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Das Thema Zukunft der Freizeit- und Sportflächen interessiert die Dorfener stark, wie die Bürgerversammlung am Dienstagabend im Jakobmayer-Saal zeigte. 

Bürgerversammlung zur Verlegung der Sport- und Freizeitflächen 

ESC will „keinen Tod auf Raten“

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Die Bevölkerung Dorfens wächst stetig. Freizeit- und Sportflächen sind an der Kapazitätsgrenze. Mit der Auslagerung von Freibad und Sportstätten vom Volksfestplatz an den südlichen Stadtrand könnte die Stadt das Problem über mehrere Generationen hinweg lösen. Doch nicht alle sind von der Idee begeistert.

Dorfen – 1964 wurde das Dorfener Freibad am Stadtrand gebaut. 9700 Einwohner hatte Dorfen damals. Heute, 54 Jahre später, zählt die Stadt knapp 15 000 Einwohner. Das Freibad ist mittlerweile von Wohnhäusern umgeben – und längst viel zu klein. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) zeigte am Dienstagabend vor mehr als 200 Besuchern, darunter viele Jugendliche vom TSV Dorfen, bei einer Bürgerversammlung zur Verlegung der Sport- und Freizeitflächen im Jakobmayersaal auf, warum eine intensive Diskussion über die Auslagerung des Schwimmbades und der angrenzenden Sportstätten notwendig ist.

Werben für ein Jahrhundert-Projekt:  Bürgermeister Heinz Grundner, Bauverwaltungsleiter Franz Wandinger, Stadtplanerin Martina Schneider und Citymanager Markus Jocher (v. l.). 

Denn nicht nur das städtische Freibad platzt aus allen Nähten. Die Jugendarbeit des 1800 Mitglieder starken TSV Dorfen ist nur noch eingeschränkt möglich, da es an Fußball- und Trainingsplätzen fehlt. Anstelle der Sportflächen könne dann eine Wohnbebauung realisiert werden, und so die Finanzierung des Neubaus der Sportstätten auch mitfinanziert werden. Eine kurzfristige Entscheidung über die Auslagerung im Zusammenhang mit der Diskussion um die Bewerbung für die Landesgartenschau sieht Grundner „nur mittelbar“. Der Stadtchef machte aber klar: „Eine Verlagerung der Freizeit- und Sportflächen über die Köpfe der Bürger hinweg wird es nicht geben.“

Stadtplanerin Martina Schneider zeigte mögliche Varianten auf, wie eine gute, über mindestens zwei Generationen hinweg Bestand habende Lösung aussehen könnte. Die schon in den vergangenen Monaten erhobene Forderung von Bürgern, das Freibad müsse in der Stadtmitte erhalten bleiben, sieht Schneider „problematisch“. Denn wenn das Freibad saniert und möglicherweise geringfügig erweitert werde, sei eine Neugenehmigung erforderlich. Und dann würde die Lärmproblematik eine ganz andere Rolle spielen als heute.

Bis acht Meter hohe Lärmschutzwände?

Im momentanen Zustand genießt das Freibad Bestandsschutz. Die Stadtplanerin berichtete von einem Gespräch mit einem Emissionsschutzexperten, der davon ausgeht, dass das gesamte Freibad bei einer Veränderung dann mit einer fünf bis acht Meter hohen Lärmschutzwand eingehaust werden müsste. Dies hätte auch für das Stadtbild nicht unerhebliche Auswirkungen, so die Planerin.

Drei Varianten werden von Schneider und anderen Fachleuten derzeit geprüft: Die vollständige Auslagerung von Freibad und Sportstätten nach Rutzmoos, nur die Auslagerung von TSV-Stadion und Tennisclub, wobei Schwimmbad und ESC-Halle am angestammten Standort verblieben und schließlich der alleinige Verbleib des ESC am Volksfestplatz und die Absiedelung der übrigen Freizeit- und Sportflächen.

TSV-Präsident Bernd Schmidbauer machte klar, dass sein Verein die komplette Absiedelung der Sportstätten an einen neuen Standort präferiere. „Wir müssen doch für Generationen planen, und nicht nur für ein paar weitere Jahre.“ Die Beschwerden von Anwohnern über Lärm nähmen kontinuierlich zu. „Wenn alles beim Alten bleibt, werden die Probleme noch größer.“ Wenn der Stadtrat jetzt die Chance zur Absiedelung der Freizeit- und Sportstätten nicht nütze, „handelt er fahrlässig“, urteilte Schmidbauer.

Auch Klaus Huber, Vorsitzender des Tennisclubs, zeigte sich für eine Absiedelung aufgeschlossen.

„Zukunftsweisende Entwicklung“

In zehn Jahren laufe der Pachtvertrag für das jetzige TC-Gelände aus, eine Verlängerung werde es wohl nicht mehr geben. Allerdings machte Huber deutlich, dass der Tennisclub für eine neue Sportstätte sicher kein Geld hätte, da er den Rückbau der jetzigen Anlage stemmen müsse.

Erst spät in der Diskussion äußerte sich ESC-Präsident Dr. Emil Rudolf. Er sieht in einer Absiedelung der Sportstätten durchaus „eine zukunftsweisende Entwicklung“, der sich der ESC „nicht verschließen“ werde. Allerdings müsse gewährleistet sein, dass sein Verein nach wie vor selbstständig bleiben könne, „egal wo“. Der Variante, dass der ESC als einzige Sportstätte am Volksfestplatz verbleibe, erteilte Rudolf eine klare Absage: „Das wäre ein Tod auf Raten. Wenn, dann gehen wir alle raus. Auch, weil nur so Synergieeffekte genutzt werden können.“ Auch die Variante, dass Freibad und ESC-Stadion am jetzigen Standort verbleiben, sieht Rudolf kritisch. Dann gebe es mit Sicherheit Probleme bei der Finanzierung der anderen Sportstätten am neuen Standort.

Der Pensionist Ewald Kosmann appellierte an Mitbürger und Stadtrat, „diese Chance jetzt nicht zu vertun“. Dorfen wachse weiter, deshalb müssten die viel zu kleinen Freizeit- und Sportanlagen raus aus der Stadt und an neuer Stelle großzügiger und zukunftsträchtig gebaut werden. Es sei an der Zeit, dass in Dorfen nicht immer nur „Bedenkenträger, Neinsager und Verweigerer“ Recht bekämen, sagte Kosmann unter großem Beifall.

Grünen-Stadträtin Ulli Frank-Mayer warnte davor, nur das „Totschlagargument Lärmschutz“ zu sehen. Der Altbestand der Sportflächen genieße „besonderen Schutz“, fünf bis acht Meter hohe Lärmschutzwände werde es sicher nicht geben. Frank-Mayers SPD-Kollege Heiner Müller-Ermann warnte davor, nur wegen der möglichen, bis 29. Juni notwendigen Bewerbung zur Landesgartenschau jetzt einem selbst auferlegten Druck nachzugeben: „Es sei denn, wir wollen keine seriöse Planung.“ Müller-Ermann: „Wir brauchen Zeit, um Schwierigkeiten und Probleme zu lösen.“

Badeweiher statt neuem Freibad

Müller-Ermann und GAL-Stadtrat Gerald Forstmaier schlugen vor, das Freibad am jetzigen Standort zu belassen und auf der Fläche der neuen Sportstätten bei Rutzmoos einen Badeweiher anzulegen. Das würde die Platzprobleme im Freibad „entzerren“. Für Forstmaier ist es überdies „nicht vorstellbar“, dass auf den geplanten Sportflächen bei Rutzmoos, das an ein Landschaftsschutzgebiet anschließt, ein so massiver Bau wie die ESC-Halle stehe.

Dass für eine Entscheidung die Zeit dränge, verteidigte Bürgermeister Grundner. Beim Freibad bestehe akuter Handlungsbedarf, da die Gewährleistungsfrist für die immer wieder reißende Spezialfolie im Becken abgelaufen sei. Die Stadt müsse mittlerweile viel Geld in Reparaturen stecken. Zeitdruck gebe es auch deshalb, „weil der TSV massiv an Flächenmangel leidet“.

So geht es weiter

Die bei der Bürgerversammlung vorgebrachten Argumente sollen in die weiteren Planungen einfließen. Möglicherweise gibt es eine zusätzliche Bürgerversammlung oder Workshops. Bürger können Ideen und Anregungen per E-Mail an sportflaechenkonzept@dorfen.de schicken.

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