Asylpolitik

Flüchtlingshelfer fühlen sich diffamiert

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Aussagen von Dobrindt, Hermann & Co. wirken demotivierend auf Ehrenamtliche Asylhelfer. Sie fühlen sich allein gelassen.

Dorfen – Die Asylpolitik wird schärfer, der Umgangston rauer. Die Flüchtlingshilfe Dorfen sieht das mit Sorgen. Nicht nur Geflüchtete würden mit Worten verletzt, sondern auch ehrenamtliche Flüchtlingshelfer diffamiert. „Das erschwert die Arbeit und kann zu unlösbaren gesellschaftlichen Problemen führen“, warnt Franz Leutner vom Vorstandsteam der Dorfener Flüchtlingshilfe.

Es sind Aussagen wie die von Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, der im Zusammenhang mit der Zunahme an Klagen, die Abschiebungen von Flüchtlingen verhindern wollen, von einer „aggressiven Anti-Abschiebe-Industrie“ spricht. Für Leutner steht dagegen fest: „Selbstverständlich gehört es auch zu unseren Aufgaben, Asylsuchende in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen. Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat.“ Dobrindts Äußerungen seien nicht nur gegenüber Geflüchteten verletzend, „sondern diffamieren auch die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingshilfe“.

Kritik übt Leutner auch an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der Asylbewerber von der Klage durch eine Beteiligung an den Prozesskosten abhalten wolle. Das erhöhe den Druck auf bereits verunsicherte Menschen und erschwere so unnötig die Arbeit der freiwilligen Helfer. Die Sozialarbeit in den Flüchtlingsunterkünften werde nahezu ausschließlich von Ehrenamtlichen geleistet. „Wir betreuen hier in Dorfen über 200 Personen, davon fast 80 in der Unterkunft der Regierung von Oberbayern in Lindum. Wir helfen diesen Menschen tagtäglich, ihr Leben zu regeln, das sie unter Umständen führen, die für uns ,Normalbürger‘ oft unvorstellbar sind.“

Neben Fahrten, etwa zu Ärzten, zum Krankenhaus oder zu Behörden werde auch Kinderbetreuung, Lernhilfe und Rechtshilfe organisiert. Schließlich handle es sich oft um schwer traumatisierte und aufgrund ihres ungewissen Schicksals verzweifelte und depressive Menschen. Das könne über kurz oder lang zu unlösbaren gesellschaftlichen Problemen führen. Vor allem Kinder, die unter diesen Umständen aufwachsen müssten, bedürften Unterstützung und oft auch therapeutischer Hilfen, bevor sich Verhaltensauffälligkeiten entwickelten, die sie noch mehr ausgrenzten.

Auch wenn in der letzten Zeit durchaus hilfreiche Gespräche mit Mitarbeitern von Behörden und dem Asylsozialdienst des Roten Kreuzes geführt worden seien, bedürfe es einer besseren Kooperation der Stellen mit den ehrenamtlichen Helfern.

In der Unterkunft Lindum herrsche „keine optimale Atmospäre“, konstatiert Leutner. Das habe schon dazu geführt, dass Kinder von Flüchtlingen in den Dorfener Kindergärten nicht mehr aufgenommen würden, weil ihr Verhalten „unangepasst“ sei. Wenn die Asylsuchenden aber nicht vernünftig integriert würden, führe das zu immer mehr Problemen, „die wir am Ende nicht mehr lösen können“.

Leutner: „Wenig hilfreich sind Statements von Politikern, die mit Schlagwörtern jene verletzen, die dort freiwillige Hilfe leisten, wo es sozial brennt und die Politik versagt.“ Die Bereitschaft innerhalb der Bevölkerung, zu helfen, sei ungebrochen. Es mache sich aber Frust über wenig Unterstützung durch die Behörden breit.

Gerade Lindum zeige das, wo viele Flüchtlingsfamilie mit Kindern und Alleinerziehen untergebracht seien, die so gut wie keine öffentliche Verkehrsanbindung nach Dorfen hätten. Hier seien das Land, aber auch der Landkreis und die Stadt in der Pflicht zu helfen. Alles nur ehrenamtlichen Helfern aufzubürden, sei nicht mehr länger tragbar.

Bufdis gesucht

Ab Herbst sucht die Flüchtlingshilfe Dorfen wieder Bundesfreiwillige, die Interesse an der Arbeit mit Menschen mitbringen und sich in das Thema Flüchtlingshilfe und Integration einarbeiten möchten. Interessierte können sich unter Tel. (0 80 81) 9 52 53 83 melden.

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