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KG-Präsidentin Sylvia Baresch führte den Umzug durch Dorfen an.

Hemadlenzn in Dorfen

Der Föhn bläst den Winter weg

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Wenn die Hemadlenzn in Dorfen unterwegs sind, ist das ein untrügliches Zeichen, dass der Winter bald vorbei ist. Mit der Verbrennung des Lenz wird der Winter ausgetrieben. Das war diesmal eigentlich überflüssig, denn er hatte sich schon vorsorglich aus dem Staub gemacht.

Dorfen Im vergangenen Jahr war der Unsinnige Donnerstag fast drei Wochen früher. Es schneite, ein eisiger Wind fegte durch die Isenstadt, die Hemadlenzn zitterten und bibberten. Heuer war alles anders. Es war anfangs fast windstill, die Temperaturen lagen deutlich im zweistelligen Bereich. So hätte man den Winter eigentlich gar nicht auszutreiben brauchen – war er doch ohnehin schon weg.

Aber Brauch ist Brauch: Und so marschierten rund 3000 gut gelaunte Hemadlenzn – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren – bekleidet mit weißen Nachthemden, Zipfelmützen und Hauben, am Vormittag durch die Innenstadt zum Altöttinger Tor.

Mit lauten „Aufstehn“-Rufen wurden die Dorfener Hoheiten Carina I. und Simon I. aufgeweckt. Sylvia Baresch, Präsidentin der Karnevalsgesellschaft (KG) Dorfen, stieg die Leiter hinauf und klopfte an die Fensterläden. Die Tollitäten begrüßten die Narrenschar und stiegen unter lautem Gejohle der Hemadlenzn zu ihrem Volk hinab. Dort wurde – gemäß dem alten Brauch – der Tanz eröffnet und die Dorfener Narrenhymne „Oh, du Himmel auf Erden“ von der Stadtkapelle Dorfen intoniert.

Dann setzte sich der Narrenzug wieder in Bewegung. Erst ging es zum Rathaus. Dort musste KG-Präsidentin Baresch schon wieder „fensterln“ – diesmal beim Bürgermeister. Dorfens Stadtchef Heinz Grundner strahlte übers ganze Gesicht, als er die Narrenschar begrüßte, hatte aber auch ein weinendes Auge. Zum letzten Mal durfte er aus dem alten Rathaus klettern, das schon bald abgerissen wird.

Nach einem Rundgang durch die Stadt war der Marienplatz die letzte Station. Dort wurde pünktlich um 12 Uhr die Hemadlenzn-Puppe, die den Winter symbolisieren soll, aufgehängt und angezündet. Gerade in diesem Moment setzte ein Föhnsturm ein, fachte das Feuer an, und so dauerte es keine Minute, bis der Lenz komplett verbrannt war. Am Ende blieb nur noch ein Häuflein Asche übrig, der Winter war ausgetrieben. Ganz vorne mit dabei waren neben den Dorfener Stadträten auch zahlreiche Gäste, wie etwa die beiden Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD), außerdem Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), seine Stellvertreterin Gertrud Eichinger (SPD) sowie Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden, allen voran Gerlinde Sigl (CSU) aus Lengdorf.

Mit dem Verbrennen war der offizielle Teil beendet. Aber auch danach war die Stimmung prächtig. Waren im vergangenen Jahr die Hemadlenzn wegen der Kälte schnell in die umliegenden Wirtschaften verschwunden, hielten sie es diesmal bedeutend länger im Freien aus. Viele Kneipen hatten draußen bestuhlt, es wurde bei Partymusik getanzt, gelacht und getrunken.

Und wenngleich viele Leute in der Innenstadt waren und der Alkohol in Strömen floss, blieb alles friedlich – zumindest bis zum Nachmittag. „Obwohl deutlich mehr Leute da waren als zum Beispiel im letzten Jahr, gab es deutlich weniger Störungen“, sagte Dorfens Polizeichef Ulrich Milius in einer ersten Bilanz. „Wenn es so bleibt, dann ist es ein Traum.“

Als dann am Nachmittag der Föhnsturm deutlich heftiger blies, verzogen sich die Hemadlenzn nach und nach in die Wirtschaften und Bars in der Innenstadt. Und auch wenn für das Wochenende noch einmal tiefere Temperaturen angesagt sind, für die Hemadlenzn gibt es überhaupt keinen Zweifel: Der Winter ist vorbei.

Ausgelassene Stimmung beim Hemadlenzn-Umzug

Wolfgang Krzizok

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