gehört nicht zum Schützenbild“, sagt er. Und er liefert noch einen anderen Grund nach: Bei Wurstkränzen drohe Gefahr, dass der Schützenanzug verschmiert werde.

Für den BSB sind Wurstketten schlichtweg „unappetitlich“. Seit längerem werden in der BSB-Schützenzeitung daher keine Bilder mehr veröffentlicht, auf denen Wurst- und Brezenkönige zu sehen sind. Dabei gehören Brezen- und Wurstketten seit Jahrzehnten zum Bild der Schützenvereine. Entstanden ist dieser Brauch nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Schützenketten waren damals eingeschmolzen worden. Und weil auch Essen knapp war, wurden den Siegern Ketten aus Wurst und Brezen umgehängt. Heute gehört es zum Ritual, dass Würste und Brezen im Verein gemeinsam gegessen werden. Gauschützenmeister Schatz sieht darin auch einen wichtigen gesellschaftlichen Aspekt.

Auch Gauschützenmeister Klaus Waldherr vom Schützengau Erding hat eine klare Haltung: „Das ist Tradition, das bleibt!“ Für die Schützenvereine sei das ein gesellschaftlicher, für mache sogar ein finanzieller Aspekt. In seiem Heimatverein in Eicherloh etwa würden nach der Preisverleihung Würste und Brezen versteigert. Waldherr macht klar: „Ich würde keinen Verein dazu verdonnern, diese Tradition abzuschaffen.“ Ob diese Tradition nun 100 oder nur 50 Jahr alt sei, „ist relativ wurst. Für uns ist das Tradition.“

Bezirksehrenschützenmeister Josef Niedermeier will an der Tradition festhalten.

Josef Niedermeier ist seit 1963 Schütze. Der 85-Jährige ist Ehrenschützenmeister im Schützenbezirk Oberbayern und amtierender König bei den Taufkirchener Jungschützen. Auch für ihn ist klar, dass Wurst- und Brezenkönige Tradition sind. Er erinnert sich, dass dem Sportschützenbund das aber schon vor Jahrzehnten ein Dorn im Auge war. Aber die Vereine hätten schon damals nicht nachgegeben. „Wir können ihnen doch die Tradition nicht nehmen“, mahnt Niedermeier. Und er legt nach: „Man darf nicht alles regulieren. Lassen wir die Kirche im Dorf.“ Denn für Niedermeier steht fest: Schützenvereine seien auch ein gesellschaftliches Ereignis.

Freilich könnte der BSB anordnen, dass Wurst- und Brezenkönige aus dem Schützenbild verschwinden sollen. Der Gau ist dem BSB unterstellt. Müsste er also klein beigeben? Waldherr hält das für nicht durchsetzbar. „Da macht kein Verein mit.“ Und auch Kollege Schatz sagt: „Was in den Vereinen gemacht wird, ist deren Sache.“

Überhaupt kann Schatz den hausgemachten Wirbel nicht verstehen. Natürlich sei der Schützensport zu allererst Sport. Aber auch die Geselligkeit präge die Vereine. Und an den BSB gewandt meint der Gauschützenmeister: „Wenn die keine größeren Probleme haben . . .“

> Kommentar

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nachbarschaftshilfe Fraunberg: Vereinsgründerin zieht sich zurück
Kräftig umgekrempelt wurde der Vorstand der Fraunberger Nachbarschaftshilfe JAa!. An der Spitze steht aber weiterhin Dagmar von Fraunberg. Ihre neue Stellvertreterin ist …
Nachbarschaftshilfe Fraunberg: Vereinsgründerin zieht sich zurück
Wählergruppe Neufinsing will weiter im Gemeinderat mitreden
Im Wirtshaus und in den Sozialen Medien macht die Wählergruppe Neufinsing Wahlkampf.  Herz und Sachverstand wollen Michael Suhre und seine Mitstreiter im Gemeinderat …
Wählergruppe Neufinsing will weiter im Gemeinderat mitreden
„Ihr seid jetzt gefragte Fachkräfte“: 181 Absolventen an der Erdinger Berufsschule
Für 181 junge Leute ist die Berufsschulzeit zu Ende. Sie wurden in 16 Berufen ausgebildet.
„Ihr seid jetzt gefragte Fachkräfte“: 181 Absolventen an der Erdinger Berufsschule
Musik als Mittlerin beim Zwiegespräch mit Gott: Klettham weiht restaurierte Orgel
Zwei Orgeln sorgen jetzt in der Kirche St. Vinzenz für einen beeindruckenden, raumfüllenden Stereo-Effekt. Am Sonntag fand die Weihe der restaurierten Staller-Orgel mit …
Musik als Mittlerin beim Zwiegespräch mit Gott: Klettham weiht restaurierte Orgel

Kommentare