Historisches Gerät und moderne Einsatzfahrzeuge: Beim 150. Jubiläum der Feuerwehr Dorfen war beides zu bestaunen (v.l.): 2. Jugendwart Dominik Fichtner, Jugendwart Jan Smolko, Kommandant Stefan Beham und 2. Kommandant Tobias Brandl vor einer Feuerwehrpumpe aus den Gründungsjahren der Wehr. 
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Historisches Gerät und moderne Einsatzfahrzeuge: Beim 150. Jubiläum der Feuerwehr Dorfen war beides zu bestaunen (v.l.): 2. Jugendwart Dominik Fichtner, Jugendwart Jan Smolko, Kommandant Stefan Beham und 2. Kommandant Tobias Brandl vor einer Feuerwehrpumpe aus den Gründungsjahren der Wehr. 
Viele Bürger nutzten am frühen Nachmittag die Möglichkeit, sich einen Überblick über das Leistungsvermögen und die Gerätschaften der zehn Dorfener Wehren zu verschaffen. 
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Auch viele Bürger nutzten die Möglichkeit, sich einen Überblick über das Leistungsvermögen und die Gerätschaften der zehn Dorfener Wehren zu verschaffen. 

Freiwillige Feuerwehr Dorfen

150 Jahre beispielhafter Einsatz

Dorfen – Ihren 150. Geburtstag feierte am Sonntag die Feuerwehr in Dorfen groß und zeigte sich dabei als schlagkräftige Truppe. Nach dem Gottesdienst und dem Festakt mit zahlreichen Ehrengästen stellten sich an der Erdinger Straße die zehn Dorfener Feuerwehren vor und präsentierten ihre Einsatzfahrzeuge.

Egal, ob bei Bränden, Katastrophen oder Unfällen – die Aktiven sind rund um die Uhr im Einsatz, mit enormem ehrenamtlichem Engagement. „Die älteste Bürgerbewegung in Dorfen war die Freiwillige Feuerwehr“, sagte Kommandant Stefan Beham.

Grund für die Gründung war ein Großfeuer, das die Westseite des Dorfener Rathausplatzes komplett zerstört hatte. Und so schlossen sich einige Bürger zusammen, um künftig gegen Brandkatastrophen gefeit zu sein. Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Dorfen am 15. Juni 1869.

Seither hat sich vieles verändert – nicht nur die Technik, auch die Kernaufgaben erweiterten sich stark. Längst rücken die Aktiven nicht mehr nur zum Löschen aus. Zu ihren Aufgaben gehören Hochwasser- und anderer Katastrophenschutz, oft sind sie aber auch Ersthelfer am Unfallort. „Der Job des Feuerwehrmanns ist hart – in physischer Hinsicht, aber auch die psychische Belastung ist enorm“, sagte der ehemalige Kommandant Alex Schubert, der mittlerweile in Moldawien lebt und extra zum Jubiläum in seine Heimatstadt gekommen ist. „Gerade als Ersthelfer am Unfallort sehen wir Bilder, die wir nicht mehr aus dem Kopf bekommen.“

Auch Bürgermeister Heinz Grundner sind die schwierigen Situationen, denen die Feuerwehrleute ausgesetzt sind, bewusst: „Menschlich bewegende Ereignisse erleben die Einsatzkräfte zuhauf, im Guten wie im Schlechten. Die Anerkennung in der Gesellschaft für die Arbeit der Feuerwehr darf nicht fehlen.“ Die Stadt Dorfen hat deshalb ihren Feuerwehren Ende 2018 den Sozialpreis überreicht. „Die Stadtverwaltung kann nur für die Fahrzeuge und Geräte aufkommen. Das Engagement aber bringen die beherzten Männer mit“, betonte Grundner.

Er verwies auf das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter: „Unsere Feuerwehr setzt sich ein, wenn Not herrscht, ebenso in allen Schadenslagen.“ Gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend von Egoismus und Anonymisierung geprägt sei, sei das soziale Engagement der Feuerwehr Dorfen beispielhaft.

Die Feuerwehrleute arbeiten ausschließlich freiwillig. Denn bis auf die großen Städte, in denen es eine Berufsfeuerwehr gibt, ist die Feuerwehr in ganz Deutschland ehrenamtlich organisiert. „Wenn ich von unserer Freiwilligen Feuerwehr in Dorfen erzähle, glauben das die anderen europäischen Abgeordneten nicht“, sagte die Europaabgeordnete Angelika Niebler, einer der Ehrengäste beim Fest. „Die Leistung ist enorm. So wie Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich sind, so ist es auch das Engagement der Feuerwehrleute nicht und kann nicht genug gelobt werden.“

Deshalb ist auch die Nachwuchsarbeit wichtig. Jugendwart Jan Smolko jun. ist fleißig dabei, Nachwuchs zu generieren. Ab zwölf Jahren können Mädchen und Buben bei der Feuerwehr Dorfen mitmachen. „Es ist die Gemeinschaft und die Kameradschaft, die die Feuerwehr so attraktiv machen“, sagt Smolko. Außerdem lernen die jungen Leute hier soziale Kompetenz: „Wir arbeiten mit viel Disziplin. Das gibt auch viel Halt und Kraft im weiteren Leben – ein Vorteil, den andere Vereine nicht bieten“, betont sein Stellvertreter Dominik Fichtner.

Beide Männer waren schon als Kinder von Feuerwehrautos fasziniert. Davon träumt auch der sechsjährige Thomas Grünaug, der später auch einmal Feuerwehrmann werden möchte – wie sein Großvater und sein Vater. Und seine Schwester Luise ergänzt: „„Das ist auch mein Wunsch, Feuer zu löschen, wenn es brennt und so.“ Schließlich sind seit über 20 Jahren auch Mädchen und Frauen aktiv bei der Feuerwehr im Einsatz: „Frauen haben zwar nicht die Kraft wie Männer, aber sie sind wichtig für unsere Arbeit und haben gerade im zwischenmenschlichen Bereich große Kompetenzen“, sagt 2. Kommandant Tobias Brandl.

Wie schnell und schlagkräftig die Einsatzkräfte sind, haben sie erst im Winter unter Beweis gestellt. Um 17 Uhr kam die Aufforderung, bei der Schneekatastrophe im Voralpenland zu helfen. Um 21 Uhr hatten sich 220 Aktive gemeldet, die am nächsten Tag losfuhren, um überregional Hilfe zu leisten. „Darauf können wir alle stolz sein“, sagte Schubert. (Michaele Heske)

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