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Flehentlicher Appell: Sama Al Motafi (l.) floh aus Syrien nach Deutschland und ist hier glücklich. 

Flüchtlingshilfe Dorfen

„Gebt uns Zeit, eure Welt zu verstehen“

Es ist eine flehentliche Bitte, die unter die Haut geht: „Gebt uns Zeit, eure Welt zu verstehen.“ Die 23-jährige Sama Al Motafi ist vor dem Krieg in Syrien geflohen. Sie tut alles, um sich hier zu integrieren.

Von Fabian Holzner

Dorfen – Für die sechste Informationsveranstaltung der Flüchtlingshilfe Dorfen wurde kein Referent eingeladen und es wurde kein Vortrag gehalten. An diesem Abend präsentierte der Vorsitzende des Vereins, Adalbert Wirtz, im Jakobmayer-Saal fünf Flüchtlinge, die in Dorfen leben. Vorgestellt und in ihren Berichten unterstützt wurden vier Männer und eine junge Frau von Georg Wiesmaier (3. Vorsitzender) sowie Monika Roth-Dittlmann und Amalia Salas-Esser, Praktikantin bei der Flüchtlingshilfe. Unterschiedlich waren dabei die Gründe zur Flucht, verschieden fortgeschritten die Deutschkenntnisse, gleich aber das Fazit, dass sie in Dorfen gut aufgenommen worden sind.

Besonders beeindruckt zeigte sich das Publikum vom Wortschatz der 23-jährigen Sama Al Motafi aus Syrien. Ihre Mutter starb vor ihren Augen, bei der Flucht über Griechenland musste sie sich von verschimmeltem Brot ernähren. Mit dem Hintergrund eines begonnenen Medizinstudiums besucht sie nun die Krankenpflegeschule im Klinikum Taufkirchen. Sie endete mit der Bitte: „Gebt uns Zeit, eure Welt zu verstehen.“

Der 29-jährige Jalal Zahra flüchtete mit seiner ganzen Familie ebenfalls aus Syrien. Dort sollte er zum Militärdienst gezwungen werden, vor den Soldaten versteckte er sich auf dem Dach seines Hauses. Dabei bestand Jalal darauf, dass es sich um ein „normales Dach“ gehandelt hat, also kein deutsches Satteldach, was für Heiterkeit unter den Zuschauern im Jakobmayer sorgte. Sein erster Eindruck von Deutschland waren Massen betrunkener Oktoberfestbesucher am Münchener Hauptbahnhof. Als gelernter Schreiner macht er derzeit ein Praktikum bei der Schreinerei Thalmeier. „Die Firma ist wie eine Familie“, berichtete er.

Aus wesentlich ärmeren Verhältnissen kommt der 21-jährige Somalier Radwaan Mahdi Bashiir. Die finanziellen Mittel seiner Eltern reichten nur für den Besuch eines einzigen Schuljahres. Nach der Flucht über das Mittelmeer lebte er über ein Jahr in Isen und integrierte sich dort, indem er am Fußballtraining des TSV teilnahm. Aus Mietgründen lebt er nun in Dorfen und freut sich auf das Ende der Sommerpause, um auch dort in einem Verein mitspielen zu können. Daneben besucht Radwaan die Berufsschule und hat mehrere Praktika absolviert.

Der afghanische Familienvater Faiz Ali Ahmadi erntete Applaus für sein gutes Deutsch. Familiäre Streitigkeiten und die daraus resultierende Armut bewegten ihn zur Flucht. Seit zweieinhalb Jahren lebt der Eriträer Alidin Abdalla in Deutschland. Über seine Arbeit bei der Bäckerei Brugger urteilt er: „Ich habe einen guten Chef.“ Daneben lernt er jeden Tag vier Stunden Deutsch.

Im Anschluss an diese Erfahrungsberichte waren die Besucher eingeladen, bei landestypischen Speisen an mehreren Infoständen Fragen an die Geflüchteten zu stellen und Gespräche zu führen. Dabei ging es sowohl um persönliche Schicksale als auch um Fakten zu den jeweiligen Herkunftsländern. Der ganze Abend basierte auf Spendenbasis, Wirtz wies jedoch darauf hin, dass unter anderem für Anwaltskosten große Summen vom Verein aufgebracht werden müssten.

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