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Die Jäger auf Großkopferten-Pirsch: Rudi Nagl (l.) und Günther Janocha.

Politiker-Derblecken in Dorfen

„Gemeinsam sind wir unausstehlich“

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Dorfen - Bei 7,5 Prozent Alkoholgehalt des Bachmayerschen Josefator Doppelbocks muss ein Biertrinker schon standfest sein. Beim Dorfener Politiker-Derblecken am Wochenende im E 3-Eiskeller brauchten aber vor allem Stadträte Stehvermögen. Sie wurden mit beißendem Spott überzogen.

Eingang zum bayerischen Paradies oder Vorplatz der Hölle? Die Josefator-Gemeinde amüsierte sich prächtig. 

Zum Auftakt des zweitägigen Politiker-Derbleckens im urig, bayerisch-zünftig dekorierten E 3-Eiskeller hat Bürgermeister Heinz Grundner das erste Fassl Josefator angezapft. Die Brauerei hat es da mit der Tradition nicht so genau genommen, denn der Stadtchef musste ein gummiummanteltes Keg-Fass anstechen. Vielleicht lag es ja daran, dass es arg spritzte. Doch der erste Schluck Josefator wird noch im Gaumen der Lokalprominenz gekitzelt haben, als die Akteure auf der Bühne begannen, ihnen verbal einzuschenken. Und das über mehr als zwei Stunden hinweg. Auch wenn das uralte, in blau-rotes Licht getauchte Rundbogengemäuer des Bachmayerschen Eiskellers optisch wie der Eingang zum bayerischen Paradies wirkte – für manch einen Gescholtenen wurde der Ort eher ein Vorplatz zur Hölle.

"Cilli-Mare" Steffi Hönninger.

Steffi Hönniger holte als die alte Dorfener Naturheilkundige und Seherin „Cilli-Mari“ zu einer gewaltigen Moralpredigt aus. Bei den „Puzzles“, die der Stadtrat regelmäßig im Sitzungssaal zusammenbauen würde, fehlten die zwei wichtigsten Teile: „Dorfen“ und „gemeinsam“. Wie sich das auf das Image auswirke, könne man daran sehen, dass in anderen Gemeinden der Ausdruck „Dorfener Verhältnisse“ als Drohung eingesetzt werde. Für den Dorfener Stadtrat gelte nicht, „Gemeinsam sind wir stark“, sondern „Gemeinsam sind wir unausstehlich“. Für die Cilli-Mare hat sich im Dorfener Stadtrat „so eine Art Drei-Musketiere-Syndrom“ zwischen SPD, Grünen und Landlisten etabliert. Die Geheimwaffe, sozusagen der d’Artangnan, sei Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Figl. „Bei dem Kuschens alle!“ Die Situation in Dorfen umschrieb die Cilli-Mare mit drei Zeitungsschlagzeilen: „,Der Schuldenberg wird kleiner‘, des war in St. Wolfgang, ,Steuerquellen sprudeln‘, des war in Taufkirchen, ,Gewerbesteuer bricht weg‘, ja, des war in Dorfen.“ Vielleicht, so blickte die Cilli-Mare in die Zukunft, mache ja Taufkirchen demnächst wieder eine Ausstellung zum Thema „Verlassene Orte in ihrer ganzen Schönheit“ – „dann sehn ma a unser ,geliebtes Nest‘ Dorfen.“

Stadtrat tagt in der Kläranlage

Newsman Fred Janocha.

Neuigkeiten aus Dorfen übermittelte Fred Janocha als Nachrichtensprecher. Die Topmeldung: Die Stadtwerke haben auf dem Dach der Dorfener Schule eine Richtfunkantenne für Schwindkirchen installiert. Damit sollten Informationen für Vize-Bürgermeister Günther Drobilitsch „per Richtstrahl direkt in sein Hirn gesandt werden“. Vermeldet wurde auch, dass Stadtratssitzungen in die Kläranlage verlegt werden. „Da lassen sich gleich so manche Redebeiträge in die entsprechenden Klärbecken leiten.“

Streit im Auto: Isabella Czech und Martin Mittermaier.

Von seinen Erlebnissen in Dorfen erzählte der aus Isen in die Isenstadt migrierte „Egon M.“ alias Martin Mittermaier. Was ihn vor allem bewegt: Warum ist der Dorfener Bürgermeister – trotz Kind – noch nicht verheiratet? Und das als CSUler, wo ja Familie, Tradition und Wertekonservatismus so hoch gehängt würden. Als kleinen Anschub zum Heiraten erinnerte Egon den Bürgermeister daran, dass seine Lebensgefährtin „nicht die allerärmste in Dorfen ist. Das finanzielle Risiko wäre also null.“ Zusammen mit „Bella C.“ alias Isabella Czech kam Mittermaier ein zweites Mal auf die Bühne. Die beiden spielten, sehr zum Vergnügen der Zuhörer, ein altes Ehepaar, das eine Ballettaufführung besuchen will. Doch sie kommen nicht mal zur Abfahrt mit ihrem Auto, weil ständig etwas dazwischen kommt: Vom vergessenen Regenschirm über die falschen Schuhe bis zum verkehrten Datum der Eintrittskarten.

Der Kapitän heißt Drobilitsch

Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Rudi Nagl und Günter Janocha als Jäger auf Großkopferten-Pirsch. Verbale Watschn gab es vor allem für die Landlisten-Vertreter im Stadtrat. So wurde deren Angst vor den historischen Rathausbildern aufs Korn genommen. Weit und breit sei kein Therapeut zu finden, der sie davon befreien könne. Während Fraktionssprecher Martin Heilmeier wenigsten mit einem Kennedy-Zitat sage, „I bin a Darfna“, würde man von den Kollegen das ganze Jahr über gar nichts hören, „weil de koan Freigang ham“. Und auch die „Stadtwerke-Affäre“ wurde beleuchtet: „Da Figl hat das Kriegsbeil ausgegraben, er will auch a kloana Rente haben. Für eine Yacht mit einer hübschen Bitch, sein Kapitän heißt Drobilitsch.“

Einer, der auch für Stimmung sorgte, ist Matthias Ernst von der Blechmusik „Da Blechtraum“, die zünftig-boarisch aufspielte. Er erzählte zwischen den Auftritten so gute Witze, dass es die Zuhörer gerade geschmissen hat vor Lachen. Alles in allem war das Politiker-Derblecken eine Schau. Manche Sprüche waren durchaus böse. Aber das kommt davon, wenn man den Derbleckten aufs Maul schaut. Durch das Programm hat souverän Erich Kiefinger geführt.

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