Appell aus Dorfen

Flüchtlingshilfe: Gebt Migranten einen Job

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Entgegenkommen und Solidarität anstatt Ausgrenzung und Ablehnung. Das fordert die Flüchtlingshilfe Dorfen im Umgang mit Migranten. Und Flüchtlinge sollen arbeiten dürfen – auch um den sozialen Frieden zu wahren.

Dorfen – Die Stimmung im Land ist aufgeheizt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nach tödlichen Übergriffen auf Deutsche etwa in Offenburg, Chemnitz und Köthen geht die Angst um. Tausende gehen auf die Straße und protestieren gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Rechtsextreme schüren Hass gegen Flüchtlinge. In dieser aufgeheizten Stimmung geht ein von der SPD angestoßenes Thema fast unter: Spurwechsel. Abgelehnte Asylbewerber sollen bleiben dürfen, wenn sie in einer Ausbildung sind oder einen Job haben.

Für die Dorfener Flüchtlingshilfe wäre ein solcher Spurwechsel „ein Lichtblick“, wie es in einer Mitteilung der Vorstände Heiko Altmann, Michaela Meister und Franz Leutner heißt. Natürlich dürften die Erwartungen nicht zu hoch gesteckt werden, da letztlich hinter einem „Spurwechsel“ nahezu ausschließlich wirtschaftliche Interessen stünden. Aber dieser Ansatz könne auch das grundsätzliche Verständnis für ein Miteinander wecken, das nicht auf Ausgrenzung und Ablehnung fuße, sondern auf Entgegenkommen und Solidarität. „Einige unter den abgelehnten, aber geduldeten und oft gut integrierten Geflüchteten sind sicherlich aufgrund ihrer wirtschaftlichen Not zu uns gekommen. Auch mit einem Spurwechsel für bereits hier lebendende Geflüchtete werden wir noch weit davon entfernt sein, Hunger und Elend – oft verursacht durch den von den Industrienationen verursachten Klimawechsel und deren Wirtschaftspolitik – als legitime Fluchtursache zu akzeptieren. Auch werden zahlreiche bürokratische Hürden einen Spurwechsel nicht leicht machen. Aber wir öffnen zumindest einen Weg für manche Menschen, statt sie wieder in die Not zurück zu schicken“, schreiben Altmann, Meister und Leutner.

Klima der Frustration und Depression

Für die Verantwortlichen der Flüchtlingshilfe steht fest: „Grundsätzlich sollte jeder arbeiten dürfen. Es macht einfach keinen Sinn, Menschen mitunter jahrelang ohne Beschäftigung in den Unterkünften herumsitzen zu lassen und hier ein Klima der Frustration, Depression und psychischer und physischer Verwahrlosung zu begünstigen. Und dies nur, weil man glaubt, durch schlechte Behandlung künftige Flüchtlinge abschrecken zu können. Durch diesen Umgang handeln wir uns einen sozialen Brennstoff ein, der unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen wird.“

Als Beispiel wird die Flüchtlingsunterkunft in Lindum genannt. Von den fast 90 Bewohnern dürften nur zwei Personen arbeiten. Dort seien seit über einem halben Jahr auch etwa 20 junge afrikanischer Männer untergebracht, die vor ihrer Verlegung in den Landkreis Erding zum Teil hätten arbeiten dürfen. Beschäftigung diene dem sozialen Frieden – in der Unterkunft und in der Kommune – nütze der Wirtschaft und entlaste den Steuerzahler, heißt es in der Erklärung. „Auch aus diesem Grund sollten Arbeitserlaubnisse nicht engstirnig an Kriterien wie Bleibeperspektiven oder Identitätsklärungen gebunden sein, denn wer auch nur für eine begrenzte Zeit arbeiten darf, entlastet die Sozialkassen, führt Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ab. Mitunter schickt er oder sie auch gespartes Geld nach Hause, hilft seiner Familie und bekämpft so vor Ort mögliche Fluchtursachen.“ Am Wichtigsten ist der Flüchtlingshilfe aber etwas ganz anderes: „Einfach die Fähigkeit, im Anderen einen Mitmenschen zu sehen, der wo immer er auch herkommt, ein Recht auf ein Leben in Würde und Respekt verdient.“

Rubriklistenbild: © dpa / Sophia Kembowski

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