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Improvisiert gerne auf ihrer Harfe: Evelyn Huber. Am Samstag spielt sie im Jakobmayersaal in Dorfen. 

Interview mit Harfenistin Evelyn Huber

„Ich spiele die Musik, die ich fühle“

Als Ensemble unter dem Projektnamen „Inspire“ – aus dem Moment – treten Harfenistin Evelyn Huber und ihre drei Kollegen an Flügel, Cello und Percussion am Samstag, 24. März, um 20 Uhr im Jakobmayersaal auf. Huber ist im benachbarten Pliening auf dem elterlichen Hof aufgewachsen, wo sie auch heute noch mit ihrem 16-jährigen Sohn lebt. Sie ging in Erding in die Schule, anschließend studierte sie in München Harfe.

Dorfen– Der weltbekannte Klezmer-Klarinettist Giora Feidman holte die Harfenistin Evelyn Huber auf die Bühne, mit dem Hackbrettvirtuosen Rudi Zapf tourte sie durch Europa, Afrika und Lateinamerika. Im Jahr 1997 gründete sie mit dem Jazz-Saxophonisten Mulo Francel ein außergewöhnliches Duo aus Harfe und Saxophon. Ihre Harfenkunst trägt auch zum Erfolg der Band Quadro Nuevo bei, zu der sie seit 2008 gehört. Mit dem Ensemble absolviert die 47-Jährige 140 Auftritte im Jahr. 2010 und 2011 wurde Quadro Nuevo mit dem deutschen Musikindustriepreis Echo Jazz ausgezeichnet. Sie selbst bekam unter anderem den Kulturpreis Bayern. Wir unterhielten uns mit der Künstlerin.

-Frau Huber, Sie spielten schon als Kind Harfe. Wie kommt man dazu, sich ein solch „sperriges“ Instrument auszusuchen?

Evelyn Huber:Eigentlich hat das meine Familie beschlossen. Als ich Kind war, haben wir Volksmusik gemacht, und ich war mit dem Hackbrett unterwegs. Irgendwann wünschte man sich eine Harfe – die Wahl fiel auf mich – ich habe mich nicht großartig gewehrt. Damals war ich neun.

-Was reizt Sie an diesem Instrument ?

HuberMein Instrument ist sehr klischeebehaftet. Für mich als Musikerin ist es unglaublich spannend, mit Unerwartetem zu überraschen. Die Harfe kann, ähnlich wie Gitarre oder Klavier, sowohl Rhythmus- als auch Melodie-Instrument sein. Ich spiele oft und gerne groovige Rhythmen und Improvisationen, die mit Harfe nicht in Verbindung gebracht werden. Das ist ein großer Spaß. Harfe taugt als Soloinstrument genauso wie im Zusammenspiel im Ensemble. Und obendrauf lassen sich ganz wunderbare atmosphärische Klangmalereien zaubern. Da bleiben für einen Musiker kaum Wünsche offen.

-Besitzen Sie mehrere Harfen? Was sind die Unterschiede?

Huber:Im Prinzip spiele ich hauptsächlich für mich speziell angefertigte Instrumente mit Einzeltonabnehmersystem, die sich durch die Größe beziehungsweise Reisetauglichkeit unterscheiden. Harfen sind leider im Vergleich zu anderen Instrumenten sehr kurzlebig, da sich nach zehn bis fünfzehn Jahren die Halbtonmechanik soweit abgenutzt hat, dass sie als Bühneninstrument ausgetauscht werden müssen. Auch die enorme Zugkraft der Saiten auf der Resonanzdecke hinterlässt Spuren. Aber meine heilige Harfe, auf der ich studiert habe, steht aus alter Verbundenheit hier als Übe-Instrument bei mir.

-Sie wurden als Gastprofessorin an die Guildhall School of Music in London berufen. Was war das für eine Erfahrung?

Huber:Unterrichten war eine tolle Erfahrung, um Musik analytisch zu betrachten und auch den Funken für mein Instrument weiterzugeben.

-Es gibt einen Porträtfilm von Ihnen mit dem Titel „Die Verwandlung der Evelyn Huber“. Was ist damit gemeint?

Huber:Dieser Film wurde in der Reihe „Lebenslinien“ ausgestrahlt. Das Bauernmädel, das eigentlich den elterlichen Bauernhof hätte übernehmen sollen, findet den Weg zur Bühnenkünstlerin.

-Sie spielen unterschiedliche Musikrichtungen. Welche liegt Ihnen am meisten?

Huber:Eigentlich sind die Richtungen gar nicht so unterschiedlich. Ich spiele die Musik, die ich fühle. Was für ein Privileg. Und was für ein Privileg, dass es Menschen gibt, die sich dafür die Zeit nehmen und gerne live dabei sein wollen und lauschen. Und wenn man so wunderbare Kollegen wie bei Quadro Nuevo oder Inspire an der Seite hat, ist das ein großes Geschenk.

-Sie tourten schon um die halbe Welt. Wo kommt das Harfenspiel am besten an?

Huber:Als reisende Musikerin verschwimmen in meinem Leben geografische und kulturelle Grenzen mehr und mehr. Und egal, ob im Jazzclub in Peking, im Opernhaus von Kairo, auf der Straße im bulgarischen Dorf oder daheim in Dorfen – die Sprache Musik funktioniert immer und überall.

-Am Wochenende gastieren Sie im Jakobmayer in Dorfen. Was verbindet Sie mit Ihrer Heimat?

Huber:Nach Hause kommen in die Heimat ist Kraft auftanken; liebe Menschen um sich herum haben, Wurzeln in Sprache, Musik und Mentalität spüren, um sich dann von dort aus wieder mit großem Tatendrang zu neuen musikalischen Abenteuern aufzumachen.

Das Gespräch führte
Alexandra Anderka.

Karten für das Konzert

am Samstag, 24. März, um 20 Uhr im Jakobmayersaal in Dorfen kosten 21 Euro im Vorverkauf und sind erhältlich bei Ticket Treff Dorfen, Tel. (0 80 81) 13 93, oder auf www.printyourticket.de.

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