Heftige Diskussion im Dorfener Stadtrat

Gartenschau: Sportflächen raus aus der Stadt

Für die Bewerbung zur Landesgartenschau hat die Stadt Dorfen jetzt auch Flächen des Freibads und TSV-Sportplätze gemeldet. Das war im Stadtrat höchst umstritten. Bürgermeister Heinz Grundner wurde ein Alleingang vorgeworfen.

Dorfen – Die Möglichkeit, Sport- und Freizeitflächen abzusiedeln, sollen geprüft werden, hatte Josef Jung (ÜWG) in einem Antrag gefordert. In der jüngsten Dorfener Stadtratssitzung wurde zunächst über einen Grundsatzbeschluss für ein Sport- und Freizeitflächenkonzept der Stadt heftig gestritten. TSV und Tennisclub könnten umgesiedelt werden, möglicherweise auch noch das sanierungsbedürftige Freibad. Im Flächennutzungsplan ist dafür bereits ein Areal bei Rutzmoos festgelegt. Einen Grundsatzbeschluss zu fassen, war nach Protesten vor allem von SPD-, GAL- und Teilen der Landlisten-Fraktion schnell vom Tisch. Es wird nun ein Konzept erarbeitet, das Möglichkeiten und Kosten aufzeigt.

Die Beratung kollidierte dann schnell mit einem weiten Tagesordnungspunkt, nämlich mit dem Vorschlag, für die Bewerbung zur Landesgartenschau 2024 das Gelände des Freibads und der TSV-Sportplätze zu melden. Kritisiert wurde vor allem von SPD und GAL, dass Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) die Meldefrist für weitere Flächen bis 31. Januar nicht bekannt gegeben habe. Nun sei man mit der neuen Meldung der Freibadflächen überrumpelt worden und komme unter Zeitdruck. Heiner Müller-Ermann (SPD), Uli Frank-Mayer und Dorette Sprengel (beide GAL) unterstellten Grundner offen, den Stadtrat ohne Not absichtlich nicht informiert zu haben, wohl um sich zu profilieren.

Bauamtsleiter Franz Wandinger berichtete, dass im Zuge der Landesgartenschau-Bewerbung sich erst kürzlich bei einem Ortstermin mit der zuständigen Geschäftsführerin der Landesgartenschau-GmbH, Dagmar Voß, eine neue Perspektive ergeben habe. Beim Ortsrundgang in Dorfen seien das Meindl-Areal sowie der Isenauen-Park als ungeeignet bewertet worden. Dagegen habe Voß das Freibad und das dahinterliegende TSV-Areal als geeignete „Konversationsfläche“ positiv gesehen. Die Bauverwaltung habe es als Pflicht gesehen, um keine Chancen zu vergeben, diese Flächen „vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats“ in die Bewerbung mit einzureichen. Grundner habe den Vorschlag unterstützt und umgesetzt. Vergangenen Freitag sei in einer Besprechung mit Verwaltung, allen drei Bürgermeistern und betroffenen Referenten zur aktuellen Situation ausführlich informiert worden, betonte Wandinger. Der GAL-Vertreter war nicht erschienen.

Der Bauamtsleiter hatte zudem berichtet, es sei damit zu rechnen, dass das Freibad aus den 60er-Jahren spätestens 2023 ein Generalsanierungsfall sei. Betonbecken und Abdichtfolie seien dann kaputt, vielleicht auch schon früher. Eine Nutzung des Bades sei nicht mehr möglich. Daher der Vorschlag, das Bad möglicherweise abzusiedeln, was im Rahmen der Landesgartenschau Vorteile hätte.

Der Stadtrat war sich einig, dass Handlungsbedarf bei den beengten Verhältnissen beim TSV und TC sowie im Freibad herrscht. Wegen der weiteren Flächenmeldung glitt eine sachliche Diskussion allerdings schnell in eine ideologische Debatte ab, mit teils „kriegerischer Rhetorik“, wie Michael Oberhofer (CSU) meinte.

Grundner hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, er habe eine Stadtratsentscheidung vorweggenommen. Die Meldung der Flächen sei vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats erfolgt. Der Bürgermeister mahnte, Vertrauen in die Arbeit der Verwaltung zu haben. Wandinger sah sich „massiven Vorwürfe“ ausgesetzt, nahm aber Entschuldigungen aus dem Gremium an.

Trotz aufgeheizter Emotionen brachte Frank-Mayer noch eine Alternative ins Spiel. Es habe Vorteile, das Bad in der Stadt zu belassen. Man könnte den TSV-Fußball absiedeln und die Fläche als Freibaderweiterung nützen.

Beschlossen wurde einstimmig, eine Konzeption zur „möglichen Verlagerung“ der Sport- und Freizeitflächen (samt Bad) zu erstellen. Dabei müssen alle beteiligten Akteure und die Bürgerschaft einbezogen werden. Für die Landesgartenschau wurden einstimmig die Flächen am Hochwasserrückhaltebecken und die südliche Krautäcker gemeldet sowie Schwimmbad und TSV-Sportplätze (12:10 Stimmen). Ob man bei der Landesgartenschau dabei ist, wird Anfang nächster Woche bekannt. Ist Dorfen im Rennen, folgt im März ein Workshop, wo ein Konzept erarbeitet wird, das bis Ende Juni fertig sein muss.

Hermann Weingartner

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