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Max Mannheimer †

Interview 

"Geschichte auf seine unmittelbare Weise vermittelt"

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Dorfen – Deutschland trauert um Max Mannheimer. Andrea Hafner hat als Lehrerin am Anne-Frank-Gymnasium den Holocaust-Überlebenden wiederholt getroffen – als Referent vor Schülern. Nun leitet sie das Dorfener Gymnasium, das Mannheimer ebenfalls regelmäßig als Redner begrüßte.

Frau Hafner, welche Rolle hat Max Mannheimer für die Bildung junger Leute gespielt?

Andrea Hafner: Max Mannheimer bot den Schülern die einmalige Chance, direkte Schilderungen über die Shoah zu erfahren, die sehr persönlich und somit auch nahegehend waren. Mannheimer hat damit Geschichte auf seine unmittelbare Weise vermittelt, wie sie kein Schulbuch und keine Lehrkraft je den Jugendlichen verdeutlichen können. Ältere und ehemalige Schüler fragten immer wieder nach, wie es ihm gehe und ob er trotz seines hohen Alters noch einmal an die Schule komme. Viele, die ihn erleben durften, waren von dieser Begegnung geprägt. Es war für sie wichtig, alle Fragen stellen zu dürfen und diese sehr persönlich beantwortet zu bekommen. Die Momente, als Max Mannheimer seine im KZ eintätowierte Nummer seinen Zuhörern zeigte, hat sich für viele als intensivste Begegnung mit Geschichte erwiesen.

Welchen Eindruck haben Sie persönlich von Max Mannheimer gewonnen?

Hafner: Besonders auffallend war, dass Max Mannheimer Philantrop war. Ihn kennzeichnete einen unbeirrbare Offenheit, Freundlichkeit gegenüber den Menschen. Aufgrund seiner unverfälschten und offenherzigen Art gelang es ihm sofort, mit Menschen in Kontakt zu treten. Dabei fiel sein Humor auf – kein Zusammentreffen, ohne dass er einen Witz zum Besten gab. Keiner konnte sich seinem Charme entziehen. Doch gab es in der Begegnung mit ihm auch unfassbare Momente, wenn ihn die Erinnerung an die Shoah so nah war, dass er ins Stocken geriet, die Stimme versagte und Tränen in seinen Augen zu sehen waren. Er selbst disziplinierte sich dann, er wollte keine Belastung für sein Umfeld sein. Sein unermüdliches Erzählen über sein Schicksal während der NS-Diktatur war verbunden mit der Hoffnung, dass Jugendliche für eine Welt eintreten, in der sich dies nicht wiederholt.

Andrea Hafner leitet das Gymnasium Dorfen und kannte Max Mannheimer persönlich.

Kann die Lücke gefüllt werden, die er hinterlässt? Verliert das Thema 3. Reich und Massenmord an Anschaulichkeit, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt?

Hafner: Uns wird Max Mannheimer sehr fehlen. Natürlich geht mit den Zeitzeugen auch ein wichtiges Zeugnis über dieses dunkle Kapitel der Geschichte verloren, jedoch wird uns das Thema weiterhin berühren. Hier tragen wir auch Verantwortung dafür, dass folgende Generationen das Gedenken an die Opfer der Shoah nicht aufgeben. Dafür werden wir in der Schule und im Geschichtsunterricht weiter einstehen. Das ist gewissermaßen auch der Auftrag, den Max Mannheimer uns mitgegeben hat.

Bereitet Ihnen die aktuelle politische Lage Sorgen – Rassismus scheint wieder salonfähig zu werden, fremdenfeindliche Straftaten nehmen rapide zu.

Hafner: Diese Entwicklung verfolge ich mit großem Unbehagen. Man muss dagegen wirken, indem man im Alltag für Menschlichkeit eintritt und keinen Platz für Rassismus lässt. Auch hier wird das Gymnasium Dorfen an Mannheimers Einstellung anknüpfen und wachsam sein und für den anderen eintreten. Erst heute war die Schülermitverantwortung bei mir: Die Schüler möchten den Erlös aus verschiedenen Aktionen aus dem vorigen Schuljahr an die Flüchtlingshilfe Dorfen spenden. Das unterstütze ich natürlich sehr.

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