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Vor zahlreichem Publikum trug Leonhard F. Seidl ausgewählte Szenen aus „Fronten“ vor. Im Hintergrund filmt das Kamerateam der Sendung „Point“ die im Frankenfernsehen ausgestrahlt wird.

Kriminalroman

„Fronten“ hat schrecklichen Bezug zu Dorfen

„Fronten“ heißt der neue Kriminalroman von Leonhard F. Seidl, der auf dem Polizistenmorden 1988 in Dorfen fußt.

Dorfen – „Der Roman soll kein Lehrbuch sein. Aber es soll zum Denken anregen“, so Seidl bei einer Lesung im Pfarrsaal Dorfen. Das Aktionsbündnis „Dorfen ist bunt“ hat den gebürtigen Münchner, der in Isen aufgewachsen ist und in Nürnberg lebt, eingeladen, seinen vierten Roman vorzustellen. Von der „Welt“ wurde der Roman zum Buch des Monats gekürt.

Die Geschichte um drei Charaktere unterschiedlichster Herkunft, deren Wege sich in dem fiktiven oberbayerischen Ort Auffing durch ein tragisches Ereignis treffen, haben einen besonderen Bezug zu Dorfen. Seidl recherchierte für „Fronten“ intensiv zu dem Amoklauf des psychisch kranken Slobodan Stefanovic aus Jugoslavien, der am 4. März 1988 drei Polizisten in der Polizeistation Dorfen erschoss. Anleihen nahm Seidl sowohl in der Handlung als auch in den Personen, versetzte die Bluttat aber in die Gegenwart. Erzählerisch raffiniert schildert er drei Schicksale parallel, in Zeitsprüngen von deren Kindheit bis in die Gegenwart. Die aus Kurdistan stammende Roja Özen integriert sich beispielhaft in Auffing, der bosnische Flüchtling Ayyub Zlatar erkrankt an Schizophrenie und Markus Keilhofer ist geprägt von der Erziehung seiner Großeltern, fanatische Reichsbürger.

Integration, Fremdenhass, ideologische Verblendung und Geisteskrankheit sind Themen des Krimis. Dabei war es vor allem letzteres, das die Zuhörer bewegte. Nach mehreren Auszügen aus seinem neuen Werk bat Seidl den Gymnasiallehrer Wolfgang Lanzinger und den Psychiater Christian Brisch zu sich, um die realen Geschehnisse von 1988 zu schildern und Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Gemeinsam hatten sie einen „Plus Kurs“, ähnlich einem Wahlkurs am Gymnasium Dorfen gestaltet, bei dem die Schüler die Entstehung des Romans und die vorhergehenden Recherchen begleiteten. Eingeladen wurden dazu unter anderem Brisch, der den psychologischen Aspekt des Amoklaufs beleuchtete, Dorfens damaliger Bürgermeister Hermann Simmerl und Anton Renner, der als Sanitäter vor Ort war. Viele Fragen gingen an Brisch, Oberarzt im Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen. Er erklärte die Tat als Reaktion auf eine extreme Bedrohungssituation, ausgelöst durch die Konfiszierung des Waffenarsenals Stefanovics. Diese Einschätzung warf die Frage nach der Schuldfähigkeit psychisch Kranker auf. Fabian Holzner

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