Rausholen aus der Einsamkeit will das Dorfener Projekt "Miteinander - Füreinander" an Demenz erkrankte Menschen.

Einwände gegen Sinnesgarten 

Gebremste Allianz gegen das Vergessen

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Dorfen - Demenzkranke sollen die Freude am Leben möglichst lange behalten. Das ist das Ziel des städtischen Projekts „Miteinander – Füreinander“. Ein wichtiger Puzzlestein dazu ist der Etzkapelle errichtete „Garten der Sinne“. Nachbarn sind darüber aber offenbar nicht gerade glücklich.

Ende 2014 ist die Stadt mit ihrem Projekt „Miteinander – Füreinander. Natur und Kultur für Menschen mit Demenz, ein ganzheitlicher Ansatz zur Integration von Demenzbetroffenen in unsere Gesellschaft“ der bundesweiten Aktion „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ beigetreten. 

Im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates hat am Mittwochabend Projektleiterin und Koordinatorin Linda Brisch das Projekt vorgestellt. Die Ausschussmitglieder zeigten sich von dem Projekt und den bisherigen Aktivitäten beeindruckt. Mit Unverständnis wurde aber darauf reagiert, dass Anwohner an der Etzkapelle gegen den dort errichteten „Garten der Sinne“ offenbar massive Einwände haben. Worin die Ablehnung aber genau begründet ist, wollte Brisch nicht sagen. Auch von Seiten der Stadtverwaltung hielt man sich bedeckt. Mit den Nachbarn sei „ein Kompromiss“ geschlossen worden, sagte die Leiterin der Finanzverwaltung, Maria Bauer. Und Anita Feckl vom Ordnungsamt meinte, die Nachbarn hätten wohl „Angst vor einer Zweckentfremdung“. 

Dabei ist der Sinnesgarten auch für junge Menschen eine Gelegenheit, sich mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen. So hat eine Ganztagesklasse der Mittelschule im Fach „Soziales Lernen“ das Thema aufgegriffen und mit ihren Betreuern aus dem Kinder- und Jugendhaus Zaunlatten für den Garten gestaltet. Der „Garten der Sinne“, der im Mai offiziell eröffnet wird, soll ein besonderer Begegnungsort für Menschen mit Demenz werden. Dort soll für die Erkrankten Natur erlebbar werden.

 Genutzt werden können soll der Sinnesgarten von allen Einrichtungen, die sich mit der Betreuung von Demenzkranken befassen. So auch vom städtischen Altenheim Marienstift, der Nachbarschaftshilfe Dorfen und der Dorfener Caritas. Es fehlen aber wichtige Einrichtungen im Garten: Eine Toilette und ein Gartenhaus zur Lagerung von diversen Utensilien. Die Verwirklichung von beiden Vorhaben scheitert offenbar am Widerstand der Nachbarschaft. Zur Benutzung einer Toilette müssen die Betroffenen derzeit die Einrichtung im nahegelegenen Kindergarten an der Jahnstraße nutzen. 

Der „Garten der Sinne“ wird in Dorfen als wichtiges Angebot gesehen. Denn das betreute Freizeitangebot „Natur und Kultur erleben“ ist einer der Stützpfeiler in dem Dorfener Demenz-Projekt. Denn gemeinsam mit Betreuern erkunden von Demenz betroffene Dorfener ihre Heimat. Für Projektleiterin Brisch ist das wichtig. Denn der Aufenthalt in der Natur habe eine positive Wirkung auf den menschlichen Körper. Die Natur ermögliche den Einsatz und die Förderung aller Sinne. Naturaufenthalte förderten die Gesundheit und stellten gerade auch für an Demenz erkrankten Menschen eine Kraftquelle dar. Ebenso beeinflussten soziale Kontakte, Bewegung, Musik und das Erleben von Kultur das Leben positiv. Durch gemeinsame Aktivitäten in der Gruppe pflegten die Betroffenen soziale Kontakte, gewännen neue Freunde, neue Zuversicht und eine Abwechslung im Alltag. 

Das Projekt „Miteinander – Füreinander“ hat mittlerweile mehr als ein Dutzend Kooperationen mit Partnern aus den Bereichen Gesundheits- und Sozialfürsorge, Bildungswesen, Verwaltung, Handel und Kultur geschlossen. Viel von der Arbeit, die geleistet wird, erfolgt ehrenamtlich. Als wünschenswerte Ziele für die Zukunft nannte Brisch die Schaffung einer Fachstelle für pflegende Angehörige und ein Seniorenbüro in der Stadt. Dafür fehlen auf absehbare Zeit aber die finanziellen Mittel. Dabei wird das Thema Demenz in den nächsten Jahren an Dramatik zunehmen. Derzeit leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen an Demenz erkrankte Menschen. Bis 2050 rechnet man mit über drei Millionen. Vom Dorfener Projekt „Miteinander – Füreinander werden momentan sechs Demenzerkrankte betreut. Im städtischen Altenheim Marienstift sind über 60 Bewohner, die an Demenz leiden.

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