Die Wirtsstuben der ehemaligen Gaststätte Stiller wurden in Wohnräume für Flüchtlinge umgebaut. Zur Übergabe kamen (v. l.): Bernhard Klemm (Objektleiter-Unternehmensgruppe Scharl), Adalbert Wirtz (Vorsitzender Dorfener Flüchtlingshilfe), Christian Blatt (Landratsamt Fachbereich Asyl), Georg Scharl (Geschäftsführer Scharl-Gruppe), Jakob Schwimmer (Vizelandrat), Ingenieurbüro ABB Christian Brunner, Bürgermeister Heinz Grundner und Max Mayr (Firmenkundenberater VR-Bank Erding). Foto: Weingartner

Ehemaliges Gasthaus in Lindum

Flüchtlinge leben unterm Herrgottswinkel

Dorfen - Das ehemalige Gasthaus Stiller in Lindum ist zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut worden. Gestern wurde das Gebäude offiziell an den Landkreis übergeben. Wann dort Flüchtlinge einziehen, ist noch offen.

 „In idyllischer Lage befindet sich in Lindum bei Dorfen ein Zuhause für Flüchtlinge, das mit dem eigenen, weitläufigen Garten mit großem Spielplatz besonders familienfreundlich ist und ein gemeinsames Zusammenleben verschiedener Kulturen ermöglicht“, sagte Georg Scharl, Geschäftsführer der Dorfener Unternehmensgruppe Scharl, bei der Übergabe. Für die Unternehmensgruppe sei mit der Übergabe der Flüchtlingsunterkunft an den stellvertretenden Landrat Jakob Schwimmer und Fachbereich Asyl (Landratsamt) rund um Christian Blatt auch das zweite soziale Projekt „zur Unterstützung von Menschen auf der Flucht in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen worden“, freut sich Scharl. In Lindum sei wieder der Bezug zur Region und die Zusammenarbeit mit lokalen Planern und Firmen wichtig gewesen, „sodass der Landkreis in mehrerlei Hinsicht profitiert“.

Vor knapp neun Monaten hatte der Investor den ehemaligen Gasthof Stiller gekauft und mit den Umbauarbeiten begonnen. Jetzt ist die Flüchtlingsunterkunft für insgesamt 102 Personen mit rund 1600 Quadratmetern fertig. Zur späteren Anschlussnutzung wollte Scharl nichts sagen und zur Mietdauer und Mietkosten „darf ich nichts sagen“. In Dorfen leben derzeit rund 170 Flüchtlinge.

Das Stiller-Projekt ist in zwei Bauabschnitten gelaufen. Die Räume im Obergeschoss für 30 Personen könnten sofort bezogen werden, sagte Blatt. Im Haus gibt es zwei Gebetsräume und Küchen. Weitere 72 Flüchtlinge finden in den geräumigen Wohnräumen im Erd- und Untergeschoss Platz. Im Erdgeschoss gibt es eine große Küche, die Verwaltung und einen Hausmeister. Im Untergeschoss wurden die Sanitärräume für die neuen Bewohner angepasst. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Planern und Firmen seien alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, um die Eigenheiten einer Gaststätte an die baurechtlichen Auflagen zur Nutzung als Flüchtlingsunterkunft zu erfüllen und den künftigen Bewohnern einen möglichst angenehmen Start im noch fremden Deutschland zu ermöglichen, erklärte Scharl sein Projekt.

Ehemals als „Herrgottswinkel“ oder „Hochzeitsstubn“ bekannte Räume wurden professionell in Wohnräume unterteilt, Türen und Mauern versetzt, gestrichen und teilweise neue Bodenbeläge eingebracht. Elemente wie Deckenverzierungen, die die warme Atmosphäre der Gaststätte prägten, versuchte man weitestgehend herauszuarbeiten und zu erhalten. „Die neu entstandenen, großzügigen Räume weisen so ein entspanntes und angenehmes Wohngefühl auf“, betonte Scharl.

Von allen Räumen aus kommt man sofort ins Freie, trotzdem wurde zur Sicherheit eine Brandmeldeanlage eingebaut. Im Haus gibt es auch zwei Nottelefone.

Jetzt werden letzte Arbeiten, der Einbau der Möbel und Küche erledigt, sagte Blatt. Erste Bewohner in Lindum werden wohl Anfang Juli erwartet, sagte Blatt.

Hermann Weingartner

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